Branchenverband game

Über 50-Jährige sind größte Gamer-Gruppe

 - 10:43

Nutzer von Computer- und Videospielen werden immer älter. Während das Durchschnittsalter vergangenes Jahr noch bei 35,7 Jahren lag, beträgt es in diesem Jahr bereits 36,1 Jahre. Grund sei die starke Nachfrage aus der Altersgruppe der über 50-Jährigen, wie der Branchenverband game am Mittwoch mitteilte. Innerhalb eines Jahres sei die Anzahl der Spieler und Spielerinnen in diesem Alter um 800.000 auf insgesamt 9,5 Millionen gestiegen. Die über 50-Jährigen stellen damit mittlerweile die größte Gruppe der Spieler in Deutschland.

Laut game spielt hierzulande jeder zweite Bürger in Deutschland Computer- und Videospiele. „Ob auf dem Smartphone unterwegs oder auf PC und Spielekonsole zu Hause: Deutschland ist ein Land der Gamer“, sagte Felix Falk, Geschäftsführer des game. Die Branche ist auch längst keine Männer-Domäne mehr: Frauen stellen den Zahlen der Konsumforschung GfK zufolge mit 47 Prozent knapp die Hälfte der Spieler.

„Von Jung bis Alt – inzwischen schleicht, springt oder knobelt jede Generation gerne durch virtuelle Welten. Entgegen der landläufigen Meinung stellen aber nicht die Kinder und Jugendlichen die größte Gruppe an Spielern in Deutschland. Mit einem Anteil von 25 Prozent sind stattdessen die Silver Gamer die größte Nutzergruppe von digitalen Spielen“, erklärt Falk.

Besonders beliebt: Spielklassiker digital interpretiert

2017 ist der Markt im Vergleich zum Vorjahr um 15 Prozent auf einen Umsatz von über 3,3 Milliarden Euro gewachsen. Die Zahlen stammen aus Erhebungen der Konsumforschung GfK, die dafür unter anderem eine repräsentative Befragung von 25.000 Konsumenten zu ihren Einkaufs- und Nutzungsgewohnheiten bei digitalen Spielen durchführte.

Ein Grund für den Boom der sogenannten Silver Gamer – also die ältere Gamer-Generation – ist die demografische Entwicklung: die frühen Gaming-Pioniere sind mit dem Medium älter geworden.
Hinzu kommt, dass Tablets und Smartphones längst in vielen Senioren-Haushalten angekommen sind. „Während Konsolen oder Gaming-PCs für viele
ältere Spieler zu teuer oder kompliziert zu bedienen erscheinen, lassen sich Spiele-Apps leicht installieren und ausprobieren. Dadurch hat sich der Zugang zu Spielen deutlich erleichtert“, sagt Jan Smeddinck, Gaming-Forscher am International Computer Science Institute in Berkeley.

Besonders beliebt in der Altersgruppe 50+ sind die digitalen Umsetzungen von analogen Spieleklassikern. Skat, Puzzle oder Kreuzwort-Rätsel stehen im App-Store genauso hoch im Kurs wie Sudoku oder Gedächtnistrainer. „Bei Ego-Shootern oder Sportsimulationen sind Senioren eher zurückhaltend. Hier wird eher die Lebenswelt der Jugendlichen angesprochen“, sagt Smeddinck. Außerdem seien die Fähigkeiten wie Reaktionsschnelligkeit oder schnelle Entscheidungen gefragt. Dinge, die im Alter zunehmend schwerer fallen.

Die Enkel unterstützen nur wenig

Das Interesse an Spielen bestätigt auch eine Studie der Stiftung Digitale Chancen, die die „Nutzung und dem Nutzen des Internets im Alter“untersuchte. Die Forscher befragten dabei 300 ältere Menschen in 30 Senioren-Einrichtungen in ganz Deutschland. Sie bekamen für acht Wochen ein Tablet-Leihgerät mit vorinstallierten Apps, darunter Spiele wie „Angry Birds“ oder „Mah-Jongg“. Ein interessantes Ergebnis: Nach E-Mails, Navigation und Fahrplänen landeten Spiele auf Platz vier der meistgenutzten Funktionen. Knapp die Hälfte aller Teilnehmer spielte regelmäßig. „Die Frauen spielten eher Mah-Jongg oder lösten Kreuzworträtsel. Auch Candy Crush stand hoch im Kurs. Männer interessierten sich eher für Kartenspiele und probierten sogar Eishockey oder Fußball-Spiele aus“, berichtet Barbara Lippa.

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SpieleentwicklermesseEin Paradies für Gamer

Allerdings zeigte sich auch, dass die Senioren bei der Entdeckung der digitalen (Spiele-)Welt nur bedingt auf die Unterstützung der Enkel und Kinder hoffen können. „Oft fehlt den Angehörigen die Zeit und Muße, die Funktionen von Smartphone und Tablet genau zu erklären“, sagt Lippa. Deshalb empfiehlt sie einen Ausbau von IT-Kursen für Senioren, dabei könnten auch Games eine wichtige Rolle spielen.

Quelle: jsa./dpa
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