Berühmter Historiker warnt

Wenn Künstliche Intelligenz Diktaturen effizienter macht

 - 15:47

Das Wettrennen läuft längst: Chinas Führung will die Volksrepublik in zehn Jahren zur führenden Nation der Erde machen, wenn es um Künstliche Intelligenz geht. Auf der anderen Seite forschen die bislang führenden Tech-Unternehmen an der amerikanischen Westküste daran – die Regierungen Frankreichs und Großbritanniens haben ebenfalls Initiativen angekündigt in dieser Schlüsseltechnologie, aus Washington ist unter dem Präsidenten Donald Trump kaum etwas dazu zu hören.

Die mit dieser Schlüsseltechnologie derzeit verbundenen Hoffnungen sind enorm: Es geht um Sprach- und Bilderkennung, kluge Kaufempfehlungen, die Behandlung schwerer Erkrankungen bis hin zur besseren Handhabe des Klimawandels. Schnellere Rechner und größere Datenvolumen, kombiniert mit besseren Software-Modellen, machen vieles möglich, sind sich die Fachleute einig.

„Unsere Schwächen kennen“

Zugleich wächst die Sorge, ob und wie diese Technologie missbraucht werden und auch, wer in einem Wettstreit sie besser für sich nutzen kann. Der Politologe Francis Fukuyama hat bereits diagnostiziert, dass gerade Erfindungen wie das Internet nicht dazu geführt hätten, dass sich Demokratie und Friedfertigkeit weiter verbreiteten. Vielmehr haben seiner Ansicht nach autoritäre Systeme wie Russland oder China schneller gelernt, die Technik zu verwenden, um ihre Macht auszubauen und zu festigen.

Der mittlerweile weltbekannte israelische Historiker Yuval Noah Harari warnt nun ebenfalls davor. „Die größte Gefahr, der sich die liberale Demokratie derzeit gegenübersieht, besteht darin, dass die Revolution in der Informationstechnologie Diktaturen effizienter macht als Demokratien“, sagte er auf der diesjährigen TED-Konferenz im kanadischen Vancouver.

Durch Künstliche Intelligenz könne die zentralisierte Datenverarbeitung einer Diktatur einen kritischen Vorteil verschaffen gegenüber den eher dezentralen Demokratien des Westen. Entwicklern riet er deswegen dazu, zu verhindern, dass zu viele Daten in den Händen weniger Menschen konzentriert seien. Alle anderen rief er dazu auf, genau(er) darauf zu achten, wo und wie persönliche Daten gesammelt und weitergegeben werden.

„Es ist die Verantwortung von uns allen, unsere Schwächen zu kennen und sicherzustellen, dass sie keine Waffen werden in den Händen der Feinde der Demokratie“, sagte er. Zugleich mahnte er aber auch an, gegenüber Tech-Unternehmen aufmerksam zu sein, die unsere Daten besitzen und sich nicht darauf zu verlassen, dass Marktanreize ihren Missbrauch verhindern würden. „In der Theorie kann man sich gegen Unternehmen wehren, in der Praxis ist das extrem schwierig.“

Harari ist bekannt geworden durch seine neuesten Bücher und durchaus umstrittenen Prognosen. In seinem neuesten Band „Homo Deus“ setzt er sich ausführlich mit der Veränderung der Menschheit durch neue Technologien auseinander.

Quelle: ala.
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