Vogelhäuschen

Im Restaurant „Zum frechen Spatz“

Von Hans-Heinrich Pardey
 - 17:03
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Schon länger als der seit Herbstanfang palettenweise herbeigekarrte Christstollen stapelt sich im Supermarkt das Vogelfutter: Sonnenblumenkerne, „Kraftfutter mit ausgesuchten Sämereien“, Meisenknödel und Erdnuss-Stangen „mit praktischem Clip“. Und im Gartencenter des Baumarkts gibt es über den Daumen gepeilt ein Dutzend verschiedene Vogelhäuschen und Körnersilos, von der vermutlich in China zusammengetackerten Ein-Raum-Futterkrippe aus schlechtem Holz zum Aufhängen über den nüchtern durchsichtigen Körnerspender aus Kunststoff, der sich ans Etagenfenster saugt, bis zu der auf einer Anderthalb-Meter-Säule stehenden Mini-Villa, die aussieht wie ein schwedisches Ferienhaus. Also, soll’s dekorativ sein oder bloß praktisch? Wetterfest und technisch ausgeklügelt an die Bedürfnisse und Vorlieben der Piepmätze angepasst oder vor allem bloß preisgünstig? Ach, wenn es doch so einfach wäre!

Zunächst muss man ja erst mal mit sich selbst und der umweltbewussten Mitwelt die Frage klären: Soll man überhaupt füttern, in der Eigenheimzone am Dorfrand genauso wie in der Stadt, im Betondschungel wie am Rande des Grüngürtels? Und wenn ja, füttert man nur bei Eis und Schnee oder vom ersten Rauhreif an oder gar ganzjährig? Darüber gibt es in Hülle und Fülle verschiedene Ansichten, auch Fachliteratur, die zudem bunt bebildert darüber aufklärt, wen man sich eigentlich als Kostgänger auf den Balkon oder die Gartenterrasse eingeladen hat. Es soll ja Leute geben, die eine Blau- nicht von einer Kohlmeise unterscheiden können und einen Kleiber nicht von einem Gimpelweibchen.

Nur für unbedrohte Arten eine Hilfe

Grundsätzlich ist das Füttern von Wildvögeln umstritten: Manche Autoren wie der Ornithologe Peter Berthold in seinem Standardwerk „Vögel füttern – aber richtig“ raten nicht nur zu frühem Futterstreuen, der Gewöhnung wegen, sondern sogar zur Ganzjahresfütterung. Gegen den Vogelprofessor macht etwa der Nabu im Netz mobil, offensichtlich als Fachverband um Deutungshoheit bemüht: Das Füttern am Haus helfe nur Vogelarten, die ohnehin ihr Auskommen fänden und im Bestand nicht bedroht seien.

Dass man sich in seinem Wohnblock allenfalls mit einer Krähenattrappe auf dem Fensterbrett, nicht aber mit einem die Neugier von Tauben weckenden Vogelhäuschen Freunde macht, versteht sich. Kurz und gut: Auch das harmlos erscheinende Vergnügen des Vogelfütterns kennt Leistungsdruck und kann in Stress ausarten. Zwischen jemand, der die Krümel der Brötchentüte auf dem Balkon verstreut, und einem, der zur rechten Zeit mit lebenden Mehlwürmern und Bienenlarven den Bruterfolg seltener Arten zu sichern versucht, besteht ein himmelweiter Unterschied.

Einig sind sich die Parteien in der Ablehnung des tonnenweise abgesetzten Futtermittels namens Meisenknödel: Jedenfalls dann, wenn die mit Kernen gespickten Talgklumpen – wie meistens – einfach in ihren Plastiknetzen an Zweige oder die Wäscheleine gehängt werden. Erstens könnten sich Vögel mit den feinen, scharfen Netzschnüren an Zungen und Zehen verletzen. Und die leergepickten Netze lägen als Plastikmüll nach jedem Winter haufenweise herum. Entweder sollten wir die Knödel vom Netz befreit in Körben aus dickerem Draht aufhängen oder gleich zum Erdnussbutterglas mit Dach und Sitzstange greifen, wie der Naturschutzbund es fix und fertig im Angebot hat.

Die Knödel ohne Netz auszulegen ist keine Lösung. So werden sie, kaum dass sie angepickt und damit etwas verkleinert worden sind, von kräftigeren Vögeln oder schlimmer von Ratten weiter zerlegt und weggeschleppt. Den Meisen ist es offensichtlich wurscht, ob sie mit den Knödeln in gefährlichen Netzen, mit halben Kokosnüssen voller Fett und Kernen oder mit der salzlosen Erdnussbutter traktiert werden: Sie turnen begeistert, wenn es sein muss kopfüber wie der Bursche mit dem schwarzen Augenstreif, am äußersten Ende von Ästen mit ihren wild schaukelnden Futterstellen herum.

Schutz vor kulleräugigen Killern

Die erfüllen mit dieser Position zwei Bedingungen, die auch für das Anbringen von Futterhäuschen gelten: freier An- und Abflug und durch Lage wie Höhe Schutz vor Räubern, die es auf das Futter oder sogar die Vögel selbst abgesehen haben. Mancher staunt, wenn er zum ersten Mal sieht, zu welchen Sprüngen Nachbars kulleräugiger Killer mit den langen Krallen bei der Vogeljagd fähig ist. Fütterstationen für Vögel und Eichhörnchen können sich ähneln, und das nicht nur im Nahrungsangebot.

Sie müssen aber sicherstellen, dass die Pinselohren nicht ans Vogelfutter kommen. Eichhörnchenfutter zu schützen ist einfach: Ein Kasten mit einem aufklappbaren Deckel und einer Glasfront genügt. So zeigt man zwar die Nüsse und Kerne wie in einem Schaufenster, den Klappdeckel bekommen aber nur die cleveren Nager auf. Umgekehrt muss der Zugang zum Vogelfutter besonders eng und so plaziert sein, dass die Körner zwar aufgepickt werden können, dass sich aber nichts grabschen lässt.

Ideal ist, wenn ein Vogelhäuschen unterschiedliche Arten der Futteraufnahme bedient. Das setzt eine gewisse Größe voraus. Zum Beispiel können Silos, in denen Körner und Fettfutter trocken gelagert und von oben nachrutschend angeboten werden, mit Körben für Talgknödel, Spießen für Fruchtschnitze und Haken für aufzuhängendes Futter sowie einer Freifläche für Bodenpicker kombiniert sein. Für diese Vogelarten, etwa Amseln, Futter in flachen Schälchen anzubieten ist auch dann keine gute Idee, wenn sich darüber ein Dach befindet. Regen fällt seitwärts ein, in den Schalen sammelt sich Feuchtigkeit, das Futter beginnt zu schimmeln.

Verwinkelt, niedlich - und häufig unhygienisch

Gute Vogelhäuschen haben darum Öffnungen im Boden, durch die das Wasser abfließen kann. Ein paar simple Bohrungen erfüllen diese Funktion nicht so gut wie etwa eine Fläche aus Fliegengitter. Es gibt auch Schalen aus Drahtgitter, die auf Füßchen stehen und das Futter an einer geschützten Stelle zuverlässig trocken halten. Andererseits gehört zur Fütterung auch eine Wasserstelle – und das nicht nur zur Sommerzeit. Wenn es trocken ist, kann man seinen Haussperlingen etwas Gutes tun, indem man ihnen eine Kuhle mit feinem Sand anbietet, in dem sie gern ihr Gefieder baden.

Während das Befüllen des Vogelhäuschens – Dach aufklappen, einfach schütten – einem in aller Regel leichtgemacht wird, ist es mit der Reinigung etwas komplizierter. Je niedlicher das Häuschen in Art eines Puppenhauses gestylt ist, desto schauderhafter sieht es nach kürzester Zeit der Nutzung aus und desto schwieriger ist es von Kot und verbackenen Futterresten zu reinigen. Nicht nur unter dem Gesichtspunkt der Hygiene, sondern auch der variantenreichen Befestigung wegen sind verwinkelten Vogelvillen reine Zweckbauten wie der Landhaus-Futtersilo von Emsa vorzuziehen. Zu guter Letzt: Man darf nicht die Fläche rund um eine Futterstelle herum unterschätzen, die von den flatternden Kostgängern verdreckt wird und deshalb immer mal wieder gereinigt werden muss.

Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Pardey, Hans-Heinrich (hp./py.)
Hans-Heinrich Pardey
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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