DIW-Chef

Ärger über Exportweltmeister Deutschland verständlich

 - 04:18

Der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, hat Verständnis für den Ärger des amerikanischen Präsidenten Donald Trump über Exportweltmeister Deutschland gezeigt und sieht die Bundesregierung in der Pflicht. „Die Bundesrepublik hat einen enormen und viel zu hohen Handelsüberschuss. Da muss sich die Regierung endlich mal ehrlich machen und den Vorwurf akzeptieren“, sagte DIW-Präsident Fratzscher der „Passauer Neuen Presse“. „Wenn Deutschland seine Investitionen hoch fahre und die Investitionsmöglichkeiten für ausländische Firmen verbessere, wäre dies ein wichtiger Beitrag zur Deeskalation des Handelskrieges“, sagte er.

Die Sorge, dass Trump Importzölle für Autos aus Europa vorbereitet, wie bereits mehrfach von ihm angekündigt, sieht Fratzscher als „sehr berechtigt“ an. „Mit seinen möglichen Abwehrmaßnahmen wäre Trump gerade gegenüber Deutschland nicht völlig im Unrecht“, erklärte der Wissenschaftler. „Deutschland bricht, was die Leistungsbilanz betrifft, seit Jahren die EU-Regeln. Es ist zynisch, die Nachbarn immer wieder zur Einhaltung der gemeinsamen Regeln zu ermahnen, während Berlin selbst dagegen verstößt.“

Den massiven Exportüberschuss immer wieder durch die tollen Leistungen deutscher Firmen zu entschuldigen, sei Quatsch, sagte Fratzscher. „Ursache ist, dass der Unterschied zwischen Exporten und Importen viel zu groß ist, also viel zu wenig importiert wird. Und daran lässt sich sehr wohl etwas ändern.“

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Heftige KritikAmerikanische Strafzölle lösen Gegenmaßnahmen aus

Vor drastischen Gegenmaßnahmen gegen die Vereinigten Staaten könne er nur warnen, sagte Fratzscher. Es müsse weiter verhandelt werden. „Und Deutschland und die Europäer wären gut beraten, wenn sie auch eigene Fehler eingestehen.“ Es gebe Ungleichgewichte auf beiden Seiten. „Die Amerikaner konsumieren zu viel und haben zu hohe Schulden. Deutschland ist zu sparsam und importiert zu wenig.“ Deutschland habe eine Investitionslücke von 100 Milliarden Euro jedes Jahr. „Wenn sich Berlin hier ein Ziel setzen würde, wäre dies ein wichtiger Beitrag zur Deeskalation des Handelskrieges.“

Quelle: Reuters/chrs.
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