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Für Otto Normalheizer

Von WALTER WILLE
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13.12.2017 · Früher Morgen, knirschend frische Piste: Da jodelt der Racecarver. Das ist Supersport unterhalb des Materials für den Rennsport. Blick auf eine Auswahl neuer Modelle.

Brennstäbe, I werd narrisch

ATOMIC REDSTER G9 Die Abschaffung des jahrelang gepriesenen Doubledecks auf Atomics Spitzensportlern ist eine kleine Revolution. Abgelöst wird das Doppeldeck durch ein viel filigraneres System namens Servotec, das die Österreicher als „neueste Weltcup-Renntechnologie“ und „Servolenkung für den Ski“ bezeichnen. Eine bleistiftdünne Strebe aus Titan, zum Schutz vor Beschädigung in einen Kanal auf der Oberseite des Vollholz-Titan-Skis versenkt, verläuft von der Front durch die Bindungsplatte und trifft auf ein dort gelagertes Elastomer. In unbelastetem Zustand ist das Elastomer wie eine Feder vorgespannt. Die Strebe gleite freier als das vergleichsweise wuchtige Doubledeck, heißt es vom Hersteller. Bessere Dämpfung, harmonischere Biegelinie des Skis sollen die Vorteile sein, der Ski lasse sich schneller durchdrücken, was ihn reaktionsfreudiger, agiler mache, das Einlenken gerade auch in bei geringerem Tempo vereinfache. Beim Entlasten des Skis soll das dämpfende Elastomer ein Peitschen verhindern. Der G9 ist die Redster-Version für längere Riesenslalomschwünge und nach unserem Eindruck eine Wucht. Faszinierend, mit welch feinfühliger Leichtigkeit er sich steuern lässt, wie präzise er folgt und sich trotz aller Schärfe jede Hinterhältigkeit verkneift. Übrigens: kein Rocker mehr unter den hochsportlichen Modellen von Atomic. Noch ein bemerkenswerter Schwenk.

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Längen: 165, 171, 177, 183 cm
Taillierung: 110–68–97 mm
Radius: 18,4 m bei Länge 177 cm
Listenpreis: je nach Bindung 900 oder 960 Euro

Svindal for you

HEAD WORLDCUP REBELS ISPEED PRO Für alle, die es verstehen, einem Ski klar die Richtung vorzugeben. Um die Möglichkeiten dieses Renners auszuloten, sind Einsatzbereitschaft, Verwegenheit und ein gutes Frühstück die Voraussetzungen. Um es den ganzen Tag über zu tun, zudem eine solide Standfestigkeit. Dafür geht der schussfeste Head Radien aller Art und ist nicht gewillt, sich durch irgendetwas aus dem Konzept bringen zulassen. Head verbaut in der Sandwich-Konstruktion des iSpeed Pro den leichten Werkstoff Graphen, ferner sein als Turbolader bezeichnetes Kers-System mit piezoelektrischen Fasern und Elektronik-Chip, das im Kurvenausgang für zusätzlichen Schub sorgen soll, verpasst der Laufsohle eine Rennstruktur und schraubt eine Bindung mit Rennplatte drauf. Wer zusätzlich aufrüsten will, lässt vor die Bindung für 100 Euro extra einen öldruckbasierten Dämpfer montieren, der beim Be- und Entlasten wirkt. Klingt nach Renntechnik pur, geht auch in die Richtung – und ist doch noch weit entfernt von den Welten eines wahren Svindal.

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Längen: 170, 175, 180, 185 cm
Taillierung: 119-68-99 mm
Radius: 18 m bei Länge 180 cm
Listenpreis: 950 Euro mit Bindung

Vollgasfischer

FISCHER RC4 THE CURV GT Sagen wir mal so: Wer einen Jagertee intus hat plus einen Enzian, kommt hiermit die Talabfahrt nur unter Mühen heil herunter. Was für ein Brummer! Den Curv GT versteht Fischer als „Rennski mit Pistenzulassung“. Bedeutet: Konstruktion und Kontur, die ganz aufs Ballern ausgerichtet sind, so weit am Profimaterial, wie es gerade noch sinnvoll erscheint. Suche nach der perfekten Kurve auf der harten, frischen Piste am frühen Morgen, Spiel mit den Fliehkräften, Fahrt wie auf Schienen – das sind Stichpunkte, die gut beschreiben, worum es hier geht. Unbeugsamkeit zudem, weshalb zum Holzkern zwei Lagen Metall plus ein Karbon-Glasfaser-Gemisch verbaut werden. Beim Blick aufs Datenblatt fällt die für einen Racecarver ungewöhnlich große Mittenbreite von 80 Millimeter auf. Die erlaubt es, mit noch größerer Schräglage zu carven, und hilft überdies, wenn die Piste nicht mehr ganz so frisch und hart ist. Toll, dass außerhalb jeglicher Norm so etwas gebaut wird, auch wenn der Markt dafür vermutlich klein ist. Benötigt werden Kraft, Können und ein klarer Kopp. Andernfalls: Finger weg!

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Längen: 168, 175, 182 cm
Taillierung: 129-80-112 mm
Radius: 16 m bei Länge 175 cm
Listenpreis: 900 Euro mit Bindung

In der Pro-Ebene

VÖLKL CODE L PRO Mit dem Völkl Code, einem sportlichen Pistenski, haben geübte Fahrer garantiert viel Spaß. Und dann gibt es da noch die Pro-Version des Code, 200 Euro teurer. Damit geht der Spaß erst richtig los. Der Unterschied ist mehr als 200 Euro wert. Die stets innovationsfreudigen Völkl-Mannen sprechen von „radikaler Technik für radikale Fahrweise“, das Konzept ist einigermaßen verrückt: Bindungs-Boosterplatte (höher, besserer Hebel, mehr Direktheit), Öldämpfer (Laufruhe in hohen Geschwindigkeiten), Racing-Schliff der Stahlkanten (Biss wie ein Piranha) unterscheiden den strammen Pro vom Basis-Code und rücken ihn Richtung Rennsport. Doch lassen die Straubinger zugleich Milde walten durch einen moderaten Seitenzug und ungewöhnlich in der Racercarver-Welt – gerockerte, also aufgebogene Skienden an Front und Heck, was der Dynamik überraschende Leichtigkeit und eine gewisse Gelassenheit beimischt. Könner, die auf vorzugsweise leeren Hängen eine zügige Fahrweise pflegen, werden den schwereren Proklar vorziehen, weil er mehr Reserven hat, die Ruhe bewahrt, verlustfrei pariert und so unterm Strich nicht mehr, sondern weniger Kraft verbraucht. Starkes Stück Ski.

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Längen: 164, 171, 178, 185 cm
Radius: (je nach Länge) 15, 16,6, 18,2, 19,9 m
Taillierung: 124-76-105 mm
Listenpreis: 1000 Euro

Das grüne Gift

ELAN SLX WORLD CUPPLATE Eine Welt, aus der die meisten von uns sich fernhalten sollten, eröffnet dieser Ski. Der Eintrittspreis beträgt 800 Euro(ohne Bindung). Zusätzlich ist eine erhebliche Investition in die körperliche Fitness erforderlich. Sonst macht er einen fertig. Beim SLX Worldcup Plate handelt es sich um den FIS-genormten Slalom-Racer von Elan, extrem im Kantengriff, brutal in der Stabilität, verflixt wendig. Gibt man ihn frei, entwickelt er eine ungeheure Dynamik, fällt über die Piste her, je enger, desto besser. Harte Abstimmung, hohe Rennplatte und schmale Stahlkanten (für geringer Reibungsind Merkmale solcher Expertenbretter. Eine Note umgänglicher und weniger kraftraubend ist der immer noch supersportliche Slalomcaver Elan SLX (750 Euro mit Bindung) aus der rundum überarbeiteten Racecarver-Linieder Slowenen. Hier nehmen sie Abschied von ihrer eigenwilligen „Amphibio“-Bauweise mit an der linken und rechten Skiseite unterschiedlich gebogenen Kanten. Der SLX tritt mit traditioneller Vorspannung samt leichtem Rocker vorn, Karbonplatte unter der Bindung und pfeilförmigen Titanverstärkungen von vorn bis hinten an sowie dem gleichen Giftgrün wie das Worldcup-Skalpell.

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Längen: 157 und 165 cm
Radius: 12,6 m bei Länge 165 cm
Listenpreis: 800 Euro (ohne Bindung)

C’est la Vieh

SALOMON X-RACE LAB GS 175 Biss, Aggressivität, ein Feuerschweif im Kurvenausgang alles so, wie man sich das im Supersport-Segment vorstellt. Sehr direkte Kraftübertragung obendrein, unbedingte Gehorsamkeit auf saubere Kommandos, Reaktion auf jedes Zucken mit dem großen Zeh, fabelhafte Laufruhe. Zugleich überrascht der Franzose mit einer Andeutung von Sanftmütigkeit, bestraft einen nicht sofort durch Abwerfen, wenn Kräfte oder Konzentration ein wenig nachlassen. „Power eines GS- mit der Wendigkeit eines Slalom-Skis“ verspricht der Hersteller, wobei dem 175 nach unserem Eindruck mittlere Radien besser schmecken als ganz kurze. Was steckt drin in solch einem Boliden? Als Motor ein Holzkern über die gesamte Skilänge in Lamellenaufbau aus drei Millimeter dicken Pappel- und Eschenholzlagern, doppelte Titanschicht, zwei Elastomer-Lagen an den Enden und unter der Bindung „zur Stoßdämpfung bei harten Landungen und zur erheblichen Verbesserung der Haltbarkeit“. Das soll wohl heißen: Schonungsloser Umgang mit dem Material wird erwartet.

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Länge: 175 cm Taillierung 115–65–98 mm
Radius: 15 m
Listenpreis: 1050 Euro mit Bindung
Quelle: F.A.Z.