Wirtschaftstag

Merkel fordert europäische Aufholjagd bei Batterieproduktion

 - 07:30

Bundeskanzlerin Angela Merkel fordert eine europäische Aufholjagd in der Batterieproduktion. „Wir haben bestimmte strategische Fähigkeiten nicht mehr“, warnte sie auf dem Wirtschaftstag in Berlin am Dienstag. „Kann es gut gehen, wenn wir als ein Kontinent, der Autos herstellt, die Batteriezellen aus Asien kaufen und die digitale Infrastruktur eines Autos irgendwoher aus Asien oder Amerika?“, fragte sie. Dann gebe es keine Wertschöpfung mehr. „Dann muss man eben eine Aufholjagd starten“, sagte Merkel. „Dann müssen wir halt über eine Legislaturperiode einen Plan machen.“

Sie sei nicht für die Planwirtschaft Chinas. „Aber wir können auch nicht in den Tag hinein leben. Bestimmte strategische Investitionen entwickeln sich über eine Dekade und nicht über zwei oder drei Jahre“, mahnte die Kanzlerin. Merkel erinnerte daran, dass die Europäer bei der Chipproduktion bereits eine ähnliche europaweite Aufholjagd gestartet hätten, um wieder autark zu werden.

„Deshalb freue ich mich, dass es in der Automobilindustrie erste Ansätze gibt, die sagen ’Wir müssen diese strategischen Fähigkeiten wieder nach Europa holen’“, fügte sie mit Blick auf die Batterieproduktion hinzu.

Bosch machte einen Rückzieher

Zuletzt hatt schon BMW-Betriebsratschef Manfred Schoch einen gemeinsamen Masterplan der deutschen Autoindustrie für die Produktion von Batteriezellen gefordert. „Wenn wir keine Batteriefabriken für Elektroautos in Europa bauen, dann werden es die Chinesen tun“, warnte Schoch. Konzerne wie BMW, Daimler und Volkswagen sollten ein Gemeinschaftsunternehmen gründen, um eine erste Großfabrik für Batteriezellen aufzubauen.

Bei Elektroautos sind Batterien das teuerste Bauteil und gleichzeitig mit das entscheidendste für deren Attraktivität. Deutsche Autohersteller drohen deshalb in Zukunft immer weniger an der Wertschöpfung beim Bau von Fahrzeugen zu verdienen, was auch negative Folgen für Arbeitsplätze haben könnte. Auch zur Zwischenspeicherung von Strom im Netz werden Batterien wegen des zunehmenden Stellenwerts von nur unregelmäßig nutzbaren erneuerbaren Energien wie Sonne und Wind immer wichtiger.

Erst kürzlich hatte sich Zulieferer Bosch gegen eine Zellenproduktion entschieden. Das Investitionsrisiko, angeblich 20 Milliarden Euro, war dem Konzern zu groß.

EU-Kommission hat eine EU-Batterie-Allianz aus der Taufe gehoben. Sie soll nach dem Vorbild des Flugzeugbauers Airbus europäische Kapazitäten zur Produktion bündeln. Von deutscher Seite sind unter anderen das deutsche Batterie-Konsortium TerraE sowie der Siemens-Konzern mit von der Partie. Siemens will dabei vor allem Software für die Batterie-Steuerung bereitstellen und zur Automatisierung der Produktion beitragen.

Quelle: jsa./Reuters/AFP
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