Roboter Gardena Sileno City

Den kannste vergessen

Von Holger Appel
 - 19:47

Kleine Gärten werden sich wohl noch von Hand mähen lassen. Ja, werden sie. Doch finden offenbar immer mehr Hausbesitzer Freude daran, Roboter ans Gras zu lassen – selbst dann, wenn die Fläche nur zweihundert oder gar einhundert Quadratmeter beträgt. Der Grund ist nicht nur einer der Bequemlichkeit. Die Qualität eines regel- und gleichmäßig kurz geschorenen Grüns steigt sichtbar, der Rasen ist dichter, Unkraut hat es schwerer. Jedenfalls kommen nach den Mährobotern für die großen Flächen nun zunehmend solche für das kleine Terrain auf den Markt und mit ihnen ein Preisniveau, das den Erwerb erreichbarer macht. Wir haben die hauseigenen Halme schon mit einiger Begeisterung dem Bosch Indego 400 zum Fraß vorgeworfen, nun musste der Gardena Sileno City ran.

Die Installation gelingt dem halbwegs talentierten Kabelverleger in ein bis zwei Stunden. Der Begrenzungsdraht muss außen um den Rasen gezogen werden, mit dem Gummihammer einzuschlagende Plastikheringe fixieren ihn am Boden. 150 Meter Kabel und 200 Heringe liegen im Karton. Alternativ kann eine Furche in die Erde gefräst und der Draht darin unter der Oberfläche eingelassen werden. Wir haben die Auf-Gras-Variante gewählt, nach wenigen Wochen ist der Draht bis zur Unkenntlichkeit überwuchert. Seine Enden werden mit der Zange in Stecker eingeclipt, die wiederum an die Basisstation gesteckt werden, das ist eine solide Lösung. Der Sileno benötigt zudem einen mehrere Meter langen Führungsdraht von der Basisstation mitten hinein ins Geschehen.

Das sieht zunächst nach ziemlich viel Kabelsalat aus, die Wirkung aber ist überzeugend. Einzig der die beiden Kabel verbindende Plastikknubbel ragt hernach störend empor, weshalb wir den Anschluss an sicht- und trittgeschützter Stelle empfehlen. Der nach dem Zufallsprinzip mähende Gardena überfährt immer mal wieder das Leitkabel, und ist das jener Moment, in dem seine Kräfte schwinden, fährt er sich daran entlanghangelnd auf die Basisstation zum Aufladen. Das funktioniert perfekt. Zudem erkennt der Mäher, wenn er in voller Fahrt die Basisstation zu treffen droht, er verlangsamt dann die Geschwindigkeit, tastet sich heran und wählt im Zweifel einen anderen Weg. Das verhindert Unfälle, der Roboter verendet nicht quer auf der Station liegend, wie uns das mit dem Indego von Bosch widerfahren ist. Allerdings hat sich Vertikutieren erledigt, oder man muss genau auf die Drähte achten.

Rutscht das Leitkabel aus der Buchse in der Basisstation, mäht der Roboter zunächst weiter. Eine LED in der Station warnt grün blinkend, was suboptimal ist, wird grün doch eher als Funktionsfähigkeit wahrgenommen. Der Mäher aber ist nun bindungslos, geht sein Akku zur Neige, stellt er erst das Mähwerk ab und schließlich sich selbst, irgendwo auf dem Rasen. Dann muss er an die Hand genommen und zurückgeführt werden. Immerhin wissen wir nun, dass der Akku 3 Stunden und 20 Minuten hält. Wird das Begrenzungskabel durchtrennt, bleibt der Mäher sofort stehen. Das sagt jedenfalls Gardena, wir wollten dem Vorwurf der Sachbeschädigung entgehen und haben dies nicht ausprobiert. Stattdessen haben wir zur Simulation den Stecker gezogen und damit die Stromzufuhr unterbrochen, in der Tat hält der Mäher dann an. Der Sileno mäht sonntagstauglich leise, obgleich er seiner kupierenden Tätigkeit mit einem Gurgeln ähnlichen Geräusch nachgeht. Die dafür verantwortlichen drei Messerchen werden irgendwann stumpf, dann färben sich die Grasspitzen gelblich, weil sie nicht mehr geschnitten, sondern abgeschlagen werden. Gardena empfiehlt, je Saison zwei- bis dreimal zu wechseln, ein Set an Ersatzmessern kostet 18 Euro. Der Tausch gelingt flink.

Keine Gedanken macht sich der Roboter um das Wetter, er erkennt die äußeren Umstände nicht und mäht auch, wenn es schüttet. Dass er sich dabei einsaut, stört die Maschine nicht weiter. Sie lässt sich mit dem Gartenschlauch abspritzen, bitte nicht mit dem Kärcher, der könnte die abgeschottete Außenhaut durchdringen.

Sorgen vor Engstellen sind unbegründet, der Sileno fährt darin zwar hin und her, aber er findet wieder hinaus und mäht unverdrossen weiter. Fünfmal je Woche rückt er aus. Wie gesagt, nach dem Zufallsprinzip, auf wundersame Weise bringt er alle Stellen mulchend zur Strecke. Was auch dieser Roboter nicht vollständig mäht, sind Kanten. Er benötigt einige Zentimeter Sicherheitsabstand zu Wänden oder Rändern oder Pflanzen, und ist ein Schwimmbad im Boden eingelassen, sind mindestens 20 Zentimeter Puffer angeraten, besser noch eine aufragende Barriere. Das zieht Arbeit nach sich. Am Pool müssen Rasenkantensteine oder Ähnliches verlegt werden, gewöhnliche grüne Randgebiete müssen per Hand nachgetrimmt werden. Selbstredend hat Gardena auch dafür etwas im Programm, doch die umherfliegenden Grashalme trüben das so schön anstrengungslose Erlebnis.

Wer will, kann den Mäher in ein smartes System einbinden, dann kommuniziert er mit dem Handy oder dem Gartensprenger. Der Anschluss erfordert einen eigenen Router, der mitgeliefert wird, rund um den Telefonanschluss leider für weitere umherliegende Kabel sorgt und sich der Verbindung zunächst widersetzt hat. Über W-Lan gelang die Anbindung an die Vodafone-Fritz-Box-Hausanlage gar nicht, über Lan-Kabel nach einigen Flüchen. Sodann meldet der Mäher seinen Gemütszustand via App auf das Smartphone, und er lässt sich von dort auch zum Arbeiten oder Pausieren schicken. Das ist praktisch und befriedigt den Spieltrieb, aber in der Realität überlässt man die Organisation dem gespeicherten Zeitplan und erfreut sich an dem schönen Ergebnis. Der Sileno City verrichtet zuverlässig seinen Dienst, bald ist er einfach vergessen, das ist wohl das größte Kompliment für einen Roboter. Gardena möchte je nach Ausführung 800 bis 1100 Euro dafür.

Quelle: F.A.Z.
Holger Appel
Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.
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