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IS-Kämpfer im Kinderzimmer

Von Christoph Hein, Singapur
 - 07:03

Seit dem Sommer dringen sie in die asiatischen Märkte und nach Australien vor: Kämpfer der Terrorgruppe IS, mit Waffen und Fahnen, als eine Art Lego-Männchen. Die Spielfiguren, die den Originalen von Lego ähnlich sehen und auch mit ihnen zu verbinden sind, gibt es in mehreren Sets online zu kaufen. Sie waren auch in Spielzeuggeschäften in Malaysia, Australien und Singapur aufgetaucht. Zum Set gehört auch ein abgeschlagener Kopf.

Singapur hat sie nun, nach Malaysia, aus den Regalen und von der heimischen Webseite Carousell verbannt. Ihr chinesischer Hersteller SY wirbt im Netz für andere Spielsets mit militärischem Hintergrund, etwa schwarz gekleidete Kommando-Einheiten mit Hund und Waffen, oder Superhelden wie „Iron Man Mark1“.

Grenzenlose Geschmacklosigkeit

Ein Satz der kleinen Männchen kostet umgerechnet rund 8 Euro. Da die Figuren jenen von Lego so ähneln – und auch das Logo von SY auf der Box ist natürlich in Rot und Weiß gehalten – wäre dies wohl ein Fall für die Bekämpfung des Diebstahls geistigen Eigentums oder von Warenmustern. So werben einige Internetseite auch mit „populären Lego-Kommando(soldaten)“ – obwohl es sich nicht um Produkte der Dänen handelt. Bei den IS-Kämpfern aber geht es um viel mehr.

Zum einen fürchten Eltern und Pädagogen die grenzenlose Geschmacklosigkeit. Auf der Packung ist ein IS-Kämpfer mit Kettensäge neben dem abgeschlagenen Kopf auszumachen. Brennende Dynamitstangen und die Fahnen der Terrorgruppe werden mitgeliefert. Allerdings verkaufen Läden der Region auch andere brutale Militärfiguren oder nachgestellte Nazi-Szenen – die Hemmschwelle liegt hier viel tiefer als in Deutschland.

Der Hersteller der IS-Ensemble empfiehlt seine „Spielzeuge“ für ein Alter zwischen 6 und 12 Jahren. Zum anderen aber fürchten die Regierungen eine schleichende Infiltration der Kinderzimmer. Gerade Australien und Südostasien mit ihrem großen Einfluss der muslimischen Bevölkerung sind in Sorge, dass die Terrorgruppe IS spielerisch glorifiziert werde. Gegner der Figuren führen auch ins Feld, dass in den Spielsets Fahnen mit Worten wie Allah und Muhammed verwendet werden – dies verletze die religiösen Gefühle vieler Menschen.

Quelle: FAZ.NET
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Christoph Hein
Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.
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