Trump jubelt

Arbeitslosigkeit in Amerika sinkt auf tiefsten Stand seit 17 Jahren

 - 17:57

Der robuste Wirtschaftsaufschwung sorgt weiter für einen Job-Boom in den Vereinigten Staaten. Im April fiel die Arbeitslosenquote auf 3,9 Prozent, wie das amerikanische Arbeitsministerium am Freitag in Washington mitteilte. So niedrig war die Arbeitslosenquote zuletzt Ende 2000 gewesen.

Analysten wurden von der Stärke des Rückgangs überrascht. Sie hatten zwar eine niedrigere Arbeitslosenquote erwartet, waren aber von 4,0 Prozent ausgegangen. Im März hatte die Quote noch bei 4,1 Prozent gelegen. „Die Vier-Prozent-Marke ist gefallen“, jubelte Präsident Donald Trump in einer ersten Reaktion auf Twitter.

Die Fed dürfte reagieren

Zwar entstanden mit 164.000 neuen Jobs fast 30.000 weniger als von Experten erwartet. Doch reichen einer Faustregel zufolge bereits 100.000 Arbeitsplätze pro Monat aus, um mit dem Bevölkerungswachstum Schritt zu halten. Damit wird eine baldige Zinserhöhung immer wahrscheinlicher. Die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed), die zuletzt im März die Zinszügel angezogen hatte, könnte bereits in wenigen Wochen ihre Geldpolitik weiter straffen. „Der nächste Schritt kommt im Juni“, sagte Postbank-Chefvolkswirt Marco Bargel voraus.

Der etwas enttäuschende Stellenzuwachs sei kein Grund zur Besorgnis. „Das spiegelt ein wenig die jüngste Konjunkturschwäche wider, ist aber keine Trendwende zum Schlechteren“, führte Bargel aus. Die amerikanische Konjunktur hatte in den vielerorts von Eis und Schnee geprägten Wintermonaten an Schwung eingebüßt. Zwischen Januar und März stieg das Bruttoinlandsprodukt nur noch mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 2,3 Prozent nach plus 2,9 Prozent Ende 2017.

Bargel geht davon aus, dass das Wachstum im zweiten Quartal wieder zulegt. „Ein Ende des Aufschwungs am Arbeitsmarkt ist nicht in Sicht.“ Seit der schweren Wirtschaftskrise im Jahr 2009, als die Arbeitslosenquote bis an die Marke von zehn Prozent heran gestiegen war, hat sich die Lage auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt stark verbessert. Mittlerweile sprechen bereits viele Ökonomen von Vollbeschäftigung.

Die Währungshüter um Fed-Chef Jerome Powell hatten im März den Leitzins auf die Spanne von 1,5 bis 1,75 Prozent erhöht. Amerikanische Händler sehen die Wahrscheinlichkeit, dass schon im nächsten Monat eine Anhebung auf 1,75 bis 2,0 Prozent kommen wird, mittlerweile bei 95 Prozent. Danach könnte sie die Zinsen dieses Jahr noch ein bis zwei Mal erhöhen. Denn die Notenbank erwartet, dass sich die Inflation 2018 um das von der Fed angepeilte Ziel von 2,0 Prozent einpendeln wird.

Geldpolitik
Kurz erklärt: Der Leitzins
© reuters, reuters

Im April legten die für die Preisentwicklung wichtigen Stundenlöhne im Schnitt jedoch nur um 0,1 Prozent zum Vormonat zu. Experten hatten mit 0,2 Prozent gerechnet. „Trotz einer guten Beschäftigungssituation kommt kein deutlicher Lohndruck auf. Genau dies spricht dafür, dass die Fed vorerst auf ihrem eingeschlagenen Weg bleibt und mit moderaten Zinsanhebungen fortfährt“, sagte Ökonom Thomas
Gitzel von der VP Bank in Liechtenstein.

Quelle: bth./dpa/Reuters
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