Investitionen

China öffnet sich vollständig ausländischen Autoherstellern

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Ausländische Autokonzerne sind in China bald nicht mehr zwingend auf einheimische Partner angewiesen. Im Geschäft mit Nutzfahrzeugen solle die Grenze für ausländische Beteiligungen im Jahr 2020 fallen, bei Pkw im Jahr 2022, teilte die staatliche Kommission für nationale Entwicklung und Reformen am Dienstag in Peking mit.

Bisher dürfen ausländische Autobauer in dem Land nur aktiv sein, wenn sie dafür Gemeinschaftsunternehmen mit chinesischen Firmen gründen. An diesen dürfen sie nicht mehr als die Hälfte der Anteile halten.

Von der Streichung solcher Regeln sollen auch andere Branchen profitieren. So sollen die Grenzen beim Bau von Autos mit alternativen Antrieben, im Schiffsbau und bei Flugzeugherstellern bereits im laufenden Jahr fallen, hieß es.

Für deutsche Hersteller sind die Regeln von enormer Bedeutung. Die Kernmarke Volkswagen verkauft die Hälfte seiner Autos in China. Die sogenannte 50:50-Regel, wonach ausländische Hersteller an den Gemeinschaftsunternehmen nicht mehr als die Hälfte der Anteile halten dürfen, besteht seit 1994. Das Land begründete die Regel mit dem Schutz der heimischen Industrie.

Die Anleger reagierten positiv auf die Nachrichten aus Peking: Die Aktien vieler europäischer Hersteller gewannen am späten Vormittag. Volkswagen legte um 1 Prozent zu, BMW und Daimler um jeweils 0,4 Prozent. Renault lag mit 0,9 Prozent im Plus, PSA mit 1,3 und Fiat Chrysler (FCA) mit 1,9 Prozent.

VOLKSWAGEN VZ

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Die deutsche Autoindustrie begrüßte die angekündigte Öffnung der Märkte als Zeichen für freien Wettbewerb. „China ist für die deutschen Hersteller und Zulieferer nicht nur Exportmarkt, sondern vor allem auch ein wichtiger Produktionsstandort. Verbesserungen bei den Investitionsbedingungen stärken unsere Zusammenarbeit.“ Die Gleichbehandlung von nationalen und internationalen Unternehmen sei eine Voraussetzung für den wirtschaftlichen Erfolg Chinas.

Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ist in den ersten drei Monaten um 6,8 Prozent zum Vorjahreszeitraum gewachsen. Damit liegt das Wachstum bislang über dem Jahresziel der Regierung, das mit "rund 6,5 Prozent" angegeben wird.

China befindet sich mitten in einem Handelsstreit mit Amerika. In den vergangenen Wochen eskalierte der Konflikt zwischen den beiden Wirtschaftsgroßmächten. Nach Erhebung von Zöllen auf Stahl- und Aluminiumimporte kündigte der amerikanische Präsident Donald Trump zusätzliche Abgaben für 1300 chinesische Produkte im Umfang von 50 Milliarden Dollar an. China drohte umgehend mit Zöllen in ähnlichem Umfang. Die Regierung in Washington wirft China vor, Handelsgeheimnisse von amerikanischer Unternehmen zu stehlen und über Gemeinschaftsunternehmen (Joint Ventures) geistiges Eigentum abzuschöpfen.

Quelle: hade./dpa/Reuters
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