Wieder ein Persönlichkeitstest

Weiteres Datenleck bei Facebook entdeckt

 - 10:22

Das amerikanische Wissenschaftsmagazin „New Scientist“ hat ein neues Datenleck bei Facebook entdeckt. Ähnlich wie in dem Skandal um die britische Datenanalysefirma Cambridge Analytica sollen Daten von Millionen Nutzern über eine Persönlichkeits-App zunächst gesammelt und dann ungesichert ins Internet gelangt sein. Auch die Antworten zu intimen Fragen sollen sich unter den durchgesickerten Daten befunden haben.

Dem Bericht zufolge hatten Wissenschaftler der University of Cambridge die von dem Persönlichkeits-Quiz myPersonality generierten Daten über eine unsichere Internetseite an hunderte Forscher weitergegeben – vier Jahre lang soll das Material ungeschützt zugänglich gewesen sein.

Bei den Daten soll es sich um sensible Informationen gehandelt haben, etwa die Ergebnisse eines psychologischen Tests. Die Informationen hätten eigentlich anonym aufbewahrt und geteilt werden sollen, doch es sei nicht schwer gewesen, die Identität der Betroffenen herauszufinden, berichtet das Magazin.

Facebook plant, 200 Apps zu suspendieren

Laut dem Medienbericht untersucht die britische Datenschutzbehörde Information Commissioner's Office (ICO) den Fall. Die Datenpakete sollen von David Stillwell und Michael Kosinski vom Psychometrics Centre der Universität Cambridge betreut worden sein. Auch Alexandr Kogan, der im Zentrum der Datenaffäre um Cambridge Analytica steht, soll zu einem früheren Zeitpunkt an dem Projekt beteiligt gewesen sein. „Wir sind über den Fall der myPersonality-App im Bilde und untersuchen ihn“, zitiert „New Scientist“ einen Sprecher des ICO.

Am 7. April 2018 suspendierte Facebook myPersonality von dem sozialen Netzwerk. Es liege ein Verdacht vor, dass die App gegen Datenschutz-Richtlinien verstoße, hieß es damals. Erst gestern wurde bekannt, dass weitere 200 Apps vom Ausschluss bedroht sind. Facebook untersucht derzeit Anbieter auf seiner Plattform, die Zugang zu großen Datenmengen haben.

Über sechs Millionen Facebook-Nutzer haben laut Bericht über die App an verschiedenen Tests teilgenommen – fast die Hälfte von ihnen soll zugestimmt haben, dass ihre Daten mit dem Forschungsprojekt geteilt werden. Gemäß der Geschäftsbedingungen durften die über myPersonality gesammelten Daten „anonym und so, dass die Informationen nicht einer bestimmten Person zugeordnet werden können“ geteilt werden.

App wurde nicht überprüft

Um Zugang zu den Daten zu bekommen, war eine Registrierung als Projektteilnehmer notwendig. Über 280 Personen von fast 150 Institutionen sollen sich angemeldet haben, darunter Universitäten und auch Unternehmen wie Facebook, Google, Microsoft und Yahoo. Auch Cambridge Analytica habe 2013 versucht, Zugang zu den Daten zu bekommen, sei von den Initiatoren aber aufgrund der politischen Ambitionen des Unternehmens abgelehnt worden.

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Nach DatenaffäreFacebook entwickelt Dating-App

Doch auch wer kein Teilnehmer des Forschungsprojekts war, habe mit einem einfachen Trick leicht an die Daten kommen können. Eine einzige Internetsuche sei nötig gewesen, um einen funktionierenden Nutzernamen und ein dazugehöriges Passwort online zu finden – jeder hätte in weniger als einer Minute also Zugang zu den Daten haben können, heißt es in dem Bericht.

So seien die Daten von rund drei Millionen Nutzern frei zugänglich gewesen, zudem 22 Millionen Status-Updates von 150.000 Nutzern sowie Details über Geschlecht, Beziehungsstatus und Alter von rund 4,5 Millionen Nutzern.

Die University of Cambridge gab an, über den Vorfall informiert worden zu sein. Stillwell habe die App entworfen, bevor er seine Stelle an der Universität angetreten habe. Die App habe keinen internen Genehmigungsprozess durchlaufen.

Stillwell selbst hat laut „New Scientist“ angegeben, dass es in neun Jahren nur einmal ein Datenleck bei dem Projekt gegeben habe. Facebook sei zudem von Anfang an über die Aktivitäten von myPersonality informiert gewesen. Es sei deshalb sehr seltsam, dass Facebook nun angibt, nicht von der App und dem Forschungsprojekt gewusst zu haben.

Quelle: jsa.
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