Tech-Talk

Wir lieben Daten

Von Michael Spehr
 - 09:28

Dass über die vernetzte Fitness-Welt von Strava, einem Netzwerk mit hohem Ansehen und Millionen Teilnehmern in aller Welt, versehentlich Militärstandorte in Krisengebieten wie Afghanistan und Syrien veröffentlicht wurden, kann man als ärgerliche Panne abtun. Die Geschichte liefert jedoch einen Einblick in die Tücken des Datenschutzes: Strava hat nichts Böses gewollt und nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt. Aber die joggenden Soldaten in Krisengebieten verrieten nach dem gleichen Mechanismus das Geheimnis ihres Aufenthaltsortes wie diejenigen, die Beiträge in Facebook liken und damit unbeabsichtigt Aufschluss über ihre sexuellen Präferenzen geben.

Der Trick ist stets: Mit den Daten des Einzelnen entsteht Neues, Überraschendes, indem Verknüpfungen und Korrelationen hergestellt werden. Das alles geschieht mit Algorithmen, die selbst dann nicht einsehbar sind, wenn das betreffende Unternehmen unter dem Stichwort Datenschutz behauptet, seine Nutzer zu informieren. Das vom Bundesverfassungsgericht hochgehaltene informationelle Selbstbestimmungsrecht ist schon lange eine Farce. Und noch schlimmer kommt es, wenn die Lobbyisten der Internetkonzerne selbst dieses kleine Feigenblatt an Schutz noch weiter aushebeln wollen mit dem Euphemismus der „Datensouveränität“ – gemeint ist ein Freibrief für vollständige Datenenteignung.

Quelle: F.A.S.
Michael Spehr
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
FacebookTwitterGoogle+
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenKrisengebiet