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Wie Steuern die Löhne drücken

Von Patrick Bernau
 - 16:37
Frauen in der Industrie: Sie leiden besonders unter hohen Unternehmenssteuern. Bild: dpa, FAZ.NET

Wenn Unternehmen mehr Steuern zahlen müssen, leiden oft die Löhne ihrer Angestellten. Das ist das Ergebnis einer Studie aus dem Münchener Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung. Insgesamt tragen die Mitarbeiter rund die Hälfte der zusätzlichen Kosten, hat Ifo-Präsident Clemens Fuest gemeinsam mit seinen Kollegen Andreas Peichl und Sebastian Siegloch ausgerechnet.

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Die Forscher haben die Auswirkungen von Gewerbesteuer-Veränderungen in Deutschland untersucht – insgesamt fast 18.000 Erhöhungen oder Senkungen in 10.000 Städten. Das Ergebnis war deutlich: Wenn die Gewerbesteuer in einem Ort erhöht wurde, sanken die Löhne und Gehälter in jenem Ort, oder sie stiegen deutlich langsamer als im Rest Deutschlands.

Das trifft vor allem die Mitarbeiter, die wenig Ausweichmöglichkeiten haben: Frauen und Geringqualifizierte. Hochqualifizierte Arbeitnehmer können ihre Gehälter eher halten, wie die Forscher ausrechnen – sie drohen zur Not eher damit, in einen anderen Ort zu ziehen, und haben so die größere Verhandlungsmacht, schätzen die Forscher. Entsprechend waren Frauen in der untersuchten Zeit von 1993 bis 2012 von den geringeren Löhnen eher betroffen. Als Zweitverdiener waren sie zu Umzügen oft weniger bereit.

Industrie und Bau am stärksten betroffen

Am stärksten betroffen sind Arbeitnehmer am Bau und in der Industrie, und zwar vor allem in kleinen und mittleren Unternehmen. Diese Unternehmen leiden unter höheren Steuern, können aber im Gegenzug ihre Preise kaum erhöhen und den Gewinn auch nicht in andere Orte verschieben – also bleibt ihnen weniger Geld für die Angestellten. Für große Unternehmen ist es dagegen nicht so entscheidend, wie hoch die Gewerbesteuer an einem Ort ist.

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Würden ganz Deutschland oder die ganze EU die Unternehmenssteuer erhöhen, könnten ähnliche Effekte möglicherweise auch für größere Unternehmen auftreten. „Ich denke, dass die Effekte auf nationaler Ebene größer sind, aber das ist letztlich nur ein Gefühl. Belastbare empirische Evidenz dafür gibt es leider nicht“, sagt Studienmitautor Andreas Peichl.

Die Studie zeigt allerdings auch: Je eher Unternehmen Gewinne von einem Ort zum anderen verschieben können, umso weniger wirkt sich die Unternehmenssteuer auf ihre Angestellten aus. Das könnte potentiell dazu führen, dass die Angestellten von Google und Apple unter EU-Steuerinitiativen leiden. „Im Zweifel ist es für Arbeitnehmer besser, wenn das Unternehmen die Gewinne verschiebt als die Löhne zu senken“, sagt Peichl. Die Studie erscheint demnächst in der angesehenen Fachzeitschrift „American Economic Review“.

Quelle: FAZ.NET
Patrick Bernau
Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.
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