Saugbericht Scout RX 2

Miele grazie

Von Marco Dettweiler
 - 11:00
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Den Kampf mit dem Verlängerungskabel hat RX 2 verloren. Nichts geht mehr. Dabei hat er eben energisch den Playmobil-Baum vor sich hergeschoben. Selbst den Notenständer konnte er bezwingen, indem er ihn die Ecke drängte. RX 2 ist ein zielstrebiger Kerl. Er kennt nur eine Richtung, nämlich geradeaus, wer oder was sich ihm in den Weg stellt, wird geschoben oder dicht umfahren.

RX 2 erinnert nicht nur wegen seines Namens an R2D2 aus den Star-Wars-Filmen. Doch er ist kein Androide, sondern der neue Saugroboter von Miele für zirka 800 Euro. Seit Wochen kümmert er sich um den Holzboden einer Frankfurter Altbauwohnung mit vier Zimmern, Küche und Bad. Er schläft an einer mit der Steckdose verbundenen Basisstation im Schlafzimmer, die ihm in den Ruhezeiten verlorene Energie zurückgibt. Seine Arbeit kann der RX 2 unverzüglich antreten, wenn die Start-Taste an seinem Gehäuse oder auf der Fernbedienung gedrückt wird. Oder ihn seine innere Uhr weckt, die sich wie ein Wecker stellen lässt. Dann parkt er rückwärts aus, dreht sich um die eigenen Achse und saugt los.

RX 2 kann natürlich auch über eine App gesteuert werden, wie es sich für ein modernes Haushaltsgerät gehört. Dafür muss er erst eingerichtet werden, indem er mit ihrer Hilfe ins heimische Netz integriert wird. Das funktioniert auf dem üblichen Weg. Dann genügt beim nächsten Mal der Aufruf der App auf dem Smartphone, um ihn bedienen zu können. Die Einrichtung der App auf unserem Android-Smartphone verlief hakelig, ebenso zeigte sie im Betrieb einige Aussetzer. So konnte man in manchen Situationen nicht die Kameraübertragung aufrufen oder die Karte mit den gesaugten Bereich ansehen. Da sollte Miele noch einmal nachbessern.

Auch bei diesem Produkt ist die App eher Spielerei. Ihr Einsatz ist nur notwendig, wenn man auf dem Smartphone sehen will, was die Kamera des RX 2 gerade vor sich hat, oder ihn aus der Ferne steuern will. Doch wer will, wie Miele wirbt, auf diese Art kontrollieren, ob die Terrassentür zu ist oder was der Hund macht? Wer so ein Gerät kauft, will nicht selbst saugen, sondern es einem Roboter überlassen – und das am besten, wenn keiner zu Hause ist. Mehr nicht. Energie hat RX 2 genug, sein Akku mit 4400 Milliamperestunden reicht für zwei Stunden Arbeit. Doch er konnte sich in der Wohnung nie auspowern.

RX 2 scheitert an den Türschwellen. Die sind zwei Zentimeter hoch, Miele hat eine Obergrenze von 17 Millimeter festgelegt. Doch selbst wenn er die Schwellen nehmen würde, warten in den anderen Zimmern Kabel, Vorhänge, Spielsachen oder Kleidung, an denen er sich verheddern würde. Die Wohnung ist nicht ungewöhnlich eingerichtet, ähnliche Gegebenheiten dürfte es bei anderen Familien auch geben. Dass eine Wohnung nicht immer so aussieht wie auf den Werbebildern, weiß auch Miele. Daher haben die Ingenieure RX 2 so programmiert, dass auf dem Boden liegendes Magnetband genügt, um ihm zu signalisieren: Bis dahin und nicht weiter! Doch wer will schon seinen Parkett- oder Teppichboden mit schwarzen Streifen markieren, nur damit der Saugroboter alle paar Tage seine Grenzen kennt? Die Magnetstreifen halten zwar auch ohne Befestigung auf dem Boden. Doch müsste man sie dann jedes Mal auslegen und danach wieder wegnehmen.

Dann ist es Zeit, ihn abzuwischen und zu leeren

Deshalb empfiehlt sich die Ein-Zimmer-Strategie. Alle möglichen Hindernissen auf Bett, Tisch, Sofa oder Schrank stellen, den etwa drei Kilogramm schweren RX 2 von der Basisstation ins zu reinigende Zimmer tragen, irgendwo absetzen, auf die Starttaste drücken, Zimmer verlassen und Tür schließen. So saugt der Kleine vor sich hin, und es bleibt dank RX 2 Zeit für etwas anderes. Er erspart einem nicht nur die Arbeit, sondern flitzt an Stellen, die mit dem Bodenstaubsauger nur schwer zugänglich sind. Er kommt unter alles, was höher als 85 Millimeter vom Boden entfernt ist. Wenn er von seiner Mission an den Ort zurückkehrt, wo sie begonnen hat, ist der kleine Roboter meist mit einer Staubschicht überzogen. Dann ist es Zeit, ihn abzuwischen und zu leeren. Das geht schnell: Klappe auf, Henkel des Behälters hochklappen und anziehen, dann trägt man das eckige Eimerchen zum Mülleimer und kippt es aus. Die Entsorgung macht weniger Staub als bei einem Akku-Staubsauger.

Dass RX 2 immer wieder an der Realität scheitert, ist kein produktspezifisches Problem. Es betrifft die Gattung der Saugroboter. Alle Modelle werden an ihre Grenzen stoßen. Der Traum, dass ein Saugroboter eigenständig eine normal eingerichtete Wohnung komplett reinigt, ist ebenso in weiter Ferne wie ein Auto, das vollständig autonom fährt. So wie die Autohersteller enormen technischen Aufwand betreiben, tut es Miele für seine Verhältnisse auch. Damit RX 2 die Gegenstände im Zimmer möglichst nahe umfahren und durch den Raum navigieren kann, verknüpft der Algorithmus die Bilder der Kamera mit den Informationen, die ihm die Infrarotsensoren und der Gyrosensor liefern. Mit Hilfe der Kamera merkt sich der Roboter größere Gegenstände im Raum, an denen er sich unterwegs orientiert.

Wie er seine Umgebung wahrnimmt, lässt sich ganz gut in der App sehen. In dieser gibt es eine Visualisierung in Form einer Karte, welche die gereinigten Bereiche, die zu umfahrenden Hindernisse und den momentanen Standort des RX 2 zeigt. Die Darstellung ist sehr grob, so dass sie wie ein frühes Videospiel anmutet, wenn sich der Roboter als Punkt durch die Pixellandschaft frisst. Interessanter ist es, ihm in der Wirklichkeit zuzuschauen, um eine Strategie der konsequenten Raumreinigung zu entdecken. Der Roboter fährt so lange geradeaus, bis ihm ein Objekt begegnet. Davon gibt es für ihn offenbar zwei Kategorien. Vor einigen bremst er ab, als hätte er sie schon lange im Blick. Das wird besonders im Turbo-Modus deutlich, wenn er vor Hindernissen stärker bremst. Andere Gegenstände stubst RX 2 erst mit seiner flexiblen Front an, um sie dann zu umfahren. Das funktioniert nach dem gleichen Schema: seitwärts, rückwärts, vorwärts und wieder seitwärts. Sind die Dinge zu leicht, schiebt er sie vor sich her.

RX 2 fährt jede Stelle nur einmal ab, bevor er in seine Basisstation zurückkehrt oder an die Stelle, wo man ihn auf den Boden gelassen hat. Genügt die Saugleistung? Für Parkettböden auf jeden Fall. In Zimmern, in denen RX 2 sich austoben kann und jede Ecke erreicht, ist es nicht notwendig, noch einmal mit einem Bodenstaubsauger nachzubessern. Auf Teppichböden wird dies etwas anders aussehen. Da muss bei hartnäckigem Dreck öfter mal der konventionelle Staubsauger ran. In den Händen des Besitzers, ohne Kamera und App.

Quelle: F.A.Z.
Marco Dettweiler
Redakteur in der Wirtschaft.
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