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Smartwatch Ionic

Fitbit legt den Fokus auf die Fitness

Von Susanne Braun
 - 10:20

So manche Uhr lässt schon auf den ersten Blick die Herzen höherschlagen - die Ionic von Fitbit gehört eher nicht dazu. Einmal ausgepackt, liegt sie fast störrisch in der Hand, eckig, groß mit einem widerspenstigen Armband. Beim Anlegen friemelt man das Band zunächst durch die Schließe, um danach das Ende mit einem Klipp in das Band zu drücken. Beim Tragen stört die Schließe ein wenig, da sie weit absteht und man leicht überall hängenbleibt. Auch die Uhr wieder abzulegen gerät keineswegs geschmeidig, weil der Dorn immer wieder im Weg ist. Aber das muss man ja auch nicht ständig tun, denn sie ist für den 24-Stunden-Gebrauch gedacht, misst und zeichnet kontinuierlich alle Aktivitäten auf, ist sporttauglich und wassergeschützt bis 50 Meter.

Der Touchscreen aktiviert sich durch Drehung des Handgelenks, ist hell und jederzeit gut ablesbar. Die Bedienung ist eine Kombination aus Wischen über das Display und Drücken der Knöpfe an den Seiten. Für den Betrieb der Uhr muss die Fitbit-App auf das Smartphone geladen werden und die Uhr zunächst einmal initialisiert werden, und das dauert viele Stunden - Geduld ist gefragt. Auch die Übertragung von eigener Musik auf die Ionic funktionierte erst im zweiten Anlauf. Hat man die anfänglichen Hürden genommen, läuft hingegen alles reibungslos. Die persönliche Individualisierung lässt sich auf der Uhr selbst, in der App und auch via Web-Interface einrichten. Das Fitbit-Portal ist aufgeräumt und zeigt übersichtlich alle ermittelten Details, historische wie aktuelle. Während der Registrierung muss der Nutzer allerdings einer Speicherung seiner Daten auf den amerikanischen Servern von Fitbit zustimmen. Das mag nicht jedem gefallen.

Fokus auf Fitness und Gesundheit

Der Schwerpunkt der Ionic liegt auf Fitness und Gesundheit: Wie andere Fitnesstracker zeichnet auch sie die tägliche Aktivität in Form von Schritten und Stockwerken auf und ermittelt dank kontinuierlicher Herzfrequenzmessung am Handgelenk verbrannte Kalorien. Über App oder Web lassen sich zugeführte Nahrung und Getränke eintragen und somit die Kalorienbilanz des Tages ermitteln, was Hilfe zur Gewichtsoptimierung bietet. Tagsüber erinnert die Uhr regelmäßig daran, dass man die gewünschte Schrittzahl pro Stunde erreicht, nachts überwacht sie den Schlaf und dokumentiert Leicht-, Tief- und REM-Schlafphasen sowie Wachsein.

Vorinstallierte Apps bieten eine Auswahl an speziellen Fitnessprogrammen, durch die man geleitet wird. Auch zur Entspannung kann man sich motivieren lassen: Die geführten Atemübungen erweisen sich als hilfreich für ein immer mal wieder kurzes Innehalten während des Tages. Dieses Detail der Uhr haben wir als sehr angenehm wahrgenommen. Handy-Aktivitäten wie Anrufe, SMS, Apps oder Kalenderhinweise lassen sich individuell steuern, auch ob sie während des Trainings aktiv sein sollen, kann man auswählen. Bis zu 300 Musiktitel speichert die Uhr, sie lassen sich unabhängig vom Smartphone über Bluetooth-Kopfhörer wiedergeben.

Bei größerer Unruhe sind die Werte fragwürdig

Neben der allgemeinen Messung der Bewegung arbeitet die Ionic auch als Sportuhr: Radfahren, Laufen, Schwimmen, Hanteltraining, Laufband und noch einiges andere lässt sich als Workout auswerten. Während des Trainings können verschiedene Details gezeigt werden, die sich auch individuell vorgeben lassen. Beim Schwimmen ist das Display allerdings nicht berührungsempfindlich, in dem Fall drückt man Tasten für Start und Stop. So weit, so gut, aber kann man auch Intervalle stoppen? Beim Laufen nimmt die Uhr automatisch die einzelne Kilometerzeit, aber was, wenn wir 400-Meter-Intervalle stoppen wollen oder einen kleinen Bergsprint? Es war mühsam herauszufinden, aber auch diesem Anspruch genügt die Uhr.

Ja, sie kann vieles, was man auf den ersten Blick nicht gleich entdeckt, und je länger man sich mit ihr befasst, desto besser gefällt sie. Im Training misst die Ionic Beschleunigung und Strecke sowie die Herzfrequenz sekündlich. Ohne lästigen Herzfrequenzgurt erhält man verlässliche Daten, manchmal aber auch Aberwitziges. Denn bei Sportarten mit wenig Armbewegung wie dem Radfahren funktioniert die Pulsmessung am Handgelenk zuverlässig.

Sobald jedoch größere Unruhe ins Spiel kommt wie beispielsweise beim Laufen, sind die ermittelten Werte fragwürdig. Das GPS funktioniert hingegen tadellos. Ebenso erfreulich ist die lange Akkulaufzeit, bis zu fünf Tage bei normaler Nutzung. Im Dauereinsatz von GPS kann sie immerhin bis zu zehn Stunden durchhalten, und das Laden des Akkus danach ist erfreulich schnell geschafft. Was uns etwas seltsam anmutet, ist die Schlafanalyse. Viele Nächte haben wir uns überwachen lassen, und stets hatten wir angeblich 20 bis 30 kurze Wachphasen, was nicht der Realität entsprach. Auch erschließt sich uns nicht, wie leichte, tiefe und REM-Schlafphasen ermittelt werden.

Wem kann man die Ionic empfehlen? Sie kostet 350 Euro, also keine Kleinigkeit. Sie leistet vieles, aber das bleibt oft rudimentär. Interaktion mit dem Smartphone kann die Apple Watch besser, für echte Sportuhrqualitäten würden wir zielstrebig zu einem Produkt von Garmin oder Polar greifen. Stärken hat die Ionic dort, wo ihre Wurzeln liegen, nämlich beim Überwachen und Aufzeichnen von Fitnessaktivitäten. Sie ist sozusagen ein Allrounder und versucht, den vielfältigen Anforderungen des vernetzten modernen und gesundheitsbewussten Menschen gerecht zu werden. Für einen Fitnesstracker ist die Uhr zu teuer, und alle weiteren Qualitäten beherrscht sie leider nicht perfekt. Die Tendenz zu immer mehr Vermischung und Aufweichung aller Kategorien kann uns wieder einmal nicht überzeugen.

Quelle: F.A.Z.
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