Eon und das Internet der Dinge

„Wir sind anderen Energieversorgern um einige Jahre voraus“

Von Jonas Jansen, London
 - 16:36

Der Wind in Schrobenhausen war schwach. Gerade mal 3 Kilometer in der Stunde hat er geweht an diesem Mittag vor einigen Tagen in der oberbayerischen Stadt. Dafür hat aber die Photovoltaik einiges zur Versorgung beitragen, und zwar gut 626 Kilowattstunden. Allerdings haben alleine Industrie und Gewerbe im gleichen Zeitraum 2365 Kilowattstunden verbraucht. In der Viertelstunde zwischen 12:15 Uhr und 12:30 Uhr hat Schrobenhausen etwa 29 Prozent der Energieversorgung aus eigenen Quellen abdecken können, den Rest haben sie aus dem Netz bezogen.

Sichtbar werden diese Daten im Energiemonitor des Essener Versorgungskonzerns Eon. Mit dieser Plattform können Städte wie Schrobenhausen ihren Energieverbrauch überwachen. Das funktioniert allerdings nur mit Sensoren, die Daten aufzeichnen und weiterreichen und nur mit einer dahinter liegenden Kommunikationsstruktur, durch die Daten verteilt werden können. Für Produkte wie den Energiemonitor oder die Plattform „Eon Optimum“, mit der Flughäfen oder Großhändler ihren Energieverbrauch analysieren und prognostizieren können, arbeitet der Essener Energiekonzern mit dem amerikanischen Technologieunternehmen Google und deren Cloud-Computing-Plattform zusammen. Beim Cloud Computing wird IT-Infrastruktur ins Internet verlagert, statt wie früher üblich einzig im Rechenzentrum im Unternehmen verarbeitet zu werden.

Google präsentiert gerade in London auf der Next-Konferenz, wie das Unternehmen das Geschäftsfeld ausbauen will. Zu der Veranstaltung wurde auch FAZ.NET eingeladen. Alexander Alten-Lorenz baut für Eon Plattformen auf, Johannes Brüderl kümmert sich um die Entwicklung der Technik für das Internet der Dinge (IoT) – in London haben sie präsentiert, was Eon mit vernetzten Maschinen vorhat. Denn in der Zukunft wird es deutlich mehr davon geben als heute.

Vernetzte Maschinen generieren unfassbare Datenmengen

Die Marktforscher von IDC rechnen damit, dass vernetzte Systeme im Jahr 2025 bis zu 40 Zetabyte an Daten generieren. Das sind 40 Milliarden Terabyte – eine externe Festplatten für den Hausgebrauch kann zwischen einem und vier Terabyte speichern. In dieser kaum vorstellbaren Datenmenge spielt auch die Energieversorgung eine wichtige Rolle, deren Messung mit mehr schlauen Sensoren besser gesteuert werden könnte.

Brüderl zeigt an diesem Morgen, wie viel Aufwand dahinter steckt, eine Applikation für Geschäftskunden zu bauen, in der verschiedene Sensoren bei Nutzern, Kunden und Versorgern miteinander kommunizieren müssen. Ein Temperatursensor muss nicht nur senden, sondern auch angesteuert werden können, es braucht Schnittstellen für die Kommunikation und für Updates. Für Brüderl als Techniker liegt der Vorteil einer Google-Plattform auf der Hand. Die Latenz, also Verzögerung im Austausch von Dateien liege dort bei nur 0,1 Millisekunden. Außerdem müssten seine Mitarbeiter sich dann nicht darum kümmern, die technische Infrastruktur bereitzustellen. „Ich rate jedem, lasst Google das machen, das nimmt viel Stress weg.“

Nicht von einem Anbieter abhängig machen

Trotzdem legt Eon Wert darauf, nicht nur mit dem Suchmaschinenkonzern zusammenzuarbeiten. Das hat zum einen damit zu tun, dass sich die Essener nicht nur von einem Anbieter abhängig machen wollen, zum anderen damit, dass für andere Anwendungen die Konkurrenz schlicht besser ist. Microsoft etwa sei grundsätzlich in Geschäftsanwendungen etwas passender, sagt Alten-Lorenz, während sich Google noch stark auf Endanwender fokussiere. Mit Microsofts Cloud-Plattform Azure arbeitet Eon ebenfalls zusammen. Von Amazons Service AWS hat der Plattform-Manager am ehesten Abstand genommen, weil der Online-Händler noch stärker als andere versuche, seine Kunden in dem Service zu fesseln.

Alten-Lorenz und seine Kollegen bauen die Produkte ohnehin so, dass sie flexibel von einem Anbieter zum nächsten wechseln könnten. Außerdem setzt der Manager auf offene Software, um Zusammenarbeit zu erleichtern. Grundsätzlich sieht Alten-Lorenz mit seinen tätowierten Armen nicht aus wie der Prototyp des früheren Energiekonzern-Managers. Seit zwei Jahren arbeitet er für Eon, das schon länger daran arbeitet, eine Strategie für die Energieversorgung der Zukunft über das Internet der Dinge zu erarbeiten. „Wir sind den anderen Energiekonzernen einige Jahre voraus“, sagt Alten-Lorenz selbstbewusst. Die meisten Anbieter würden - wenn es um Digitalisierung geht - vor allem an Lösungen für Endkunden arbeiten und noch nicht auf die Veränderung der Industrie blicken.

Verschlüsselung auch auf den simpelsten Chips

Dabei ist es dieser Bereich, wo in den nächsten Jahren durch die zunehmende Vernetzung richtig Bewegung reinkommen könnte, Maschinen und Fabriken effizienter werden und damit natürlich auch Kosten für Anbieter sinken dürften. Dabei ist es für Alten-Lorenz wichtig, immer auf eine Cloud-Struktur zu setzen, die es ermöglicht, automatisch Geräte zu aktualisieren. Angenommen, es werden Schwachstellen auf Chips erkannt: „Dann kann man ja nicht rausfahren und 16 Millionen Geräte einzeln nachrüsten“, sagt Alten-Lorenz.

Sicherheit ist im Internet der Dinge freilich eine wichtige Komponente, Hackerangriffe wie im Fall von „Mirai“, als Millionen vernetzte Geräte ferngesteuert werden konnten, sind der Albtraum der Anbieter. Auch deshalb Google in London auch einen 8-Bit-Mikroprozessor vorgestellt, der ein sogenannter Krypto-Chip ist, also auch verschlüsseln kann. Solche 8-Bit-Chips sind so etwas wie die simpelsten IoT-Geräte, doch sie sind vielen Geräten verbaut, die zukünftig schlauer werden sollen, wie etwa Türklingeln. Gut 4 Milliarden dieser Chips werden jedes Jahr hergestellt. „Wenn IoT gehackt wird, ist das für uns alle schlecht“, sagt Adam Michelson, der bei Google für Produkte für das Internet der Dinge zuständig ist.

Quelle: FAZ.NET
Jonas Jansen
Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für die „Netzwirtschaft“.
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