Dating-App

Bumble soll das Tinder für Frauen sein

Von Jessica Sadeler
 - 07:45

Seit ihrem Debüt auf dem Liebesmarkt macht die Dating-App Bumble ihrem Namen ziemliche Ehre. Bumble bedeutet so viel wie das Summen geschäftiger Hummeln, und es summt ganz gewaltig. Der Hype um die App ist groß: Sie ist wie Tinder und doch ein bisschen anders.

Bumble gilt als Musterbeispiel der Emanzipation – mit einem simplen Trick. Wenn sich zwei App-Nutzer durch einen Wisch nach rechts gegenseitig ihr Interesse bekunden, ist das ein „Match“, wie bei Tinder. Es kommt aber nur dann ein Gespräch zustande, wenn die Frau den ersten Schritt macht. Meldet sich die Auserkorene innerhalb von 24 Stunden nicht, wird Mann nie erfahren, ob sie vielleicht seine Traumfrau gewesen wäre. Ein bisschen so wie bei Cinderella. Bei einem gleichgeschlechtlichen Match gilt die Regel freilich nicht.

Von sich selbst behauptet Bumble, mit dieser einzigartigen Funktion die „archaischen Regeln des Dating-Spiels zu durchbrechen.“ Damit meint das Start-Up das ungeschriebene Gesetz, dass traditionell der Mann der Frau den Hof macht. Er ist es, der die ersten Annäherungsversuche macht, nach der Telefonnummer und einem Date fragt und, wenn man das Spiel ganz zu Ende spielt, schließlich auch auf die Knie geht und die Frage aller Fragen stellt. Also nennt mancher Bumble auch „Dating-App für Feministen“ oder „Flirtprogramm für die Gleichberechtigung“.

Bumble wächst schnell

Dabei ging es der Gründerin der App, die Amerikanerin Whitney Wolfe Herd, zunächst vor allem um die Sicherheit von Dating-App-Nutzerinnen. Belästigungen durch Fotos männlicher Genitalien oder besonders dreiste Anfragen für unverbindlichen Sex sollen eingeschränkt werden, wenn Männer nicht zuerst reden dürfen. Zu oft folge auf ein verheißungsvolles Match eine plumpe Anmache, die nicht selten in den Bereich der sexuellen Belästigung falle. Haben Frauen die Macht über den Gesprächsbeginn, starte die Unterhaltung schon mal unter anderen Bedingungen, so zumindest die Idee. Auch ein beliebter Klassiker der männlichen Inszenierung in sozialen Medien, das oberkörperfreie Spiegel-Selfie, ist auf Bumble Tabu. Überhaupt gilt Bumble als Musterbeispiel des weiblichen Empowerment. Mehr als 85 Prozent der Mitarbeiter sind nach eigenen Angaben Frauen, auch in den Top-Positionen.

Es gibt Zweifel: Ob Frauen tatsächlich eine App brauchen, um sich von angestaubten Dating-Praktiken zu emanzipieren. Ob das traditionelle Paar-Bild, an dem Bumble kratzen will, überhaupt noch auf der Höhe der Zeit ist. Ob sich die App nicht zu sehr an Heterosexuellen orientiert. Ob Männer das auch mitmachen.

Doch Bumble ist erfolgreich, sehr sogar. Seit der Gründung 2014 wachsen die Nutzerzahlen schnell, allein in den vergangenen zwei Jahren stiegen die Downloads um 570 Prozent. 2017 bescherte dieses Wachstum Bumble den dritten Platz in den Charts der Dating-Apps in den Vereinigten Staaten, geschlagen nur von Tinder und Plenty of Fish. Mehr als drei Milliarden Nachrichten wurden weltweit schon über Bumble verschickt, rund 29 Millionen Nutzer sind registriert. Bislang wird die App vor allem in Amerika genutzt, doch auch in Deutschland wird sie immer beliebter. Um seinen Namen hat Bumble ein äußerst erfolgreiches Storytelling aufgebaut, wirbt etwa mit Sprüchen wie „You're a Queen Bee („Du bist eine Bienenkönigin“).

Die Gründerin kommt von Tinder

Mit Bumble Bizz versucht sich Bumble zudem als soziales Netzwerk für Geschäftskontakte. Bumble Bizz ist als optionaler Modus in die normale Dating-App integriert und funktioniert nach dem selben Prinzip – nur eben nicht um Mann und Frau, sondern Arbeitgeber und Arbeitnehmer zusammenzuführen. Seinen Erfolg verdankt Bumble auch einem mächtigen Geldgeber. Der russische Milliardär Andrey Andreev, Gründer der mit 380 Millionen Nutzern weltweit größten Dating-App Bandoo, ist mit seiner App zu 79 Prozent an Bumble beteiligt. Ansonsten verdient das Unternehmen an Abozahlungen und In-App-Käufen. In diesem Jahr rechnet das Start-Up mit einem Umsatz von mehr als 150 Millionen Dollar.

Dass Männer bei Bumble mitmachen, erklärt Gründerin Wolfe Herd wie in der Disco: Wenn die Frauen auf einer Dating-Plattform sind, dann werden die Männer schon kommen. So hat sie einst schon Tinder groß gemacht: Gezielt nahm sie die Studentinnen ins Visier ihrer Werbemaßnahmen. Heute ist Tinder mit geschätzten 50 Millionen Nutzern und einem Jahresumsatz von rund 300 Millionen Euro eine der beliebtesten Dating-Apps der Welt.

Whitney Wolfe Herd kommt von Tinder. Sie war Mitarbeiterin der ersten Stunde und trug als Vize-Marketingchefin maßgeblich zum raschen Erfolg der Dating-Plattform bei. Doch die heute 29-Jährige trennte sich von ihrem Freund, ihrem Chef Justin Mateen. Es folgten Arbeits- und Belästigungsvorwürfe, auch Tinder-Chef Sean Rad wurde einbezogen, und Wolfe Herd verließ das Unternehmen im Bösen.

Jetzt gibt es wieder Streit. Tinder gehört gemeinsam mit den Dating-Plattformen OkCupid und Plenty of Fish zum Medienkonzern Match.com. Erst versuchte Match zwei Mal, Bumble aufzukaufen – zunächst für 450 Millionen, dann für eine Milliarde Dollar. Nun hat Match Patentklage eingereicht.

Match nennt Bumble einen „Tinder-Klon“, da das Design und auch die Art und Weise, wie ein Match zustande kommt, von Tinder geklaut sei. Auch dass Bumble den Begriff „swipen“ für den Vorgang des Wischens zwischen den Profilen benutzt, verstoße gegen Patentrecht. Zudem wirft Match Bumble den Missbrauch von Firmengeheimnissen vor. Viele ehemalige Tinder-Mitarbeiter arbeiten mittlerweile bei Bumble und sollen geplaudert haben.

Bumble antwortete seinerseits mit einem offenen Brief in der New York Times und den Dallas Morning News. Bumble ließe sich nicht von Tinder einschüchternt: „Liebe Match Group, wir swipen euch nach links. Euch und eure zahlreichen Versuche, uns zu kaufen, uns zu kopieren und jetzt uns einzuschüchtern. Wir werden euch nie gehören. Egal welchen Preis ihr bietet, wir werden unsere Werte nicht verraten.“ Nun fordert Bumble 400 Millionen Dollar Schadenersatz von Tinder – die Patentklage schrecke andere Investoren und Käufer ab.

Noch dieses Jahr soll übrigens bei Tinder eine neue Funktion eingeführt werden, die Frauen die Macht über die Gesprächsaufnahme gibt – allerdings auf freiwilliger Basis.

Quelle: FAZ.NET
Jessica Sadeler
Redakteurin in der Wirtschaft.
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