Technik
Wie das Freibad sauber wird

Total blau

Von Peter Thomas
© Patricia Kühfuss, F.A.S.

Kühl und erfrischend: Ein Besuch im Freibad gehört für viele Menschen zum Hochsommer. Gerade in den Ferien herrscht deshalb bei schönem Wetter Hochbetrieb im Becken. Bis zu 18 000 Besucher täglich vermelden an Spitzentagen die Bäderbetriebe der Stadt Frankfurt am Main (BBF) allein im Brentanobad. Dann suchen in einem der größten Freibäder Europas mit 11 000 Quadratmeter Wasserfläche so viele Menschen Abkühlung, wie in einer ganzen Kleinstadt leben.

Die Dimensionen der 2319 öffentlichen Freibäder in Deutschland reichen von solchen Großanlagen bis zum schmalen 25-Meter-Becken in der ländlichen Gemeinde. Die technischen Anforderungen für den Betrieb sind jedoch immer gleich: Mit den Badenden kommen auch jede Menge Substanzen ins Wasser, die wieder entfernt werden müssen. Dazu zählen gröbere Schwimm- und Schwebstoffe (Haare und Textilfusseln), Trübstoffe (Hautschuppen und Erde), kolloidale Stoffe (Sonnencreme, Make-up und Speichel), aber auch Keime, Viren und im Wasser gelöste Substanzen wie Harnstoff.

Aluminiumsalze, die zur Flockung ins Wasser gegeben werden. Sie helfen bei der Filtration von Schwebstoffen.
© Peter Thomas, F.A.S.

Dafür, dass es in öffentlichen Freibädern dennoch hygienisch zugeht, sorgt die Wasseraufbereitungstechnik. „Die Sicherheit und Sauberkeit der öffentlichen Bäder in Deutschland ist hoch“, fasst Michael Weilandt zusammen. Der Diplom-Sportwissenschaftler ist stellvertretender Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen, dem Dachverband der Branche mit zusammen rund 5400 öffentlichen Bädern.

Wasseraufbereitung in Schwimmbädern schon seit 100 Jahren

Weil es keine bundesweit geltende Schwimm- und Badewasserbeckenverordnung gibt, orientieren sich die Bäder an der Norm DIN 19643 „Aufbereitung von Schwimm- und Badebeckenwasser“. Aber was heißt eigentlich sauber, wenn es um das Wasser in Schwimmbecken öffentlicher Bäder geht? Nachgefragt beim Umweltbundesamt. Dort ist der promovierte Chemiker Alexander Kämpfe Fachgebietsleiter für Schwimm- und Badebeckenwasser und chemische Analytik. „Die Aufbereitung muss vor allem sicherstellen, dass keine Mikroorganismen im Wasser enthalten sind, die Krankheiten auslösen. Das bedeutet, dass Bakterien abgetötet und Viren inaktiviert werden“, sagt Kämpfe und verweist auf das deutsche Infektionsschutzgesetz.

Typischerweise setzen Bäder auf Flockung, Filtrierung und Desinfektion zur Wasseraufbereitung. Die ersten Schritte dazu wurden schon vor rund 100 Jahren gemacht, wie Frank Müller, Geschäftsführer der Bäderbetriebe Frankfurt, berichtet. Das Gartenbad Fechenheim war mit seinen Filteranlagen bei der Eröffnung in den zwanziger Jahren eines der modernsten Bäder Deutschlands.

Und wie plant man knapp 100 Jahre später die Wasseraufbereitung eines neuen Schwimmbads? Das auf Planung und Baubegleitung von Schwimmbadtechnik spezialisierte Unternehmens Fey und Partner in Wuppertal übernimmt diese Aufgabe für das neue Sportbad im hessischen Rüsselsheim. Die Wasseraufbereitung des Hallenbads wird künftig auch für das bestehende Freibad nebenan genutzt. Allerdings bekommt jedes Becken einen eigenen Kreislauf. Entsprechend viele Speicher, Filter und Dosieranlagen stehen im Keller des Neubaus.

Rohrleitungen im Keller des Schwimmbads.
© Peter Thomas, F.A.S.

Es gibt verschiedene Formen sogenannter Schüttbettfilter, bei denen verschiedene Filtermaterialien wie Kies, Sand und Aktivkohle in einen Kessel gefüllt werden. Der Zulauf befindet sich oben, der Ablauf unten. Eine Alternative sind Anschwemmfilter mit Platten, an denen sich das Filtrat absetzt. Sie bestehen unter anderem aus Kieselgur und Aktivkohle. Andere Bäder setzen auf Ultrafiltration mit Membranfiltern, wobei das Wasser mit Druck durch die Filter gepresst wird. Welche Technologie heute zum Einsatz kommt, entscheidet sich unter anderem nach der Art des Bads und dem zur Verfügung stehenden Platz.

Biologische Filterung braucht viel Platz

Eine Ausnahme von den beschriebenen Methoden bilden Freibäder mit biologischer Wasseraufbereitung. Sie haben einen Wasseraufbereitungsbereich mit Pflanzen, Steinen und Kleinfauna, der allerdings relativ viel Platz benötigt.

Damit die klassische Filtration voll wirken kann, wird ihr eine Flockung vorgeschaltet. Das ist eine Reinigungsstufe, in der beispielsweise Aluminiumsalze ins Wasser gegeben werden. So klumpen kleinste Schwebstoffe zusammen und können effektiv gefiltert werden, wie Michael Weilandt von der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen erklärt. Um den Filter selbst zu reinigen, wird dieser rückgespült. Dazu pumpt man Frischwasser gegen die übliche Wirkrichtung durch die Anlage. Diese Spülung ist je nach Frequentierung des Schwimmbads täglich bis wöchentlich notwendig.

Auf Flockung und Filtrierung folgt schließlich die Dosierung des Schwimmwassers zur Desinfektion. Standard ist die Zugabe von Chlor. Auch der Einsatz von Ozon in einem geschlossenen System ist zur Desinfektion möglich.

Der Chlorgehalt in deutschen Schwimmbädern beträgt mindestens 0,3 und höchstens 0,6 Milligramm je Liter. Nur in Ausnahmefällen, wenn eine besonders starke Desinfektionsleistung erforderlich ist, darf die Konzentration vorübergehend auf bis zu 1,2 Milligramm je Liter erhöht werden. Im Vergleich zu anderen Ländern sind das sehr mäßige Werte – in Belgien beispielsweise liegen die Grenzwerte bei fast dem Zwanzigfachen.

Wasserqualität wird regelmäßig geprüft

Die meisten organischen Substanzen bringen die Badegäste ins Wasser – es sind die sogenannten Huminstoffe. Dazu zählt auch Harnstoff aus dem Säureschutzmantel der Hautoberfläche und Urin. Deshalb appellieren Badbetreiber und Experten an die Besucher, sich vor dem Gang ins Schwimmbad gründlich mit Seife oder Shampoo zu duschen – inklusive Intimbereich.

Die Wasserqualität in öffentlichen Bädern wird kontinuierlich überprüft: Die sogenannten Hygiene-Hilfsparameter wie Chlorgehalt, Redoxspannung (Keimabtötungsgeschwindigkeit) und gebundenes Chlor misst der Betreiber dreimal täglich mit photometrischen Verfahren. Der Umgang mit dem Testkoffer gehört zur Ausbildung zum Fachangestellten für Bäderwesen. Einmal täglich wird zudem der pH-Wert bestimmt, um ihn auf das ideale Milieu einstellen zu können. Allerdings haben viele Bäder dafür heute eine automatische Regelungstechnik. Die mikrobiologische Belastung wird bei starker Benutzung mindestens zweimal monatlich, bei schwacher Frequentierung mindestens dreimal in der Saison kontrolliert.

Ist ein öffentliches Freibad also dank Wasseraufbereitung nicht nur sauber, sondern auch ein perfekter Kreislauf? Nicht ganz: Erstens müssen je Badegast durchschnittlich 30 Liter Beckenwasser wegen Verdunstung und anderer Verluste durch Frischwasser ersetzt werden. In besucherstarken Jahren heißt das, dass der Inhalt des Beckens über die Saison zweimal komplett erneuert wird. Außerdem braucht es neben der externen Wasseraufbereitung auch noch Reinigungstechnik direkt im Becken: Dazu kriechen Saug- und Bürstroboter über den Boden und reinigen diesen von Algen, Sand und Haaren.

Quelle: F.A.S.
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