FAZ plus ArtikelArbeitslosigkeit im Fernsehen

Geschäftsmodell Hartz IV

Von Jan Hauser
 - 08:08

Elvis ist 45 Jahre, hat seine Ausbildung abgebrochen und ist arbeitslos. Der Hartz-IV-Empfänger wohnt mit seiner Frau und sieben Kindern in Mannheim. „Manche sagen, du musst ein Vorbild sein für deine Kinder“, sagt er. „Ich sage immer, soll ich denen zeigen, wie man sich verarschen und ausbeuten lässt?“ So sieht er das. „Klar, jeder sieht es anders.“ Zum Vorbild taugt Elvis nicht. Irgendwann hat er sich wie viele andere im System staatlicher Zahlungen eingerichtet. Mal wird das Geld am Monatsende knapp, mal bekommt er eine Strafe für Schwarzarbeit, dann scheint mal wieder alles in Ordnung. Wer lange arbeitslos ist, findet schwer wieder Arbeit.

Für Fernsehsender ist Hartz IV ein Geschäft. Sie blicken immer wieder auf das Leben von Arbeitslosen in Deutschland. Der spektakulär-unspektakuläre Alltag von Elvis und seiner Großfamilie ist für sie ein gefundenes Fressen. Dem Privatsender RTL II bescheren „Armes Deutschland“ und „Hartz und herzlich“ gerade einen Quotenhit. Die vor zwei Jahren gestarteten Reihen mit Hartz-IV-Beziehern laufen nicht zu Randzeiten, sondern zur wichtigen Sendezeit um 20.15 Uhr, wenn die Werbeblöcke am meisten einbringen. Eineinhalb Millionen Menschen verfolgen dieses Jahr die neuen Folgen. In der werberelevanten Zielgruppe im Alter von 14 bis 49 Jahren schaltet fast jeder zehnte Zuschauer RTL II ein. Die Fernsehbilder prägen dadurch den Blick auf Hartz IV. Aber wie sehr spiegeln die Fälle die Realität wider?

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Quelle: F.A.Z.
Jan Hauser
Redakteur in der Wirtschaft.
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