In der Schachtel

Ein echtes Frühstück bei Tiffany

Von Roland Lindner, New York
 - 07:21

Die Szene ist legendär. Zu Beginn des Filmklassikers „Frühstück bei Tiffany“ fährt Audrey Hepburn alias Holly Golightly im Morgengrauen mit einem Taxi an der New Yorker Fifth Avenue entlang, untermalt von „Moon River“.

Als sie beim Edeljuwelier ankommt, geht sie in ihrem schwarzen Givenchy-Kleid und mit aufgesetzter Sonnenbrille zum Schaufenster. Während sie den Schmuck bewundert, holt sie aus einer weißen Papiertüte ein Croissant und einen Kaffee heraus. So macht sie ein Frühstück im Stehen vor einer der nobelsten Adressen der Stadt.

Der Film kam schon 1961 in die Kinos. Aber erst jetzt kam die Juwelierkette auf die Idee, den Titel wörtlich umzusetzen und in den Räumen ihres New Yorker Flaggschiffgeschäfts tatsächlich Frühstück anzubieten. Vor wenigen Tagen eröffnete im dritten Stock des Ladens das „Blue Box Café“, das erste gastronomische Projekt des Unternehmens. Hier können sich Besucher für 29 Dollar ein Frühstück servieren lassen.

Ganz in der Tradition von Audrey Hepburn gehört dazu ein Croissant und Kaffee, außerdem Obst sowie eine Auswahl von Avocado-Toast, Waffel, Lachs-Bagel oder Trüffeleiern. Einer Pressemitteilung zufolge richtet sich das Unternehmen mit dem Café an „Kunden, die schon immer davon geträumt haben, bei Tiffany zu frühstücken“.

Das Angebot beschränkt sich aber nicht auf das Frühstück. Das Café ist während der gesamten Ladenöffnungszeiten der Tiffany-Filiale in Betrieb, es gibt zum Beispiel auch ein zweigängiges Mittagessen für 39 Dollar und ein frühes Abendessen für 49 Dollar.

Wie der Name nahelegt, sieht das Café tatsächlich so aus, als sei man im Inneren einer der berühmten grünlich-blauen Tiffany-Schachteln. Die Farbe, die „Robin’s Egg“-Blau (nach den Eiern der Wanderdrossel) genannt wird und die sich Tiffany als Marke hat schützen lassen, dominiert das ganze Lokal, von den Bezügen der Bänke und Stühle bis zum Geschirr. Das Café hat nur 40 Sitze, was eine Erklärung dafür sein dürfte, dass es in den ersten Tagen nach der Eröffnung stundenlange Wartezeiten für Tische gab.

Präsidiale Belastung

Den Andrang auf sein Café dürfte Tiffany mit Freude registriert haben, denn etwas Rummel um die Marke kann dem 1837 gegründeten Traditionshaus nicht schaden. Das Unternehmen, das auf der ganzen Welt mehr als 300 Filialen betreibt, blickt auf zwei Jahre mit Umsatzrückgängen zurück und hat wegen enttäuschender Ergebnisse in diesem Jahr den Vorstandsvorsitzenden ausgewechselt.

Tiffany tut sich schwer, Zugang zu einer jüngeren Klientel zu finden. Im vergangenen Jahr hatte das New Yorker Flaggschiff im wichtigen Weihnachtsgeschäft noch mit einer zusätzlichen Herausforderung zu kämpfen, denn es liegt direkt neben dem Trump Tower, dem früheren Zuhause von Donald Trump.

Nach dessen Wahl zum amerikanischen Präsidenten wurden in der Gegend um das Hochhaus die Sicherheitsvorkehrungen erheblich verschärft, was das Geschäft von Tiffany und anderen nahegelegenen Händlern belastet hat.

Blechdose für Bettler

Das Café ist Teil eines renovierten Stockwerks, in dem außerdem eine neue Abteilung mit Haushaltswaren und Accessoires beheimatet ist, also Produkte jenseits des traditionellen Schmucks. Beides hat Reed Krakoff verantwortet, der seit Februar dieses Jahres als Chefdesigner fungiert. Krakoff nimmt sich vor, frischen Wind in das Unternehmen zu bringen und sagt, die neuen Räumlichkeiten sollen „experimentell und erlebnisorientiert“ sein.

Mit dem neuen Produktsortiment hat er für ähnlich viel Aufmerksamkeit gesorgt wie mit dem Café und sich auch einigen Spott zugezogen. So gibt es eine Kollektion namens „Everyday Objects“ mit banalen, aber sündhaft teuren Alltagsgegenständen.

Dazu gehört ein Lineal aus Silber und Walnussholz für 450 Dollar oder ein Jo-Jo aus den gleichen Materialien für 300 Dollar. Noch extravaganter sind eine Blechbüchse für 1000 Dollar und ein Garnknäuel für 9000 Dollar, beides aus Sterlingsilber. Gerade über die Blechdose machten sich viele Twitter-Nutzer lustig. Einer gab Bettlern den Rat, sich künftig ja nicht mehr ohne dieses „atemberaubende“ Stück erwischen zu lassen.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Lindner, Roland (lid.)
Roland Lindner
Wirtschaftskorrespondent in New York.
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