Umwelt & Technik
Monobloc Actuator

Wippen statt Drücken

Von Martin Häußermann
© Martin Häußermann, F.A.Z.

Gut Ding will Weile haben. Rund drei Jahre arbeitete die Mannschaft von Porsche Design Timepieces an ihrem neuen Flaggschiff, bevor es auf der Baselworld erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Das Warten hat sich gelohnt. Nach Irrungen und Wirrungen unter der Ägide von Eterna hat sich der seit 2014 komplett selbständige Uhrenhersteller auf seinen Markenkern besonnen und nun einen Zeitmesser entwickelt, der wieder das Versprechen einlöst, das im Markennamen steckt. Porsche und Design.

Beginnen wir beim Design. Das stammt aus dem hauseigenen Studio in Zell am See, das 1972 von Ferdinand Alexander (F.A.) Porsche, dem Gestalter des ewig jungen Porsche 911, gegründet wurde. Seit 2004 hütet dort der Schwabe Roland Heiler das gestalterische Erbe des 2012 verstorbenen von F.A. Porsche und zeichnet mithin auch für die Gestaltung des neuen Chronographen verantwortlich. Schon 2014 zeigte Heiler in Zell am See unter dem Siegel der Verschwiegenheit, wie er und sein Team sich einen modernen Chronographen des Hauses vorstellen. Vorbild war der von F.A. Porsche gestaltete Titan-Chronograph by IWC aus den 1980er Jahren. Dessen wesentliche technische Merkmale waren das Gehäusematerial Titan und die komplett im Gehäuse versenkten Chronographendrücker.

Seit 2014 baut Porsche Design ausschließlich Titan-Uhren, das Material fürs neue Flaggschiff war also gesetzt. Aber eine schnöde Replika des alten Erfolgsmodells kam nicht in Frage, das hätte dem Selbstverständnis des Hauses widersprochen, so Heiler. Weshalb die einst rundliche Form durch Kanten akzentuiert wurde, insbesondere sollte aber die rechte Gehäuseflanke einfacher werden. Krone plus Flankenschutz, dazu noch zwei – wenn auch versenkte – Drücker, das schien dem Designchef zu zerklüftet, weshalb er eine Chronographen-Kinematik mittels Wippe vorsah, die sich in der Tat sehr harmonisch ins Gehäuse einfügt. Dieses Bauteil ist dafür zuständig, den Stoppmechanismus zu starten, zu stoppen und wieder auf null zu stellen.

Wippe sollte im Ruhezustand mit dem Gehäuse bündig abschließen

Was sich in der Betrachtung des Designers zunächst recht einfach anhörte, entpuppte sich als echte Herausforderung für die Konstrukteure der Porsche Design Timepieces AG mit Sitz in Solothurn. Deren Geschäftsführer Rolf Bergmann erläutert: „Eine schlichte Lagerung der Wippe in einer Achse kam nicht in Frage, weil sich diese Achse mit dem Kronentubus überschnitten hätte.“ Außerdem war ein definierter Druckpunkt gefragt, schließlich sollte die Wippe im Ruhezustand mit dem Gehäuse bündig abschließen und dabei keinerlei Spiel aufweisen. Diese nicht ganz triviale Aufgabe schien Bergmann und sein Team zu beflügeln: „Schließlich begreifen wir uns eher als Ingenieurbüro denn als klassischer Uhrenhersteller.“ Außerdem nutzte der studierte Fertigungstechniker, der vor seinem Einstieg in die Uhrenbranche beim Sportwagenbauer arbeitete, seine Kontakte zu Porsche Motorsport in Weissach: „Zwar sind die Dimensionen im Uhrenbau dramatisch kleiner als im Autobau, doch die Konstruktionsprinzipien sind durchaus vergleichbar.“

Den gemeinsamen Überlegungen entsprang eine – inzwischen patentierte – Lösung, die einem Kipphebel-System zur Ventilsteuerung nicht unähnlich ist. Nur dass die Wippe hier eben keine Ventile aktiviert, sondern Stößelstangen, die den Fingerdruck des Bedieners auf den Chronographenmechanismus im Uhrwerk übertragen. Ein Federmechanismus – analog zur Ventilfeder – besorgt die Nullstellung der Wippe, und Schaftdichtungen sorgen dafür, dass kein Wasser ins Gehäuse eindringt. Schließlich sollte der Stoppmechanismus auch im Wasser bedienbar sein. Um die Dichtheit zu gewährleisten, entwickelten die Ingenieure eine eigene Testmaschine, in der die Prototypen mit jeweils 10 000 Chronographenbetätigungen unter Wasser belastet wurden. Nach der Schweizer Chronofiable-Norm muss ein Chronograph mindestens 3000 Betätigungen aushalten – im Trockenen. „Wir sind dem Porsche-Prinzip gefolgt, dass unser Produkt deutlich mehr aushalten muss als vorgeschrieben“, sagt Gerhard Novak, der für Markenführung und Vertrieb zuständig ist. „Deshalb haben wir unseren kompletten Entwicklungsprozess inklusive aller Maßnahmen der Qualitätssicherung an den Porsche-Entwicklungsprozess angelehnt“, ergänzt sein Kollege Bergmann. Da ist auch Robustheit und Alltagstauglichkeit des Produktes gefragt. Weshalb das Saphirglas zwecks bester Ablesbarkeit nicht nur siebenfach entspiegelt wurde, sondern diese Beschichtung auch noch mit einer kratzfesten Beschichtung versiegelt wurde.

Die Motoren macht Porsche Design Timepieces im Gegensatz zu den Sportwagenkollegen nicht selbst. Hier bedient man sich beim Marktführer ETA, zum Einsatz kommt deren Chronographenkaliber 7754, das auch noch eine zweite Zonenzeit anzeigt und für den Einsatz im neuen Chronographen unter anderem mit einem eigenen Rotor individualisiert wurde. Zu haben ist die Uhr, die nach ihrem Kipphebel-Mechanismus Monobloc Actuator genannt wird, in zwei Gehäusevarianten: reines Titan oder ein mattschwarz beschichtetes Titangehäuse. Kombiniert werden diese entweder mit passenden Titanbändern oder einem Kautschukband. Je nach Variante bewegen sich die Preise zwischen 5950 und 6950 Euro.

Quelle: F.A.Z.
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