Traktor-Miniaturen

Bauer-Power

Von Peter Thomas
 - 10:35
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Kühe sind nicht lila. Und Traktoren auch eher selten – selbst wenn ein solches Exemplar samt Tankanhänger als Werbemodell für eine bekannte Schokoladenmarke in der aktuellen Sonderausstellung des Spielzeugmuseums Nürnberg zu sehen ist. Angesichts der überwältigenden Vielfalt der Stile und Materialien, der Maßstäbe und Vorbilder, die „Mein kleiner grüner Traktor! Spielzeugliebling für Stadt und Land“ noch kurze Zeit zeigt, fällt der Schoko-Schlepper hinter Glas aber gar nicht auf.

Der Anlass für die Schau ist durchaus aktuell: Seit einigen Jahren ist keine Fahrzeuggattung im Modell erfolgreicher als der Traktor. Da können weder Renn- noch Lastwagen mithalten. Aber was macht eigentlich die große Faszination als robustes Kinderspielzeug und teure Sammlerminiatur aus? In einer Epoche der digitalen Urbanisierung ist die Lebenswelt der meisten Menschen schließlich vom Alltag landwirtschaftlicher Praxis weitgehend entkoppelt. Und die Industrie arbeitet längst an Acker-Robotern, welche die klassischen Traktoren in den kommenden Jahren ablösen sollen.

Youngtimer oder Oldtimer?

Ist die Spielzeugschlepper-Begeisterung – die auch in der höchst aktiven Szene der Sammler echter Oldtimer-Traktoren grassiert – vielleicht eine Form der Technik-Romantik, vergleichbar mit der Faszination für die Dampfeisenbahn im ICE-Zeitalter? Blitzumfrage bei den jungen Experten im Familienkreis. Mit altem Eisen vom Schlage des ikonischen Lanz Bulldog hat zumindest der Elfjährige nichts am Hut: Dann doch lieber ein Zinkdruckgussmodell im Maßstab 1:32 eines modernen Gummiketten-Großschleppers von der Nachfolgemarke John Deere.

Der Zwölfjährige hingegen hat sich gerade dazu entschlossen, einen Metallbaukasten mit dem Thema Traktor zu montieren. Vorbild des Bausatzes von Tronico im Maßstab 1:16 ist ein MB-Trac – jener legendäre Allradschlepper von Mercedes-Benz, den die Stuttgarter einst vom Unimog abgeleitet haben. Wenn schon Geschichte, dann steckt also höchstens die Faszination am Youngtimer hinter dem Traktoren-Interesse.

Die Modelle zeigen den Wandel der Branche

Das Motiv der Modernität passt auch zur Historie der Landmaschine. Denn diese steht schließlich im Zentrum eines rasanten Technologiewandels der Agrar- und Logistikbranche seit dem frühen 20. Jahrhundert. Davon erzählen auch die mehr als 250 Modelle, welche die Ausstellungsmacher in Nürnberg versammelt haben: Vom klassischen Blechspielzeug mit Aufziehmotor über selbstgebaute Holz-Bulldogs und die ganze Welt der Kunststoffmodelle bis zu Baukasten-Miniaturen mit Elektronik. Den Brückenschlag zur spielerischen Praxis schaffen eine Landschaft mit Spieltraktoren und ein Parcours mit Tret-Bulldogs im Museumshof. So demonstriert die Schau gleichermaßen den Technikwandel in der Landwirtschaft (vom Dampftraktor bis zum Systemschlepper) und der Spielzeugbranche (vom bunt bedruckten Blech bis zu filigranen Druckgussminiaturen).

Ein schöner Kunstgriff ist das an einer Wand aufgebaute Schaudepot. Es gibt einen Eindruck von der Vielfalt der Sammlung, aus der das Museum für die Sonderausstellung geschöpft hat. Unsere eigene Vitrine mit modernen Kovap-Blechtraktoren, dem (fast vollständigen) Lego-Technic-Traktor 851 aus dem Jahr 1977 und einigen anderen Modellen im Arbeitszimmer ist da nur ein leises Echo. Einige Bilder auf dieser Seite stammen aus der kleinen Sammlung.

Spielen und sammeln, bauen und verstehen: Die Nürnberger Schau- und Spielausstellung bietet ganz verschiedene Perspektiven auf das Thema Traktormodelle. Dabei öffnet sich der Blick auch auf die Sozial- sowie Technikgeschichte der vergangenen hundert Jahre. Die regionale Industriehistorie gehört ebenso dazu. Schließlich stammen viele der gezeigten Modelltraktoren von Blechspielzeugfabriken aus der Region Nürnberg wie Bing, Einfalt, Gama, Günthermann und Hess.

Quelle: F.A.S.
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