Kommentar

Leerstellen in der Pflege

Von Andreas Mihm
 - 19:52

Deutschland erlebt einen Beschäftigungsboom. Doch der hat auch seine Schattenseiten. Je mehr Leute bezahlter Arbeit nachgehen, desto weniger Zeit bleibt für unbezahlte Nebentätigkeiten, wie etwa die Pflege Angehöriger.

Für die Betroffenen ist das womöglich nicht einmal schlecht, wird Pflege doch an Fachkräfte delegiert. Allerdings arbeiten auch die nicht für Gottes Lohn. Pflege kostet, und gute Pflege kostet umso mehr, als gute Altenpfleger Mangelware sind – oft können sie mit weniger anspruchsvoller Arbeit mehr verdienen.

Professionelle Pflege ist auch eine Geschäftsbeziehung. Es kommt darauf an, sie gut und effizient zu organisieren. Märkte können das besser als der Staat. Das gilt ebenso für die Finanzierung. Es geht nicht an, dass Politiker unablässig Verbesserungen verkünden, sich aber bei der Bezahlung vor der Wahrheit drücken, die da lautet: höhere Beiträge oder höherer Eigenanteil.

Die Pflegeversicherung wurde gegründet, um einen Kostenzuschuss zu gewähren und nicht, um die Menschen aus der Verantwortung zur Vorsorge zu entlassen. Dies zu betonen und zu fördern, wäre Pflicht einer verantwortungsbewussten Pflegepolitik. Doch der Koalitionsvertrag hat hier nur Leerstellen.

Quelle: F.A.Z.
Andreas Mihm
Wirtschaftskorrespondent in Berlin.
Twitter
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenPflege