Blackberry-Aus nach Feierabend

Stille Nacht für VW-Mitarbeiter

Von Johannes Ritter
 - 16:47

Volkswagen ist ein wohl behütetes Unternehmen. Europas größter Automobilkonzern steht unter der Obhut des Landes Niedersachsen, das 20 Prozent des Unternehmens besitzt und damit dank des heiligen VW-Gesetzes über eine Sperrminorität verfügt. Väterchen Staat kann den Wolfsburger Konzern also wirksam vor Ungemach schützen - so geschehen bei der unliebsamen und letztlich gescheiterten Übernahmeattacke von Porsche. Wohlbehütet sind aber auch die Mitarbeiter des Konzerns: Vor allem jene 180.000, die in Deutschland ihren Dienst verrichten. Ihnen steht ein Betriebsrat zur Seite, der mehr Macht und Einfluss als in jedem anderen deutschen Unternehmen hat. Das zeigt sich in großen wie in kleinen Dingen.

Der Chef erreicht niemanden mehr

Zu den großen Dingen zählt der Kampf für den Erhalt des VW-Gesetzes, den der VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh an vorderster Front ausgefochten hat. Zu den kleinen aber nicht minder bemerkenswerten Dingen zählt die jetzt bekanntgewordene Betriebsvereinbarung zur Nutzung von Blackberrys: Sie sieht vor, dass der E-Mail-Empfang dieser Smartphones zum Feierabend automatisch abgeschaltet wird. „Der Server für die Blackberrys der Tarifmitarbeiter wird eine halbe Stunde vor Beginn und eine halbe Stunde nach Ende der Gleitzeit heruntergefahren“, erklärt das zuständige Betriebsratsmitglied Heinz-Joachim Thust. Das bedeutet, dass die Mitarbeiter in der Zeit von 18.15 Uhr abends und 7 Uhr morgens keine Mails empfangen. Damit soll verhindert werden, dass die VW-Leute außerhalb ihrer normalen Dienstzeiten auf Nachrichten ihrer Chefs reagieren.

„Die Vereinbarung wurde schon sehr positiv aufgenommen“, sagt Thust. Man könne so sicherstellen, dass die Beschäftigten nicht rund um die Uhr zur Verfügung stünden, sondern nach getaner Arbeit auch ihre Ruhezeit nutzten. In den Genuss dieses Arbeitsempfangsschutzes kommen bisher freilich nur 1154 Tarifmitarbeiter. Alle außertariflich bezahlten Blackberry-Halter bleiben dagegen rund um die Uhr auf Empfang. In Ausnahmefällen kann auch ein Tarifmitarbeiter nächtens freigeschaltet bleiben. Dazu benötigt er aber eine Sondergenehmigung des Betriebsrats. Eine solche wurde allerdings bis dato noch nicht gewährt, verlautet aus dem Konzern.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Ritter, Johannes (rit.)
Johannes Ritter
Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.
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