Neuer VDA-Präsident

Dieser Mann vertritt jetzt die deutsche Autolobby

Von Martin Gropp
 - 15:29

An der Spitze des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) gibt es einen Wachwechsel: Bernhard Mattes, der ehemalige Chef der deutschen Ford-Werke GmbH, folgt im Frühjahr auf den derzeitigen VDA-Präsidenten Matthias Wissmann. Wie der Verband am Dienstag mitteilte, werde Mattes sein Amt zum 1. März antreten. Der Vorstand des VDA habe Mattes einstimmig gewählt, hieß es weiter.

Das Gremium besteht aus den Vorstandsvorsitzenden der in Deutschland produzierenden Autohersteller sowie aus den Chefs großer Zulieferer wie Bosch, Continental oder ZF Friedrichshafen. Unter anderem sitzen der BMW-Vorstandsvorsitzende Harald Krüger, der Volkswagen-Chef Matthias Müller sowie der Daimler-Vorstandsvorsitzende Dieter Zetsche im Vorstand. Zetsche ist zugleich einer von drei Vizepräsidenten des VDA. „Wir freuen uns, mit Bernhard Mattes einen ausgewiesenen Kenner der Automobilindustrie gewonnen zu haben“, ließ sich Zetsche zitieren. „Durch seine langjährige Erfahrung und internationalen Kontakte bringt er hervorragende Voraussetzungen mit, um die Arbeit des VDA erfolgreich fortzusetzen und unsere Branche überzeugend zu vertreten.“

Die F.A.Z. hatte schon Ende Oktober berichtet, dass Mattes neuer VDA-Chef wird. Zuletzt hatten sich die Hinweise auf die Personalie verdichtet. Derzeit ist der 61 Jahre alte Manager noch Präsident der American Chamber of Commerce in Deutschland, einer Wirtschaftsvereinigung zahlreicher deutscher und amerikanischer Unternehmen, die sich für den wirtschaftlichen Austausch zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten einsetzen.

Zudem sitzt er noch im Aufsichtsrat der Ford-Werke GmbH, der deutschen Tochtergesellschaft des amerikanischen Autoherstellers. Mattes studierte Wirtschaftswissenschaften an der Universität Hohenheim bei Stuttgart, direkt im Anschluss begann er seine Karriere beim Autohersteller BMW. Im Jahre 1999 wurde er zunächst Vorstandsmitglied von Ford in Köln. Drei Jahre später übernahm er den Posten als Vorstandsvorsitzender, den er bis zum Anfang des vorigen Jahres innehatte.

Mit dem Wechsel zu Mattes endet Wissmanns gut zehn Jahre lange VDA-Präsidentschaft. Der langjährige CDU-Bundestagsabgeordnete und frühere Bundesverkehrsminister war im Jahr 2007 VDA-Präsident geworden. Er steuerte den Verband und die Branche auch durch deren größte Krise, die vor rund zweieinhalb Jahren begann und bis heute nicht vollkommen abgeschlossen ist. Im September 2015 hatten amerikanische Behörden öffentlich gemacht, dass der Volkswagen-Konzern die Motoren von Dieselfahrzeugen manipuliert hatte, um in den Vereinigten Staaten Abgastests zu bestehen. Auch um Konstanz an der Spitze des VDA zu gewährleisten, war Wissmann im November 2016 noch einmal wiedergewählt worden.

Im vergangenen Jahr wurden dann Kartellvorwürfe gegen maßgebliche VDA-Mitglieder laut. Die Konzerne BMW, Daimler und Volkswagen mit seinen Tochtermarken Audi und Porsche sollen sich fast 20 Jahre lang zuungunsten von Kunden über Preise abgesprochen haben. Die Wettbewerbsbehörde der Europäischen Union untersucht den Kartellverdacht momentan, die Prüfung dauert an. Zudem prägte die andauernde Debatte über den Diesel-Antrieb den letzten Teil von Wissmanns Amtszeit. Zuletzt kamen Anfang der Woche Abgasversuche an Affen hinzu, die die Europäische Forschungseinrichtung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor (EUGT) beauftragt hat. Dem inzwischen aufgelösten Lobbyverein gehörten die Autohersteller BMW, Daimler und VW an, sowie zeitweise auch der Zulieferer Bosch. Am Dienstag zog Volkswagen aus den Versuchen erste personelle Konsequenzen und beurlaubte seinen Generalbevollmächtigten, den ehemaligen stellvertretenden Regierungssprecher Thomas Steg.

All diesen Themen muss sich nun der neue VDA-Präsident Mattes widmen und gleichzeitig versuchen, sie im besten Falle einvernehmlich mit den mehr als 600 Mitgliedsunternehmen zu lösen. Mit seinem Amtsantritt sind auch Forderungen nach einer Veränderung des Lobbyverbands verbunden. Ende Dezember hatte Volkswagen-Chef Müller der „Welt am Sonntag“ gesagt: „Der VDA kann nur erklären, was von allen Mitgliedern mitgetragen wird. Manchmal braucht es aber eben Klarheit und nicht nur einen Minimalkonsens.“ Die Verbandswelt werde sich „neu sortieren müssen“. Auch aus anderen Unternehmen verlautete zuletzt, dass der VDA sich wandeln müsse.

Quelle: FAZ.NET
Martin Gropp
Redakteur in der Wirtschaft.
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