Umwelt & Technik
Holzfällen als Sportart

So zerlegt man Baumstämme in wenigen Sekunden

Von Lukas Weber
© dpa, F.A.S.

Davon kann der Ofenbesitzer, den der Förster liebevoll „Selbstwerber“ nennt, nur träumen: Eben standen noch mannsdicke Stämme da, binnen Sekunden wurde daraus handliches Kleinholz. Hei, wie die Späne fliegen, unter Knattern und mit dumpfen Schlägen suchen die Besten ihren Meister. So kommt’s, wenn eine Arbeit zur Sportart wird.

Wettbewerbe der Waldarbeiter gibt es schon ewig, die frühesten Aufzeichnungen datieren aus einer Zeit, als Abraham Lincoln Präsident war. Nach einheitlichen Regeln ausgetragen werden sie freilich erst seit Beginn dieses Jahrhunderts, und weil der schwäbische Sägenhersteller Stihl auf die Idee kam, sie zu organisieren, tragen die Timbersports dessen Namen. Seit 2005 gibt es Weltmeisterschaften, die Liste der Titelträger ist indes übersichtlich – sie kommen, mit Ausnahme des ersten Jahres, allesamt aus Neuseeland oder Australien.

Nicht, dass die Europäer nicht sägen oder hacken könnten. Sie landen auf achtbaren Plätzen, und der deutsche Meister Dirk Braun, mit hundert Kilo und dicken Muskeln ein Hüne wie alle seine Konkurrenten, hält sogar in zwei der sechs Disziplinen den Weltrekord.

Die eine nennt sich Stock Saw und wird mit einer handelsüblichen Motorsäge von Stihl mit 7,3PS ausgetragen. Von einem auf exakt 40 Zentimeter abgedrehten Pappelstamm werden damit zwei Scheiben abgetrennt, diese Cookies sind, nebenbei bemerkt, als Souvenir begehrt. Braun schaffte das mal so schnell, wie Usain Bolt die hundert Meter läuft – in weniger als zehn Sekunden. Aber es geht noch schneller: In der offenen Klasse (Hot Saw) werden getunte Sägen verwendet, deren Leistung nicht limitiert ist. Sie haben bis zu 80PS und 30Kilo Gewicht, und ihre Kette läuft mit bis zu 270km/h mehr als doppelt so schnell wie in einer starken Seriensäge.

Kunststück: In der freien Klasse ist alles erlaubt, was der Mann noch tragen kann. Solch ein Monster kann bis zu 30 Kilo wiegen.
© Sebastian Marko for Global Newsroom, F.A.S.

Gibt es denn gar keine Beschränkung? „Der Motor darf nicht mehr als einen Zylinder haben“, sagt Raimondo Napoleone, der für Stihl die Weltmeisterschafen organisiert. Und die Sportler müssten sie alleine tragen und führen können, das reiche zur Begrenzung. Verwendet werden oft Aggregate aus Schneemobilen oder Motorrädern, aber Jörg Bläsi aus Ebersbach baut sogar einen Wankelmotor ein. In der sagenhaften Rekordzeit von 5,2 Sekunden hat Braun die 46-Zentimeter-Pappel mit seiner Hot Saw dreimal durchgeschnitten.

Am 19. und 20. Mai findet die Champions Trophy statt

Was braucht es da für körperliche Voraussetzungen? Eine angemessene Statur und beständiges Training. Beides taugt dann auch für die anderen Disziplinen: Mit einer zwei Meter langen Zugsäge wird die Scheibe in etwa zehn Sekunden abgelängt (Single Buck); mit einer haarscharf geschliffenen Wettkampfaxt wird das weiche Pappelholz auf dem liegenden Stamm (32Zentimeter) stehend zerteilt (Underhand Chop, Weltrekord 12,39 Sekunden) oder ein stehender Holzblock (30Zentimeter) durchgeschlagen (Standing Block Chop). Spektakulär ist die Disziplin Springboard; Kerben werden ins stehende Holz gehackt, zwei Bretter darin verankert. Der Sportler steigt darauf nach oben und kürzt den Stamm.

Wer das mal sehen will, kann sich am 19. und 20. Mai in Hamburg die Champions Trophy ansehen, in vier Disziplinen treten dort jeweils zwei Teilnehmer gegeneinander an. Die nächsten Weltmeisterschaften werden Anfang November in Lillehammer ausgetragen.

Quelle: F.A.S.
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