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Digitalisierung und die Folgen

Wie uns die Arbeit nicht ausgeht

Von Alexander Armbruster
 - 16:56

In Deutschland haben derzeit so viele Menschen einen Arbeitsplatz wie noch nie. Die jahrelange robuste Wirtschaftsentwicklung hat in Teilen des Landes zu Vollbeschäftigung geführt, häufig klagen Unternehmen mittlerweile darüber, dass sie schlicht keine Leute mehr finden. Die Steuereinnahmen steigen und steigen. Netto neue Schulden macht der Bundesfinanzminister schon seit Jahren nicht mehr.

Deutschland steht „wirtschaftlich recht gut da“, sagt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der ihr eigenen Nüchternheit in ihrer aktuellen Videobotschaft. Sie zitiert die Fachleute vom Weltwirtschaftsforum (WEF), die Deutschland gerade zum innovativsten Standort der Welt auszeichneten, lobt den starken Mittelstand. Anstatt sich darüber überschwänglich zu freuen, mahnt die Kanzlerin dann allerdings, „achtsam“ zu sein, denn: „Die Welt schläft nicht.“

Sodann nennt sie die Digitalisierung, jenen Begriff, der sozusagen die fortlaufende Computerisierung der Lebens- und Arbeitswelt beschreibt. Und warnt davor, dass andere Länder aufholen, zumal in Asien, insbesondere China.

F.A.Z.-Digitec-Podcast: Werde ich bald abgehängt?

Vorhersagen darüber, wie schnellere Rechner, mehr Daten und bessere Software eine Branche nach der anderen, Unternehmen für Unternehmen, auf den Kopf stellen werden, gibt es viele. Sie sind mit hoher Unsicherheit behaftet, weil das konkret naturgemäß schwer zu schätzen ist. Und weil mitunter manches Problem nicht auf den ersten Blick ersichtlich ist: In ihrer umfangreichen Arbeitsmarkt-Untersuchung aus diesem Sommer haben ebenfalls die Mitarbeiter des WEF prognostiziert, dass durch Automatisierung und Künstliche Intelligenz in den kommenden fünf Jahren unter dem Strich 58 Millionen neue Stellen entstehen werden. Eine Vorhersage, die sich mit der Grundannahme vieler Ökonomen deckt, wonach die Arbeit auch infolge dieser technischen Revolution nicht ausgehen wird. Die Herausforderung zeigt sich mit Blick auf das Zustandekommen der Zahl: Sie ist ein Saldo, das Ergebnis von 133 Millionen neuen Arbeitsplätzen und 75 Millionen Stellen, die verloren gehen. Überhaupt nicht gesagt ist, dass diejenigen, die derzeit die wegfallenden Stellen besetzen, dann eine der neu geschaffenen übernahmen werden. Oder besser: übernehmen können.

Dasselbe gilt für die neue Hochrechnung aus dem Bundesarbeitsministerium. 2,1 Millionen neue Stellen entstünden durch technischen Fortschritt, teilte Minister Hubertus Heil nun der „Funke Mediengruppe“ mit, 1,3 Millionen würden während derselben Zeit in Deutschland aus ebenjenem Grunde wegfallen. Unter dem Stich also abermals ein Stellenzuwachs – nur wieder ist nicht klar, ob die Arbeitsplatzverlierer den Umstieg schaffen.

Dass die Politik dieses Problem mittlerweile erkannt hat, ist einerseits eine gute Nachricht, findet beispielsweise Paul Daugherty, der für Technologie zuständige Manager der Unternehmensberatung Accenture. Der Staat müsse dabei helfen, etwa durch modernere Bildung, Menschen weiterzuqualifizieren und für die Technologien der Zukunft auszubilden, sagt er im Gespräch mit FAZ.NET. Nur der Staat alleine kann es aber nicht richten, ist seine wichtige Botschaft. Es geht nicht nur um superschnelles Internet durch Kabel (Glasfaserausbau) oder die Luft (5G). Genauso gefordert sind die Unternehmen und natürlich jeder einzelne Mitarbeiter.

Programmieren können hilft sicher, besser als bisher zu verstehen, wie IT funktioniert ebenfalls, mehr Mathematik auch. Das bedeutet nicht, dass künftig ein komplettes Informatikstudium absolvieren muss, wer kommerziell erfolgreich sein will – auch wenn das derzeit sicher eine gute Strategie ist. Lernplattformen wie Udacity, gegründet vom deutschen Informatiker Sebastian Thrun, oder Coursera, wohinter der Stanford-Professor Andrew Ng steht, bieten zertifizierte Einführungskurse etwa in Künstliche Intelligenz allgemein oder speziellen gerade angesagten Methoden, die sich um sogenannte künstliche neuronale Netze drehen. Das Hasso-Plattner-Institut in Potsdam bietet in seinem Mooc.House ebenfalls Schulungen in diesem Bereich an.

Der Informatiker und KI-Fachmann Toby Walsh, empfiehlt, sich mit Blick auf die kommenden Veränderungen sich auf einen von drei verschiedenen Fertigkeitsbereichen zu fokussieren: Ein Bereich dreht sich um technisches Verständnis und die Fähigkeit, intelligentere Computerprogramme zu erdenken inklusive der zugehörigen Hardware. Ein zweiter Bereich beschreibt Arbeit, die sehr viel Empathie erfordert, worüber Maschinen in absehbarer Zeit sicher nicht verfügen werden. Als dritte Berufsgruppe nennt er die Kreativen – und will damit nicht darauf hinaus, dass Computer nicht kreativ sein können. Sein Punkt ist vielmehr, dass Menschen zum Beispiel Konzerte eben besuchen, weil sie dort mit anderen Menschen zusammenkommen.

Wie Daugherty betonte übrigens auch Walsh unlängst gegenüber FAZ.NET, dass nicht der Staat alleine dafür zuständig ist, dass niemand zurückbleibt infolge der technischen Transformation, im Gegenteil: Jeder müsse seinen Beitrag leisten, jedes Unternehmen und jeder einzelne. „Es geht mir wirklich darum, dass wir jetzt so wenig wie möglich vermasseln“, sagte er. Und zog einen Vergleich zur Industriellen Revolution, die viele Generationen wohlhabender gemacht hat. Aber mit Blick auf die breite Masse eben nicht sofort. So lange, wünschte er sich, soll es diesmal nicht dauern.

Quelle: FAZ.NET
Alexander Armbruster
Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.
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