Künstliche Intelligenz

Volkswagen forscht mit Googles Quantencomputer

Von Carsten Germis, Hamburg
 - 17:18

Volkswagen und der Internetkonzern Google arbeiten künftig bei der Forschung über die Zukunft der Mobilität und des selbstfahrenden Autos zusammen. Der Wolfsburger Konzern und der amerikanische Internet-Riese haben auf der Technologiekonferenz „Web Summit 2017“ in Lissabon bekanntgegeben, dass Entwicklungstechniker von Volkswagen für ihre Arbeit einen Quantencomputer von Google nutzen werden. Martin Hofmann, Chef der IT von Volkswagen, sagte, die Quantencomputer-Technologie eröffne neue Dimensionen. „Sie ist die Beschleunigungsspur für Zukunftsthemen“.

Nach einer am Dienstag vom Unternehmen in Wolfsburg verbreiteten Mitteilung will VW auf dem Google-Quantencomputer Materialstrukturen für leistungsstarke Batterien für Elektroautos, neue Verfahren maschinellen Lernens an Künstlicher Intelligenz für das automatische Fahren und neue städtische Verkehrsleitsysteme für seine Fahrzeuge entwickeln. „Durch die Zusammenarbeit mit Google kommen wir diesem Ziel einen großen Schritt näher“, sagte Hofmann.

Quantencomputer sind anders konstruiert als herkömmliche Rechner. Wo diese an ihre Grenzen stoßen, wenn es darum geht, hochkomplexe Aufgaben zu lösen, kann der Quantencomputer ungleich anspruchsvollere Rechenoperationen durchführen. Da er jeden Rechenschritt gleichzeitig durchführen kann, steigt seine Rechenleistung im Vergleich exponentiell. Diese Rechner, die in ihrer Hardware-Architektur den Lehren der Quantenmechanik folgen, sind allerdings sehr empfindlich und verlangen Spezialwissen. „Sie können viele hochkomplexe Aufgaben weitaus schneller lösen als herkömmliche Rechner oder ermöglichen überhaupt erst eine Lösung“, heißt es bei Volkswagen. Google und VW wollen damit gemeinsam ihr Spezialwissen ausbauen.

Auch für Taxis in Peking werden Quantencomputer eingesetzt

Die IT-Spezialisten von VW sollen auf einem solchen Rechner von Google anwendungsnah forschen. So wollen sie Systeme zur Optimierung des Verkehrs entwickeln, die dem Autofahrer schnellere Strecken, freie Parkflächen oder verfügbare E-Ladesäulen anzeigen. „Intelligente Verkehrsführung kann Autofahrer und Städte sinnvoll unterstützen“, sagte Florian Neukart vom IT-Labor des Konzerns in San Francisco. Unterstützung erhoffen sich auch Entwicklungsingenieure von VW, die im VW-Werk in Salzgitter Batterieforschung betreiben. „Volkswagen hat das Ziel, Marktführer in der Elektromobilität zu werden“, sagte Forschungsleiter Ulrich Eichhorn.

Die Nutzung des Quantencomputers könnte bei der Entwicklung eigener Batteriesysteme neue Erkenntnisse bringen, „die zu einer Trumpfkarte im Wettbewerb werden.“ Neukart sagte, mit der Materialsimulation von Autobatterien auf einem Quantencomputer starte VW ein industrieweit einzigartiges Projekt und mache einen großen Schritt von der Grundlagenarbeit zu anwendungsorientierter Forschung. Die Konzentration auf anwendungsnahe Forschung und das Wissen der Ingenieure des größten Autokonzerns der Welt macht die Kooperation auch für Google interessant.

„Volkswagen hat großes Expertenwissen darin, wichtige anwendungsnahe Aufgaben zu lösen“, sagte der Entwicklungsleiter des Google-Labors, Hartmut Neven. Spezialisten aus den beiden VW-Laboren für IT in San Franzisco und München wollen mit den Google-Fachleuten Algorithmen, Simulationen und Optimierungen entwickeln. Dabei geht es auch darum, neue Wege des maschinellen Lernens zu finden. Dieses gilt als Schlüsseltechnik zur Entwicklung Künstlicher Intelligenz. Die wiederum ist eine Voraussetzung für das autonome Fahren der Zukunft.

Volkswagen ist nach eigenen Angaben das erste Automobilunternehmen der Welt, das sich intensiv mit der Technik der Quantencomputer befasst und sie für die eigene Forschung und Entwicklung einsetzt. Erste Erfahrungen damit haben die Ingenieure von VW im März 2017 gemacht. Damals erprobten sie an einem Quantencomputer ein Programm zur Optimierung des Verkehrs für rund 10.000 Taxis in der chinesischen Hauptstadt Peking.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Germis, Carsten (cag.)
Carsten Germis
Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.
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