Volkswagen

Auf Piëch

Von Holger Appel

Die geschlagenen Wunden sind tief in den Familien Porsche und Piëch. „Verwandtschaft kann man sich nicht aussuchen“, sagt jetzt Wolfgang Porsche. Ferdinand Piëch wirft im Zuge des Abgasskandals mit Beschuldigungen um sich, die er nicht beweisen kann. Sie und sein Ego haben ihn aus dem herauskatapultiert, was er aufgebaut hat: Volkswagen, vom bedrohten Betrieb zum Autohersteller von Weltformat. Abgeschrieben ist Piëch; das nun die Macht haltende Duo lässt wissen, „dass kein Familienmitglied im operativen Geschäft aktiv ist, muss für den ganzen Volkswagen-Konzern gelten“.

Wohl wahr, das Familienmitglied Ferdinand Piëch ist kein einfacher Zeitgenosse, war er nie. Seine Eiseskälte ist legendär. Aber es war Fugen-Ferdl, der als Entwickler und später als Vorstandsvorsitzender jeden Spalt nachmaß, bis die Qualität stimmte. Der mit seiner Pedanterie und seiner Unermüdlichkeit die vor Abnahmefahrten mit dem Alten zitternden Ingenieure zu Höchstleistungen antrieb. Der Audi aus dem Dornröschenschlaf weckte. Quattroantrieb und A 8 und jahrzehntelanges Stehvermögen hoben die Ingolstädter auf Augenhöhe mit Mercedes und BMW; das hat sonst niemand geschafft. Zu Volkswagen kam er, als dort die Lichter auszugehen drohten.

Es folgten 23 Jahre unantastbarer Herrschaft, gefestigt durch einen VW Golf, der in jeder Generation jeden Vergleichstest gewann, und Verkaufszahlen, die den Konzern an die Spitze des Weltmarktes gebracht haben. Er hat Škoda gedeihen und Seat nicht untergehen lassen, mit dem XL 1 ein nur 1 Liter verbrauchendes Ausrufezeichen gesetzt und mit Scania und MAN die besten Lastwagen der Welt unter ein Dach geholt. All das mit rücksichtsloser Konsequenz, aber viele Arbeitsplätze sind dem leidenschaftlichen Techniker zu verdanken. Am Montag wurde Ferdinand Piëch 80 Jahre alt, und mancher tut so, als solle man sich seiner besser nicht erinnern. Dabei hat VW nie einen erfolgreicheren Vorsitzenden gehabt.

Quelle: F.A.Z.
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