Leistungsdiagnostik

Blut, Schweiß, Tränen

Von Susanne Braun
 - 16:22
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Wer im Radsport etwas auf sich hält, misst seine Leistung in Watt. Nicht nur Profis nutzen die Form der exakten Messung, auch bei den Freizeitradlern ist sie ein Thema. Längst verlässt man sich nicht mehr auf die Pulskontrolle allein, bildet diese doch zum einen die körperliche Belastung nur mit einer gewissen Zeitverzögerung ab, ist zum anderen auch von äußeren Einflüssen wie Wetter, Stress oder Ernährung abhängig.

Nicht so die Wattmessung. Diese zeigt unmittelbar und exakt die Kraft, die auf das Pedal gebracht wird. Verschiedene Systeme haben sich inzwischen etabliert: Messung in der Hinterradnabe, in den Pedalachsen, in den Kurbelarmen oder direkt an der Kurbel, bei manchen kann sogar die Balance von rechtem und linken Bein ausgewertet werden. Ermittelt wird die aufgebrachte Kraft mittels Dehnmessstreifen. Wer ambitioniert an seiner Leistungsfähigkeit feilen möchte, hat mit diesen technischen Hilfsmitteln eine Basis für strukturierten Trainingsaufbau.

Weniger Zeitaufwand, aber trotzdem mehr Leistung

So sollte man meinen, zwangsläufig führen sie jedoch keineswegs zum Erfolg, wie das eigene Beispiel zeigt. Vieles schon wurde auf dieser Basis zur Leistungssteigerung ausprobiert. Fachwissen mit Anleitungen aus Büchern, Institute zu Leistungsdiagnostik, Trainingspläne, sogar persönliche Einzelbetreuung. Jahre der Hoffnung und Rückschläge, letztlich des Stagnierens führen irgendwann zur Einsicht: Sie ist untrainierbar. So werden Ehrgeiz und professionelle Betreuung erst einmal zu den Akten gelegt.

Doch dann der etwas andere Ansatz des Instituts für Leistungsdiagnostik Staps – Leistungssteigerung trotz reduzierten Zeitaufwands. Beides gleichzeitig? Die Prognose, innerhalb von drei Monaten eine Leistungssteigerung von 10 Prozent erreichen zu können, obwohl deutlich weniger Zeit investiert wird als bisher, klingt spannend. Lassen wir uns doch einfach auf das Experiment ein. Wer nicht wagt, der gewinnt nicht, also drei Monate Training nach Staps-Anleitung.

Ungewohnte Tests und ausführliche Beratung

Am Anfang steht ein Leistungstest auf dem Rad-Ergometer, nach drei Monaten der Kontrolltest. Im Kölner Institut sieht sich das Versuchskaninchen statt mit dem üblichen Laktatstufentest oder der Spiroergometrie, bei denen die Belastung in kontinuierlich steigenden Wattstufen bis zur Ausbelastung, also zum Abbruch durch den Sportler, erhöht wird, mit zwei verschiedenen Tests konfrontiert. Das ist neu, und es macht neugierig.

Zunächst ein 15 Sekunden langer Maximaltest, also 15 Sekunden all out. Später folgt ein Rampentest ähnlich dem üblichen Laktatstufentest. Die Aufteilung in zwei unterschiedliche Tests soll differenzierten Aufschluss über die beiden leistungsbestimmenden Stoffwechselsysteme des Sportlers geben: die maximale Laktatbildungsrate für den anaeroben und die maximale Sauerstoffaufnahmefähigkeit für den aeroben.

Im Anschluss an die Tests folgt ein ausführliches Gespräch über Prinzipien der Sportmedizin, Chemie, Physik, Psyche – viele Aspekte werden angesprochen, und die Sichtweise ist tatsächlich anders als das bisher Bekannte. Hier versteht einer sein Handwerk, hat abseits der üblichen Pfade gedacht und ein Verfahren entwickelt, mit dessen Hilfe die individuellen Baustellen erkannt werden können. Graphische Auswertungen zeigen deutlich, wo die Schwachstellen liegen, und der Sportwissenschaftler von Staps erstellt einen Trainingsplan, der die Schwerpunkte des Radtrainings der nächsten Monaten genau in diese Wunden legt. Die Probantin ist begeistert und stürzt sich ins Training, das laut online geliefertem Plan detailliert sogar inklusive Ernährungsrichtlinien für manche Einheit vorgegeben ist.

Die Einheiten werden kürzer und intensiver

Ausdauer liegt ihr im Blut, sprinten hingegen ist ihr zuwider und doch: von sofort an besteht jede Trainingseinheit aus intensiven Intervallen, stundenlanges Rumgeluller bei Wohlfühlpuls existiert nicht mehr. So steigt am Wochenende die Versuchung, einfach heimlich mal eine vier- bis sechsstündige Radtour einzustreuen. Ausdauer, bisher die unerschütterliche Basis und Stärke! Was, wenn sie verlorengeht, wo doch jetzt kein Training mehr länger als zwei Stunden dauert!

Im Verlauf der Monate läuft es hervorragend, obwohl die Einheiten anstrengend sind und oft nur mit viel Willenskraft überstanden werden. Dennoch, das Gefühl ist zu jeder Zeit gut und stark, auch mental. Nach drei Monaten folgt der zweite Test – wieder in Köln und wieder erst all out, danach Rampe. Die Spannung steigt: Drei Monate volles Risiko. Wo doch mit dem herkömmlichen Training zumindest das gewohnte verlässliche Ergebnis erzielt worden wäre.

Sportler bleiben oft ratlos zurück

Die Testauswertung ist niederschmetternd, keine Verbesserung, die Gründe bleiben unklar. An mangelnder Disziplin lag es wohl nicht. Sagte doch mal einer über die Kandidatin: Da kann fünf Stunden Sackhüpfen im Plan stehen, dann hüpft die fünf Stunden! Die Enttäuschung sitzt tief: Also doch untrainierbar, Zeit zum Aufgeben. Ob dieser Aspekt den Leistungsdiagnostikern bewusst ist, diese gewissermaßen menschliche Verantwortung, die jenseits der sachlichen Ausrichtung auf Puls und Watt und Muskeln liegt? Wenn Tests nicht das erwartete Ergebnis zeigten, sucht der Sportler nach Gründen. Na ja, das war vielleicht nicht dein Tag heute. Oder: Du warst vielleicht grad nicht so leistungsbereit. Tests sind immer mit Vorsicht zu genießen, da gibt es Schwankungstoleranzen, sie sind nicht immer zu hundert Prozent aussagekräftig. Hast du schlecht geschlafen? Am besten mach einfach weiter, es kann nicht immer nur bergauf gehen, der Erfolg kommt schon noch.

Erklärungen wie diese hat man oft gehört, sie bleiben diffus und lapidar, der Sportler bleibt ratlos zurück. Da stellt sich die Frage nach dem Sinn des Ganzen, auch diese Betreuung hat wie alle anderen zuvor nicht recht überzeugt. Freilich blieb mit deutlich weniger Zeitaufwand zumindest die Leistungsstärke erhalten. Das mag für viele ein legitimes Ziel sein. Und doch liegt damit die altbekannte Debatte über den Sinn von Leistungsdiagnostiken und Training nach strukturiertem Plan wieder auf dem Tisch. Sie mögen einem Großteil der ambitionierten Ausdauersportler helfen, aber sie sind kein Allheilmittel. Und die Methodik ist nicht für jedermann gleichermaßen tauglich.

Quelle: F.A.S.
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