Vor G-7-Gipfel

Trump wettert gegen EU und Kanada

 - 05:20

Amerikas Präsident Donald Trump hat kurz vor dem G-7-Gipfel die EU und Kanada wegen ihrer Handelspolitik scharf kritisiert. Die Länder verlangten hohe Zölle und hätten andere Handelsbarrieren errichtet, erklärte Trump am Donnerstag (Ortszeit) auf Twitter. Dies sei gegenüber amerikanischen Bauern, Arbeitern und Unternehmen unfair. Würden Zölle und Handelshürden nicht abgebaut, würden die Vereinigten Staaten mit härteren Maßnahmen reagieren.

Der französische Präsident Emmanuel Macron und der kanadische Regierungschef Justin Trudeau hatten bei einem Treffen die amerikanische Handelspolitik kritisiert. Macron sagte mit Blick auf Trump: „Niemand von uns währt ewig.“

Die Staats- und Regierungschefs der G 7 treffen sich am Freitag und Samstag im kanadischen Charlevoix am Sankt-Lorenz-Strom. Der Streit über die Handelspolitik und besonders Amerikas Zölle auf Stahl und Aluminium dürften das beherrschende Thema sein. Die Staatengruppe ist deswegen so gespalten wie noch nie in ihrer 42-jährigen Geschichte. Weil die Standpunkte von Trumps Regierung und der übrigen G-7-Mitglieder Kanada, Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Italien und Japan so weit auseinander liegen, wird nicht mit einer Einigung gerechnet.

Trump warf Trudeau ebenfalls via Twitter vor, „empört“ zu sein und in der Diskussion auf die langen Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Kanada zu verweisen. „Aber er erwähnt nicht, dass sie von uns bis zu 300 Prozent auf Milchprodukte verlangen.“ Dies schade den Bauern und töte Amerikas Agrarindustrie. Kanada ist mit den Vereinigten Staaten nicht nur wegen der geografischen Nähe wirtschaftlich besonders eng verwoben, sondern auch, weil die Länder mit Mexiko die Freihandelszone Nafta bilden. Unterhändler der drei Staaten verhandeln seit Monaten über eine Reform des Abkommens. Sie wird von Trump gefordert.

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Vor G7-GipfelTrump bleibt im Handelsstreit eisern

Trump trifft Abe

Für die erhöhten Einfuhrabgaben auf Stahl und Aluminium greift Trump auf ein Sicherheitsgesetz zurück, das er nach eigenen Worten auch gegen importierte Autos einsetzen könnte. Dies würde besonders deutsche Hersteller wie Daimler oder BMW treffen. Trump sprach das Thema auch am Donnerstag bei einem Treffen mit dem japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe an und forderte Autokonzerne zu Investitionen in amerikanische Werke auf.

Abe hat versucht, ein enges persönliches Verhältnis zu Trump aufzubauen. Der zeigt sich dennoch kompromisslos. Auch Macron hat mit Blick auf Trump von einem Freund gesprochen. In Kanada am Donnerstag signalisierte er jedoch, dass die anderen Staaten nicht einknicken wollen. „Wir haben nichts dagegen, notfalls nur sechs zu sein.“ Die sechs Staaten stünden für Werte, Märkte und verfügten international über viel Einfluss.

Deutsche Kritik an Trump

Allerdings gibt es schon in der EU keine einheitliche Linie. So hat sich die Bundesregierung versöhnlicher gezeigt und will einen Kompromiss mit Amerika erreichen – auch weil zusätzliche Zölle die deutsche Autobranche als Schlüsselindustrie empfindlich treffen könnten. Zugleich verschärfte sie ihre Kritik an den Alleingängen von Trump. Außenminister Heiko Maas sagte der „Süddeutschen Zeitung“, es gebe Differenzen, „die können wir nicht mehr unter den Teppich kehren“. Trumps Nein zum Klimavertrag und zum Iran-Abkommen sowie die Zölle seien alles einseitige Entscheidungen zum Schaden Europas, sagte der SPD-Politiker. Trump nehme „bewusst in Kauf, dass die Nachteile sich unmittelbar in Europa auswirken“.

Auch Italien dürfte beim Gipfel zurückhaltender auftreten. Einem Insider zufolge will der politisch unerfahrene Ministerpräsident Giuseppe Conte in Quebec vorsichtig agieren, um die „Dynamik der Gruppe“ zu ergründen und den Dialog mit der Trump-Regierung nicht zu verbauen.

Der G-7-Gipfel beginnt am Freitagmittag mit der Ankunft der Staats- und Regierungschefs. Darauf folgt ein Arbeitsessen. Trump wird das Treffen noch vor dem offiziellen Ende am Samstag verlassen und sich nach Angaben des Präsidialamtes auf den Weg nach Singapur machen. Dort trifft er am Dienstag den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un.

Quelle: Reuters/dpa
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