Schadstoffbelastung

Die Stadtluft wird ein bisschen besser

Von Martin Gropp
 - 08:00

Die hohe Schadstoffbelastung der Luft in Städten und mögliche Fahrverbote erregen seit Monaten die Gemüter. Nachdem im vergangenen August Vertreter aus Autobranche und Politik zum Diesel-Gipfel zusammengekommen waren, äußerten Umweltschützer scharfe Kritik. Als „unzureichend und absolut enttäuschend“ bezeichnete Hubert Weiger, der Vorsitzende des Bundes für Umwelt- und Naturschutz, das „Nationale Forum Diesel“. Die Bundesregierung habe es versäumt, gegenüber der Autobranche starke Maßnahmen durchzusetzen, um die Belastung mit dem Luftschadstoff Stickstoffdioxid zu verringern. Mit der Entscheidung, die Software älterer Dieselfahrzeuge zu aktualisieren und auf Hardware-Nachrüstungen zu verzichten, würden Fahrverbote unausweichlich, äußerte Weiger damals.

Derzeit läuft gegen Deutschland ein Verfahren der Europäischen Union, weil in 28 Städten und Regionen hierzulande die Stickstoffdioxid-Konzentrationen die innerhalb der EU geltenden Grenzwerte übertreffen. Zudem entscheidet das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig Ende Februar über eine Klage der Umweltschutzorganisation Deutsche Umwelthilfe gegen die nordrhein-westfälische Landesregierung mit Blick auf den Luftreinhalteplan in der Landeshauptstadt Düsseldorf. Das Verfahren gilt als wegweisend, wenn es um Fahrverbote für ältere Dieselfahrzeuge geht.

Schadstoffmessungen deuten auf Verbesserung hin

Doch wie schmutzig ist die Luft tatsächlich? Einige vorläufige Auswertungen von Schadstoffmesswerten des vergangenen Jahres zeigen, dass sich die Luftqualität hierzulande zuletzt wieder ein Stück verbessert hat. Das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie teilte unlängst mit, es habe im vergangenen Jahr weniger Überschreitungen an den Messstationen im Bundesland gegeben als im Vorjahr. Demnach habe es im Jahr 2017 an sechs von elf verkehrsnahen Luftmessstationen Übertretungen des Jahresmittelgrenzwertes von 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid (NO2) je Kubikmeter Luft gegeben. Im Jahr 2016 waren es noch neun Stationen.

Die baden-württembergische Landeshauptstadt Stuttgart vermeldete Anfang des Monats ebenfalls bessere Werte. So habe der Stickstoffdioxid-Jahresmittelwert an der Messstation „Am Neckartor“ 73 Mikrogramm je Kubikmeter Luft erreicht und damit unter dem Wert von 2016 gelegen. Damals wurden mitten in der Stadt im Mittel 82 Mikrogramm gemessen. Innerhalb der EU erlaubt sind jedoch 40 Mikrogramm. „Auch wenn wir noch nicht am Ziel sind, können wir eine klare Tendenz erkennen: Die Luft wird besser in Stuttgart“, ließ sich Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) zitieren.

Für den Verband der Automobilindustrie (VDA) zeigen die sinkenden Werte, dass die Branche ihren Anteil an den jüngsten Verbesserungen der Luftqualität hat. „Offensichtlich wirken die Bestandserneuerung und das breite Angebotspaket der deutschen Hersteller, das im vergangenen Jahr auf dem Diesel-Gipfel beschlossen wurde“, heißt es in einer Mitteilung, die der Verband an diesem Mittwoch veröffentlichen will und die der F.A.Z. vorab vorlag. Zu den Maßnahmen zählt der VDA die Software-Aktualisierungen für 5 Millionen ältere Dieselautos und die Beteiligung am 1-Milliarde-Euro-Fonds „Nachhaltige Mobilität für die Stadt“. Der Topf, zu dem die Branche 250 Millionen Euro beiträgt, soll unter anderem Ladestationen für Elektroautos oder abgasarme Nahverkehrsbusse finanzieren.

„Ein deutlicher Fortschritt“

Als Beispiel für die erreichte Verbesserung der Luftqualität führt der VDA auch auf, wie sich Stickoxid-Mittelwerte in Berlin und München zuletzt entwickelt haben. An Berliner Messstationen seien 2017 zum Teil Werte gemessen worden, die über dem Jahresgrenzwert liegen, räumt der VDA ein. „Doch sind diese Werte deutlich geringer als an den Hotspots in Stuttgart oder München.“ In der bayerischen Landeshauptstadt habe es gleichwohl auch an der Messstation Landshuter Allee im Vergleich zum Jahr 2016 „einen leichten Fortschritt“ gegeben, heißt es weiter. „Allerdings lag der Jahresmittelwert noch über dem Grenzwert.“

Erfüllt worden seien in München indes die Vorgaben für den Stundenmittelwert, argumentiert der VDA. An maximal 18 Stunden im Jahr darf der Mittelwert mehr als 200 Mikrogramm Stickstoffdioxid je Kubikmeter Luft betragen. An der Landshuter Allee in München war das nach Daten des Landesumweltamts im vergangenen Jahr in zwölf Stunden der Fall – im Vorjahr waren es 13 Stunden. Bei den Stundenüberschreitungen zeigt auch Stuttgart eine positivere Entwicklung. Nach Daten der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg gab es 2016 noch 35 Überschreitungsstunden, 2017 waren es drei. Dies sei „ein deutlicher Fortschritt“, sagt der VDA.

Gleichwohl gibt es aus Sicht des Verbandes einiges zu tun, um die Stickoxid-Belastung weiter zu senken. „Zusätzlich zum Engagement der Hersteller sind umfassende Maßnahmenpakete für die Luftreinhaltung nötig.“ Als Beispiele nennt der Verband eine „bedarfsgerechte Infrastrukturpolitik in und außerhalb von Städten sowie eine rasche Flottenerneuerung älterer Taxen und Busse“. Auch die Bundesländer sehen weiteren Handlungsbedarf. „Insgesamt bewegen sich die Stickstoffdioxid-Jahresmittelwerte in Hessen weiterhin auf einem vergleichsweise hohen Niveau“, urteilt zum Beispiel das hessische Landesamt für Naturschutz und ergänzt: „Als wesentliche Ursache der Überschreitungen sind die Emissionen des Kfz-Verkehrs anzusehen.“

Video starten

Wie bei „Transformers“Elektroauto zum Einklappen

Quelle: F.A.Z.
Martin Gropp
Redakteur in der Wirtschaft.
FacebookTwitterGoogle+
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenVDAStuttgartBundesregierungMünchenEuropäische Union