Gewinnwarnung

Dieselskandal kostet VW weitere Milliarden

 - 11:05

Der Volkswagen-Konzern muss für die Abgasaffäre in den Vereinigten Staaten weitere Milliardenkosten verbuchen. Im dritten Quartal werde das operative Ergebnis mit rund 2,5 Milliarden Euro belastet, teilte der Konzern am Freitag in Wolfsburg mit. Damit steigt die Rechnung für die Bewältigung des Abgas-Skandals auf nunmehr 25,1 Milliarden Euro.

Vor knapp einem Jahr hatten sich Vertreter von VW mit Klägern, Händlern und Bundesstaaten in den Vereinigten Staaten auf einen Vergleich für Dieselwagen aus dem Konzern mit den 2,0-Liter-Antrieben verständigt. Ende Oktober stimmte ein Zivilrichter dem Kompromiss über entsprechende Entschädigungen zu. Anfang 2017 konnten die Wolfsburger dann eine strafrechtliche Auseinandersetzung mit der Zahlung eines Milliardenbetrages ausräumen. Im vergangenen Mai gab es schließlich eine ähnliche Einigung für größere 3,0-Liter-Dieselmotoren, betroffen waren auch hier weitere Konzernmarken wie Porsche und Audi.

Als Grund für die aktuelle Gewinnwarnung nannte Volkswagen, dass die Abwicklung der vereinbarten Nachrüstungen sowie der Rückkäufe von 2,0-Liter-Dieseln „erheblich langwieriger und technisch anspruchsvoller“ seien. Nähere Informationen hierzu teilte der Konzern zunächst nicht mit.

Die Aktionäre erwischte die Entwicklung auf dem falschen Fuß: Die Vorzugsaktien von VW rauschten am Morgen mit minus 2,9 Prozent ans Dax-Ende. Analysten hatten für das gerade zu Ende gehende dritte Quartal bei den Wolfsburgern ein operatives Ergebnis von rund 4,4 Milliarden Euro geschätzt. Seit längerem hatte der Konzern keine neuen Rückstellungen für die Rechtsstreitigkeiten in Nordamerika mehr bilden müssen.

Ganz beendet sind die juristischen Streitigkeiten in den Vereinigten Staaten aber noch nicht. Einige Bundesstaaten klagen auf zusätzliche Strafen gegen den Konzern. Auch Einzelpersonen stehen nach wie vor im Visier der amerikanischen Behörden - in Deutschland wird ebenfalls weiter strafrechtlich ermittelt.

VW hatte im September 2015 nach Vorwürfen der amerikanischen Umweltbehörden eingeräumt, mit einer speziellen Software in großem Stil bei Abgastests getäuscht zu haben. Weltweit waren etwa 11 Millionen Fahrzeuge betroffen, in Nordamerika rund 600.000. Dies stürzte den Konzern in eine tiefe Krise und führte zu Milliardenkosten.

Weitere Verhaftung

Erst am Donnerstag war bekannt geworden, dass die Münchener Staatsanwaltschaft infolge des Abgasskandals einen weiteren ranghohen Manager des Autokonzerns festgenommen hat. Oberstaatsanwältin Andrea Grape bestätigte der F.A.Z., dass der Beschuldigte schon dem Ermittlungsrichter vorgeführt worden ist und sich in Untersuchungshaft befindet.

Sie sagte, dass Ermittler schon am Mittwoch zwei Privatwohnungen von Beschuldigten durchsuchten und mindestens eine Person verhaftet wurde. Angaben zur Identität des Verhafteten machte die Sprecherin nicht. Wie zu hören ist, soll es sich um Wolfgang Hatz handeln, den ehemaligen Forschungs- und Entwicklungsvorstand von Porsche, der bei Audi einst die Motorenentwicklung verantwortete. Was ihm konkret vorgeworfen wird, wurde zunächst nicht bekannt. Die Behörde bestätigte lediglich, dass in dem Ermittlungsverfahren wegen Betrugs und illegaler Werbung ein zweiter Beschuldigter hinter Gitter gekommen sei. Seit Anfang Juli sitzt bereits ein Ingenieur der Audi-Motorenentwicklung in München in Untersuchungshaft.

Nachtrag der Redaktion

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung konnte weder Herr Hatz noch sein Rechtsanwalt für eine Stellungnahme erreicht werden. Zwischenzeitlich haben wir Kenntnis von einer Stellungnahme des Verteidigers von Herrn Hatz erhalten, welche wie folgt lautet: „Der einzige Belastungszeuge sitzt seit Monaten in U-Haft und versucht alles, um dort herauszukommen. Nur deshalb beschuldigt er unseren Mandanten. Seine Vorwürfe entbehren jeder Grundlage.“

Quelle: makl./dpa/Reuters
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