Ludwig Erhard Zentrum in Fürth

Ein Mekka für die Soziale Marktwirtschaft

Von Maja Brankovic, Fürth
 - 15:15

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat das Ludwig Erhard Zentrum in Fürth eingeweiht und dabei an die Lebensleistung des früheren Bundeswirtschaftsministers und Bundeskanzlers erinnert. „Wir verdanken Erhard eine auf Freiheit und Rechtssicherheit gebaute Wirtschaftsordnung“, sagte Steinmeier. Er habe gewollt, dass „alle die Chance erhalten, sich eigenen Wohlstand zu erarbeiten.“

Auch der Frankfurter Ökonom und frühere Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank Otmar Issing, der das Zentrum in wissenschaftlichen Fragen berät, lobte am Freitag in Fürth die Leistungen Erhards. „Das Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit war kein Wunder“, sagte Issing. „Erhard hat den Rahmen gesetzt, in dem sich die Menschen entfalten konnten.“ Diese Politik sei allerdings in Vergessenheit geraten.

Konkrete Kritik hatte er dabei nicht für die Bundesregierung übrig, sondern für den französischen Präsidenten Emmanuel Macron. „Seine Forderung, den Mindestlohn in allen Mitgliedstaaten der Europäischen Union progressiv auf das höchste Niveau zu heben, ist zutiefst unsozial“, sagte der Ökonom. Gerade gegen die Bewegung aus Frankreich brauche es eine deutsche Gegenbewegung, die sich an einem „ordnungspolitischen Kompass“ orientiere.

„Ein deutschlandweit einmaliges Konzept“

Auf einer Fläche von 1200 Quadratmetern bietet das neue Zentrum den Besuchern eine Dauerausstellung, die sich auf zwei Gebäude, das Geburtshaus Erhards in der Fürther Altstadt und einen mächtigen Neubau gegenüber, verteilt. Im Mittelpunkt des Museums steht das Leben und Wirken des 1897 geborenen Politikers, der nach dem Zweiten Weltkrieg für die CDU zunächst Wirtschaftsminister und später Bundeskanzler war und als Begründer der Sozialen Marktwirtschaft gilt.

„Die Besucher erwartet ein deutschlandweit einmaliges Konzept“, sagte Evi Kurz, Vorsitzende der Stiftung Ludwig-Erhard-Haus, unter der Trägerschaft das Zentrum steht. Gedacht ist das Projekt nach Angaben der Initiatoren als „Dokumentations-, Ausstellungs-, Forschungs- und Begegnungszentrum für Ludwig Erhard und sein Konzept der Sozialen Marktwirtschaft“. Kurz machte auf das Alleinstellungsmerkmal des Museums aufmerksam: Es sei das einzige der Republik, das sich ausschließlich mit Wirtschaftsgeschichte beschäftige.

Ein Teil des Museums richtet sich gezielt an Kinder und Jugendliche. Im „Lernsupermarkt für Kinder“ zum Beispiel sollen Grundschüler mit dem Konzept der freien Marktwirtschaft in Berührung kommen. „Erhard wäre stolz gewesen, dass sie ihm keine goldene Statue, sondern einen Ort für Aufklärung und Dialog gesetzt haben“, fügte Steinmeier hinzu.

Ein Höhepunkt des Zentrums ist der sogenannte „Zukunftsraum“ im Neubau des Museums, der Erhards Denken in die heutige Zeit übertragen will. Erhard konnte zwar die technischen Umbrüche unserer Zeit nicht erahnen, sagte Steinmeier in seiner Rede, aber dennoch seien seine Vorstellungen der Sozialen Marktwirtschaft aktuell. „Das Versprechen der Sozialen Marktwirtschaft von Aufstieg und sozialer Sicherheit ist seit Jahrzehnten Garant für politische Stabilität. Ohne dieses Versprechen gerät in unserer Gesellschaft möglicherweise etwas ins Rutschen“, sagte der Bundespräsident. Es gelte, die Herausforderung der Globalisierung und Digitalisierung zu meistern.

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25.000 Besucher sollen im Jahr kommen

Darüber hinaus soll an der Universität Erlangen zusätzlich eine Stiftungsprofessur für Soziale Marktwirtschaft entstehen, die im Geburtshaus Erhards angesiedelt sein wird. Ziel sei, „vom Standort Fürth aus eine fundierte Auseinandersetzung mit Fragen der Wirtschaft- und Sozialpolitik im Sinne Erhards zu betreiben“. Der Lehrstuhl sei „der erste seiner Art in ganz Deutschland“, wie Kurz betonte. Bis zum Jahresende solle der „geeignete Kandidat“ für die Professur gefunden werden.

Für die Öffentlichkeit wird das Ludwig Erhard Zentrum voraussichtlich am 20. Juni seine Tore öffnen. Die Initiatoren erhoffen sich bis zu 25.000 Besucher im Jahr. Die Kosten für das gesamte Projekt liegen bei 18 Millionen Euro. Rund 6 Millionen Euro stellte das Bundesbauministerium im Rahmen der Förderung national bedeutender Städtebau-Projekte bereit, der Freistaat und die Stadt Fürth haben ebenfalls jeweils mehrere Millionen investiert. Rund 2 Millionen Euro sind privat aus Stiftungsgeldern finanziert. Für die laufenden Kosten, die Initiatorin Kurz auf rund 900000 Euro beziffert, wird der Freistaat Bayern aufkommen.

Diese Summen hatten im Vorfeld der Einweihung für Unmut gesorgt – zumal die Kosten zunächst auf 12 Millionen Euro geschätzt worden waren. „Fürth hat nun auch seinen BER“, hieß es in der lokalen Presse, als die Mehrkosten bekanntgeworden waren. Auch die Architektur des Neubaus hatte gemischte Reaktionen ausgelöst. Gefragt nach seiner persönlichen Meinung zur Ästhetik des „Betonklotzes“, wie manche Fürther den neuen Bau inmitten der Altstadt abwertend nennen, erklärte der Fürther Oberbürgermeister Thomas Jung (SPD): „Kommt drauf an, von welcher Seite ich komme. Von der einen Seite finde ich es schön. Von der anderen kann ich die Bürger verstehen.“

Quelle: F.A.Z.
Maja Brankovic
Redakteurin der Frankfurter Allgemeinen Woche.
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