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Frankfurts Luftmessstation

Mehr Stickoxid-Wissen durch „Passivsammler“

Von Mechthild Harting
 - 12:06

Was wäre die Friedberger Landstraße ohne die 1993 vom Land Hessen installierte Luftmessstation? Dank der Station hat es die Straße in den vergangenen zehn Jahren zu einiger Bekanntheit über die Stadtgrenzen hinaus gebracht: Sie steht für die hohen Schadstoffbelastungen in Frankfurt. Anfangs waren es zu hohe Feinstaubwerte, die die Friedberger Landstraße so in die Schlagzeilen brachten, dass eine neu eröffnete Musikbar an der Friedberger Landstraße sogar den Namen „Feinstaub“ bekam. Seit 2010 der EU-Grenzwert als verbindlich gilt, steht die von vielen Pendlern genutzte Ausfallstraße aber auch für zu hohe Stickoxidwerte, die nun zu Fahrverboten in Frankfurt führen könnten.

Bisher war die Messstation an der Friedberger Landstraße stadtweit die einzige, an der zu hohe Werte gemessen wurden, im Jahr 2017 lag der Jahresmittelwert bei 47 Mikrogramm. Der von der EU vorgegebene Grenzwert liegt bei 40 Mikrogramm. Doch seit dieser Woche macht eine weitere Frankfurter Messstation bundesweit Schlagzeilen: ein sogenannter Passivsammler am Börneplatz, mit dem 2017 ein Stickoxid-Jahresmittelwert von 54 Mikrogramm in der Frankfurter Innenstadt gemessen wurde. Wie das Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie mitteilt, sind Anfang 2017 insgesamt 30 solcher Passivsammler in Hessen installiert worden. Durch eine Öffnung in dem kleinen Kasten strömt die Luft, und mit Hilfe einer Trägersubstanz kann dann die Stickoxidbelastung ermittelt werden. Dieses Messverfahren gilt als „händisch“, denn jeden Monat muss das Innenleben des Zylinders im Labor ausgewertet werden.

In Frankfurt gibt es seit Februar 2017 zehn solcher Passivsammler. Laut Landesamt bitten die Städte darum, an ausgewählten Stellen in der Stadt die Belastung zu messen, oder das Landesamt selbst will die Belastungen überprüfen. Messungen der Umweltschutzorganisation Greenpeace im Jahr 2016 hatten in Frankfurt die Diskussion um zu hohe Stickoxidwerte in Gang gesetzt. Um diese zu überprüfen, stellte das Landesamt insgesamt sechs Passivsammler an vielbefahrenen Straßen auf. So schreibt es auch das Bundesimmissionsschutzgesetz vor, demnach müssen die Messstationen dort aufgebaut werden, wo die höchsten Werte in einer Stadt zu erwarten sind.

Umweltministerium fordert Ergebnisse von „Passivsammlern“

Während die Ergebnisse der Messstelle an der Friedberger Landstraße automatisch an das Umweltbundesamt gemeldet werden, wurden die Ergebnisse dieser Passivsammler im Frankfurter Stadtgebiet nicht an die Bundesbehörde gemeldet. Offensichtlich hielt man sie nicht für so maßgeblich. Deshalb, so das Wiesbadener Landesamt, wurden sie auch nicht wie andere Ergebnisse von Passivsammler-Messstellen in Hessen bis Ende Mai an die Bundesbehörde weitergeleitet.

Erst auf Drängen des hessischen Umweltministeriums wurden Anfang September die Messergebnisse vom Passivsammler am Börneplatz an das Umweltbundesamt weitergeleitet und in dessen aktualisierte Tabelle vom 21. September – zusammen mit allen Stickoxid-Grenzüberschreitungen in Deutschland – übernommen und an die EU weitergeleitet. Bis zu diesem Zeitpunkt wusste man zwar in Hessen von den ergänzenden Stickoxid-Messungen in Frankfurt, nicht aber in Berlin. Dass ein Bundesland einen Wert nachmeldet, „kommt schon mal vor“, teilte das Bundesamt mit. Es sei jedoch nicht Aufgabe der Behörde, Ministerien und Kanzleramt gesondert den neuesten Kenntnisstand mitzuteilen. Die späte Kenntnis von den Messergebnissen am Börneplatz soll der Grund dafür sein, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) noch am Sonntag verkündete, dass die Stickoxid-Belastung in Frankfurt bei höchstens 47 Mikrogramm im Jahresmittelwert liege – so wie es die Messstation an der Friedberger Landstraße erfasst hatte.

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Merkel ist überzeugtDiesel-Fahrverbot in Frankfurt wird zu verhindern sein

Die Richter des Wiesbadener Verwaltungsgerichts, die im September Fahrverbote in Frankfurt für 2019 verlangten, damit der EU-Grenzwert eingehalten wird, verwiesen in ihrem schriftlichen Urteil auf alle Stickoxid-Messungen in der Stadt, inklusive derer der Passivsammler. Die Urteilsbegründung enthält eine entsprechende Passage. Dort steht: „Der Grenzwert wurde auch noch 2017 an vielen Messstellen im Frankfurter Stadtgebiet und nach Modellrechnungen des Landes an insgesamt 116 Straßenzügen erheblich überschritten.“

Quelle: F.A.Z.
Mechthild Harting
Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
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