Abgasskandal

Dobrindt zitiert Daimler-Vertreter zu sich

 - 15:49

Angesichts neuer Vorwürfe gegen Daimler im Abgas- Skandal hat Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) Vertreter des Autoherstellers nach Berlin zitiert. Die Untersuchungskommission Volkswagen des Ministeriums habe Daimler zu einer „Sondersitzung“ eingeladen, um den Vorwürfen nachzugehen, teilte das Ministerium mit. Diese Sondersitzung solle schon am heutigen Donnerstagnachmittag stattfinden.

Daimler ist anscheinend tiefer in den Skandal um manipulierte Abgaswerte verwickelt als bislang angenommen. „Süddeutsche Zeitung“, NDR und WDR berichteten unter Berufung auf einen Durchsuchungsbeschluss des Amtsgerichts Stuttgart, der Hersteller habe in Europa und den Vereinigten Staaten zwischen 2008 und 2016 mehr als eine Million Autos mit unerlaubt hohem Schadstoffausstoß verkauft. Wegen unzulässiger Abschalteinrichtungen könne möglicherweise sogar die Zulassung widerrufen werden.

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Daimler selbst wollte die Vorwürfe mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen am Donnerstag nicht kommentieren. Auch die Staatsanwaltschaft äußerte sich nicht zu diesen Details. Daimler hat aber betont, das Unternehmen kooperiere „vollumfänglich mit den Behörden“. Die Gefahr „einer Stilllegungsverfügung“ sieht das Unternehmen nicht.

Daimler hat immer betont, sich an geltendes Recht gehalten zu haben. Der Streitpunkt ist - wie bei den anderen Herstellern - ein sogenanntes Thermofenster, das die Abgasnachbereitung in bestimmten Temperaturbereichen herunterregelt - um Bauteile im Motor zu schützen, wie die Hersteller argumentieren. Organisationen wie die Deutsche Umwelthilfe hingegen kritisieren, dass die entsprechende EU-Verordnung zu weit ausgelegt werde.

Die Untersuchungskommission Volkswagen war nach Bekanntwerden des Dieselskandals eingesetzt worden. Volkswagen hatte im September 2015 illegale Abgas-Manipulationen bei elf Millionen Dieselautos auf der ganzen Welt zugegeben. Nach Tests an weiteren Dieselfahrzeugen verschiedener Hersteller in Deutschland sagten Porsche, Volkswagen, Audi, Opel und die Daimler-Tochter Mercedes im April 2016 zu, bei insgesamt 630.000 Fahrzeugen die Abgasreinigung nachzubessern. Sie betonten dabei stets, es handle sich um eine „freiwillige Service-Aktion“.

Quelle: AFP/dpa
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