Whatsapp-Alternativen

Welche Messenger auf Diensthandys noch zulässig sind

Von Tobias Müller und Bastian Benrath
 - 20:17
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Seit der Entscheidung von Continental, den Mitarbeitern auf ihren Diensthandys den Messenger Whatsapp zu verbieten, ist klar: Gerade die Nutzung von Messenger-Apps eröffnen Unternehmen eine offene Datenschutz-Flanke, seitdem die europäische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) vollumfänglich in Kraft getreten ist. Zwar hatten die Firmen zwei Jahre Übergangsfrist lang Zeit, andere Lösungen zu erkunden, doch spätestens jetzt wird es Zeit, sich um Alternativen Gedanken zu machen.

Zum entscheidenden Punkt unter den neuen Datenschutz-Regeln ist der sogenannte Adressbuch-Upload geworden. Denn mit der DSGVO ist es nicht mehr zulässig, Daten von anderen Personen an Unternehmen – wie zum Beispiel Messenger-Anbieter – weiterzugeben, ohne sie vorher um Erlaubnis gefragt zu haben.

Die für sich genommen praktische Funktion von Whatsapp und Co., das Adressbuch des eigenen Handys auszulesen und auszugeben, welche der eigenen Kontakte ebenfalls Kunden des Messengers sind, wird damit zum Fallstrick. Denn in dem Moment, wo Whatsapp das Adressbuch ausliest, überträgt es die Daten darin an seine eigenen Server – im Sinne der DSGVO möglicherweise eine verbotene Weitergabe von Daten des Nutzers.

Welche Alternativen kann mal also nutzen, wenn man rechtlich auf der sicheren Seite sein will? Wir haben mehrere populäre Messenger untersucht und gefragt, wie sie es mit dem Adressbuch halten und auch, wie viele Nutzer die App hat. Denn eine auch noch so sichere Messenger-App bringt wenig, wenn man sie alleine nutzt und niemanden hat, dem man schreiben kann.

Threema

Der Schweizer Messenger-Dienst Threema für Smartphones und Tablets hatte im Januar 2018 rund 4,5 Millionen Nutzer. Nicht nur die Nachrichten werden verschlüsselt, auch verzichtet der Dienst – auf Wunsch – auf einen Zugriff auf das Telefonbuch seiner User und ist somit aus datenschutzrechtlicher Sicht unbedenklich. Denn während Messenger wie Whatsapp Nutzer anhand ihrer Rufnummern identifiziert, erstellt Threema zu diesem Zweck einen zufällig generierten Code – die sogenannte Threema-ID.

Diese ist sozusagen der Benutzername in der Threema-Welt und ermöglicht es, den Dienst völlig anonym zu nutzen. Die verschlüsselten Daten, die das Unternehmen sammelt, werden ausschließlich auf Servern in der Schweiz gespeichert. Mit dieser Neuerung trafen die Entwickler den Nerv der Zeit: Nach der Übernahme von Whatsapp durch Facebook schossen die Nutzerzahlen des Nischenproduktes in nur etwas mehr als einem Jahr von 400.000 auf rund 3,7 Millionen. Die Chats zwischen Nutzern sind – wie allerdings bei Whatsapp auch – Ende-zu-Ende-verschlüsselt.

Wer auf den praktischen Adressbuch-Upload nicht verzichten will, kann Threema freilich auch den Zugriff auf seine Kontakte einräumen. Dann funktioniert der Schweizer Messenger quasi wie Whatsapp – mit einer bedeutenden Unterscheidung: Threema lädt die eigenen Nummern nicht auf seine Server, sondern erstellt aus ihnen einen sogenannten „Hash“.

Das ist eine zufällige Nummernfolge, mit der sich zwar abgleichen lässt, ob Freunde den Dienst nutzen, die aber nicht die Telefonnummer selbst ist. Wenn es Hacker drauf anlegen, könnten die „Hashs“ zwar in die Nummern zurückübersetzt werden. Dennoch überträgt man so streng genommen keine Daten von anderen an das Unternehmen. In Sachen Datenschutz könnten Nutzer so aus dem Schneider sein, selbst wenn sie den Adressbuch-Upload nutzen. Die rechtliche Bewertung dessen ist noch unklar.

Während Whatsapp kein Geld kostet, sondern man in Form von Daten zahlt, kostet Threema zum Download einmalig 1,79 Euro als Apple-Anwendung und 1,99 Euro für die Betriebssysteme Android und Windows Phone. Für eine geschäftliche Anwendung empfiehlt der Anbieter die App „Threema Work“.

Hoccer

Der seit 2009 bestehende Dienst aus Deutschland stellt keine genauen Nutzerzahlen zur Verfügung. Rund zwei Millionen Mal wurde die App heruntergeladen, wie viele davon in wirklich nutzen, ist aber unklar. Das Augenmerk legen die Entwickler auf den Datenschutz: An ausschließlich deutsche Server werden sämtliche Informationen verschlüsselt übermittelt und anschließend umgehend gelöscht.

Da Nutzer weder eine Telefonnummer angeben müssen, noch der Dienst Zugriff auf das Adressbuch fordert, muss jeder Kontakt über die sogenannte Hoccer-ID zum Messenger hinzugefügt werden.

Da der Dienst kostenlos ist, wirft sich die Frage auf, wie sich Hoccer finanziert. Auf der Internetseite schreibt das Unternehmen: „Lizenzverkäufe (an Unternehmen) ermöglichen es uns, unseren Service für alle privaten Nutzer kostenlos zur Verfügung zu stellen.“ Was damit genau gemeint ist, bleibt aber unklar. Verfügbar ist der Dienst für alle mobilen Apple-Geräte sowie für Geräte mit einer Android 4.0-Version oder aktueller.

Telegram

Der Messenger Telegram stammt aus Russland, inzwischen sind seine Entwickler nach Dubai übergesiedelt. Mit seinen im März 2018 verzeichneten 200 Millionen Nutzern zählt der Dienst zu den meistgenutzten Whatsapp-Alternativen. Er ist nicht nur auf allen mobilen Betriebssystemen erhältlich, sondern auch für Windows, Linux und Mac. Der Dienst greift aber standardmäßig auch auf das Adressbuch seiner User zu und verlangt zudem zur Registrierung die Handynummer.

Wer Telegram den Zugriff auf das eigene Adressbuch – aus den oben beschriebenen Gründen – verwehrt, kann die App trotzdem nutzen. Dann muss er allerdings Kontakte händisch – mit ihren Telefonnummern – hinzufügen, die dann wieder auf Telegrams Server übertragen werden. Das Datenschutz-Problem löst die App also nicht.

Zudem kann ein Account auf mehreren Geräten genutzt werden. Daher sollte man beim Wechseln seiner Handynummer darauf achten, den Account zu löschen oder die neue Nummer anzugeben. Andernfalls kann nach Wiedervergabe der alten Rufnummer der neuer Inhaber sämtliche Chatverläufe seines Vorgängers einsehen.

Telegram erlaubt eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, allerdings muss diese erst über die Option „geheime Chats“ aktiviert werden. Hinzu kommt, dass der Dienst kostenlos zum Download bereitsteht. Während Whatsapp erst vor Kurzem Sticker-Emojis eingeführt hat, gibt es diese bei Telegram schon lange. Zusätzlich kann der Dienst durch selbst erstellte Sticker weiter individualisiert werden.

Der Messenger stellt auch für kommerzielle Zwecke eine Broadcast-Funktion bereit: Unternehmen wie News-Seiten-Betreiber oder Wetterdienste können so ihren Abonnenten zielgerichtete Informationen direkt über den Messenger zukommen lassen.

Signal

Signal ist die Krypto-Konkurrenz von Whatsapp aus den Vereinigten Staaten. Prominenz erlangte die App insbesondere dadurch, dass Whistleblower Edward Snowden verkündete, für seine Kommunikation nur noch die App zu nutzen. Zudem schufen die beiden Signal-Entwickler Moxie Marlinspike und Stuart Andersen das Verschlüsselungsprotokoll der App, das seither als „Goldstandard“ in der Kryptoszene gilt. Es war so erfolgreich, dass es inzwischen sogar von WhatsApp und dem Facebook-Messenger übernommen wurde – was es bei Signal aber nicht unsicherer macht.

Die App setzt vollständig auf Open Source, ihr Quellcode steht also für jedermann zum freien Download im Netz. Eigenen Angaben zufolge finanziert sich Signal über Spenden und Fördergelder. Die App ist für Android und iOS kostenlos erhältlich. Wie viele Nutzer sie hat, veröffentlichen die Macher der App allerdings nicht.

Auch Signal verlangt aber eine Handynummer, um sich anzumelden, und möchte gerne das Adressbuch des Handys auslesen. Verweigert man dies, muss man wie in Telegram Telefonnummern händisch eintippen. Gegenüber dem russischen Dienst hat Signal aber den Vorteil, dass die App nach eigenen Angaben keine Telefonnummern an sich überträgt, sondern diese wie Threema „hasht“ und nur anonymisierte Ziffernfolgen sendet.

In Sachen Datenschutz könnte Signal also – wie Threema und Hoccer – auch mit der DSGVO kompatibel sein. Wer ganz sicher gehen will, nutzt Threema oder Hoccer und verzichtet auf den Adressbuch-Upload.

Quelle: FAZ.NET
Bastian Benrath
Redakteur in der Wirtschaft.
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