Idee der Pepsico-Chefin

Kommen bald die Chips für Frauen?

Von Roland Lindner, New York
 - 22:01

Es war ein Interview, das nach hinten losging. Indra Nooyi, die Vorstandsvorsitzende des amerikanischen Pepsico-Konzerns, wurde vor wenigen Tagen in einem Podcast des Radioprogramms „Freakonomics“ gefragt, inwiefern Männer und Frauen unterschiedliche Angewohnheiten beim Essen von Chips haben. Klingt eigentlich harmlos, hatte aber gehörigen Zündstoff, wie das Unternehmen bald herausfinden sollte.

Pepsico stellt nicht nur Limonaden wie Pepsi und andere Getränke her, sondern hat auch eine große Snack-Sparte, die zum Beispiel die in Amerika sehr beliebten gewürzten Tortilla-Chips der Marke „Doritos“ produziert. Nooyi antwortete sehr ausführlich auf die Frage. Wenn junge Männer Doritos essen, dann schlecken sie „mit großer Freude“ ihre Finger ab, sagte sie. Und nähern sie sich dem Ende der Packung, dann schütten sie die restlichen Krümel in ihren Mund, damit ihnen ja nichts von dem würzigen Geschmack entgeht. Und weibliche Doritos-Konsumenten? „Frauen würden gerne das Gleiche tun, aber sie tun es nicht“, sagte die Pepsico-Chefin. Ihnen gefalle es nicht, beim Essen von Chips in der Öffentlichkeit allzu laute Geräusche zu machen. Auch liege es ihnen nicht, ihre Finger „großzügig“ abzuschlecken oder Krümel von der Chipstüte direkt in ihren Mund zu schütten.

Chips für die Handtasche?

Der Moderator stellte daraufhin die naheliegende Frage, ob das Unternehmen denn nun separate Chips für Männer und Frauen entwickle. Nooyi bestätigte das nicht konkret, aber ihre Antwort ging schon in die Richtung. Pepsico beschäftige sich mit der Frage, ob es Snacks für Frauen gebe, die im Design und der Verpackung anders sein können, und stehe davor, eine ganze Reihe von ihnen auf den Markt zu bringen: Produkte, die den vollen Geschmack haben, bei deren Essen man aber keine klebrigen Finger bekommt. Die weniger krachende Geräusche machen und in die Handtasche passen, „weil Frauen es lieben, einen Snack in ihrer Handtasche herumzutragen“.

Nooyis Äußerungen fanden innerhalb kurzer Zeit den Weg in andere Medien. Und sie wurden weiter zugespitzt, so dass sehr schnell die Rede davon war, Pepsico entwickle „Lady Doritos“. Und aus diesen „Lady Doritos“ wurde ein Trendbegriff auf Twitter. Dort machte sich Empörung darüber breit, dass Pepsico die Auffassung vertrete, Frauen würden Chips nicht genauso in sich hineinmampfen wollen wie Männer, und damit Geschlechterklischees kultiviere. Model Chrissy Teigen twitterte, die einzigen stillen Chips seien abgestandene Chips. Andere fragten bissig in Anspielung auf Gehaltsunterschiede zwischen Geschlechtern, ob denn die Dorito-Packungen für Frauen vielleicht auch nur 77 Prozent so groß sein wie diejenigen für Männer. Manche zeigten sich erstaunt, dass solche Äußerungen ausgerechnet von einer weiblichen Top-Managerin kommen. Und es wurden Parallelen zum Marketingdebakel des Kugelschreiberherstellers Bic gezogen, der vor einigen Jahren für einen Aufruhr sorgte, als er spezielle Stifte für Frauen in Pastellfarben und schmalerem Körper auf den Markt brachte.

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Indessen waren nicht alle Reaktionen negativ. Auf der Online-Publikation „Slate“ nannte eine weibliche Autorin die Kontroverse „absurd“. Sie sagte, die Pepsico-Chefin habe nicht einfach Vorurteile verbreitet, sondern habe über Verhaltensweisen und Präferenzen gesprochen, die ihr Unternehmen in Studien mit seinen Kunden tatsächlich beobachtet habe. Und die Autorin gab zu, dass sie selbst tatsächlich nur ungerne ihre Finger in der Öffentlichkeit abschlecke.

Aber der Schaden war in jedem Fall angerichtet, und Pepsico sah sich zu einer Klarstellung gezwungen. „Die Berichte über spezifische Doritos-Produkte für weibliche Verbraucherinnen sind unzutreffend,“ hieß es in einer Mitteilung. Schließlich gebe es heute schon Doritos für Frauen, nämlich die gewöhnlichen Doritos, die jeden Tag von Millionen von Menschen verzehrt würden. Was denn Nooyi stattdessen mit ihrer Anspielung auf kommende frauenfreundliche Produkte meinte, ließ das Unternehmen aber offen.

Quelle: FAZ.NET
Roland Lindner
Wirtschaftskorrespondent in New York.
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