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Brexit

In der EU fehlt es an Bankern

Von Jenni Thier
 - 12:19
Londoner Banker haben keine Lust, der Weltstadt wegen Brexit den Rücken zu kehren. Bild: Reuters, FAZ.NET

Seit dem Brexit-Votum vergangenes Jahr sehen sich viele in London ansässige Banken gezwungen, Hunderte oder sogar Tausende ihrer Mitarbeiter aus der Londoner City zu ins europäische Ausland zu verlagern. Viele Institute haben sich für Frankfurt entschieden.

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Doch nun stehen sie vor dem Problem, dass die Umzugskosten immer höher werden. Eine halbe Milliarde Euro könnte je Bank fällig werden, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Offenbar haben viele Banker keine Lust darauf, die Metropole zu verlassen. Gleichzeitig mangele es in Frankfurt, Dublin und Paris an erfahrenen Bankern.

Es gebe zu wenig qualifiziertes Personal in den entsprechenden europäischen Märkten, um die Nachfrage der Banken zu befriedigen, bestätigt ein Fachmann der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PWC. Also müssten die Geldinstitute ihre gut ausgebildeten Leute aus London für viel Geld dorthin verlagern. Um diese zum Umzug zu bewegen, schnüren sie teure Pakete. Dazu gehören Wohnung, Privatschulen für die Kinder und andere Anreize. Der PWC-Fachmann vermutet, dass ein Banker, der derzeit eine Million Pfund verdient, in Frankfurt oder Paris seinem Arbeitgeber wohl 1,5 Millionen kosten könnte. Wenn nun gleich mehrere Hundert Leute umziehen, kann das sehr schnell sehr teuer werden.

Frankfurt bisher Brexit-Gewinner

Die Banken haben aber wegen des Brexit-Votums kaum eine Chance, dem zu entgehen. Ein Profiteur ist Frankfurt: Mehr als zehn der weltweit größten Banken haben sich bisher zu der Main-Metropole als neues EU-Hauptquartier bekannt, darunter unter anderem Citigroup, Morgan Stanley und Goldman Sachs sowie mehreren japanischen Großbanken. Zehntausende neue Jobs könnten so in den kommenden Jahren dort entstehen.

Für die übrigen Standorte, die in Betracht kommen, haben sich bisher nur eine Handvoll Banken entschieden. Die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) hat Ende August eine Studie zu den Folgen des Brexits vorgelegt. Sie erwartet, dass mindestens die Hälfte der aus London abwandernden Finanzjobs nach Frankfurt verlegt wird. Das entspricht über einen Zeitraum von mehreren Jahren mindestens 8000 Mitarbeitern.

Quelle: FAZ.NET
Jenni Thier
Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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