Kommentar zur IT-Messe

Eine „geile“ Cebit?

Von Carsten Knop
 - 14:16

Was nur wird aus der Computermesse Cebit? Der Oberbürgermeister von Hannover, Stefan Schostok, aber auch die Landesregierung von Niedersachsen und nicht zuletzt die zuständige Messegesellschaft, stehen unter erheblichem Erfolgsdruck. „Die Cebit 2018 soll ein Knaller werden“, hofft das Stadtoberhaupt. Und der Messevorstand Oliver Frese setzt noch einen obendrauf: Es werde eine „geile“ Cebit, sagt Frese. Dieses Mal nicht im März, sondern im Sommer, was sich auch noch nicht überall herumgesprochen hat. Deshalb ist das vom Oberbürgermeister gebrauchte Verb „sollen“ das falsche Wort. Die Wiederentdeckung des Erfolgs ist für die Cebit ein Muss. Wenn dieser Neuanfang, der die etwas ergraute Cebit als buntes Festival positionieren soll, nicht funktioniert, dann haben die Deutschen die größte IT-Messe der Welt versenkt.

Die Aufgabe könnte kaum größer sein. Denn die bisherigen Aussteller haben meist Schwierigkeiten, sich auf das Neue einzustellen. Die alten, burgenartigen Messestände soll es nicht mehr geben, das Freigelände entdeckt werden. „Expo-Feeling“ soll in Hannover aufkommen, in Anlehnung an die Weltausstellung zur Jahrtausendwende. Wer sich in der IT-Branche umhört, der bekommt schnell das Gefühl, dass das kein Selbstläufer wird: „Jahr für Jahr geben wir 1,5 Millionen Euro für den Messeauftritt aus – und in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten ist nur ein Abschluss dabei herausgekommen“, heißt es von einem etwas frustrierten Aussteller. Im nächsten Jahr werde man das nicht mehr machen, wenn nicht eine Art Wunder geschehe. Wie aber könnte ein solches Wunder aussehen?

Eine Cebit der neuen Wege

Ein Aussteller, der ebenfalls schon sehr lange dabei ist, hofft, eine Antwort auf diese Frage gefunden zu haben: „Das traditionelle Fachpublikum werden wir auf der neuen Cebit nicht mehr erreichen“, ist man sich dort sicher. Daraus folgt: „Für uns wird die Cebit 2018 zu einer Messe, auf der wir das Unternehmen und seine Produkte zwar auch den Kunden, aber vor allem potentiellen künftigen Mitarbeitern zeigen wollen.“ Die Aussage ist eindeutig: „Für uns wird Hannover zur Recruiting-Messe.“ Und weil es tatsächlich kein Unternehmen in Deutschland gibt, das in der Informationstechnologie tätig ist und keine neuen Mitarbeiter sucht, ist das womöglich eine Chance für die Cebit.

Der Veranstalter, die Deutsche Messe AG, und die Stadt Hannover wollen vom 11. bis 15. Juni jedenfalls alles dafür tun, damit sich die Messe künftig nicht mehr nur an sogenannte Entscheider und ein mittelaltes Publikum im Anzug richten soll: Live-Musik auf Aftershow-Partys wird es geben, man wird auf dem Gelände der Cebit in Zelten übernachten können, was den mehrtägigen Besuch für junge Leute erheblich günstiger machen dürfte. Es wird Lounge- und Chill-Ecken sowie einen „Digital Friday“ geben. Dort steht dann unter anderem ein Hackathon, also eine Art Programmierwettbewerb, auf dem Programm. Es geht um das Netzwerken, weniger um die Präsentation neuer Produkte, die es in den vergangenen Jahren auf der Ceibt ohnehin kaum noch zu sehen gab.

Wie viele Aussteller es geben wird, hat Frese bisher nicht verraten, man sei im Plan. Doch niemand wird mehr dort zu finden sein, wo er bisher war. Es wird eine Cebit der neuen Wege, im wahrsten Sinne des Wortes. Am Ende werden die Aussteller entscheiden, ob es eine Sackgasse war oder der Aufbruch hin zu mehr Optimismus zur Cebit-Zukunft. Ein bisheriger Aussteller, der schon seine Fühler hin zur Industriemesse im April ausgestreckt hatte, beklagt den dortigen Platzmangel. Das könnte der Cebit noch einmal helfen. Wie es also weitergeht? Er weiß es noch nicht. Der Hauptkonkurrent für die Cebit ist immer die eigene Hausmesse oder Roadshow des jeweiligen Unternehmens, das vorher sein Geld in Hannover ausgegeben hat. Aber ob man auf solchen Veranstaltungen auch junge Leute als Mitarbeiter begeistern kann? Die nächste Cebit wird eine Messe der offenen Fragen. Und wenn es in Hannover im Juni regnet, beantwortet sich davon die eine oder andere ganz ungewollt. Aber es könnte ja auch sein, dass die Sonne scheint.

Quelle: FAZ.NET
Carsten Knop
Chefredakteur digitale Produkte.
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