Automatisierung

Wer hat die meisten Roboter?

Von Uwe Marx
 - 09:32

Die Zahl der Roboter in der industriellen Produktion steigt seit Jahren – 2016 machte da keine Ausnahme, wie der „World Robotics Report“ des Internationalen Roboterverbandes (IFR) mit Sitz in Frankfurt ermittelt hat. Demnach waren im vergangenen Jahr in der Fertigungsindustrie global gesehen 74 Roboter je 10.000 Beschäftigte im Einsatz, was für diese sogenannte Roboterdichte einen neuen Höchstwert bedeutet. Bei der bis Zählung im Jahr zuvor lag die Dichte noch bei 66 Einheiten.

Der Verband, der seit kurzem von Junji Tsuda, einem Manager des japanischen Roboterherstellers Yaskawa, als Präsident geführt wird, stellte wie üblich auch eine Rangliste der – gemessen an der Roboterdichte – am stärksten automatisierten Länder zusammen. Hier belegt Deutschland unverändert einen Platz in der Spitze, allerdings nicht ganz oben.

Korea ganz vorne

Mit 309 Robotern je 10.000 Beschäftigte liegt Deutschland auf Platz drei hinter den notorischen Spitzenreitern Korea (631) und Singapur (488) und knapp vor Japan (303). Die Japaner bleiben indes die fleißigsten Hersteller von Industrierobotern. Das Land deckt heute etwa 52 Prozent des globalen Bedarfs an Industrierobotern und hatte 2016 laut IFR eine Produktionskapazität von 153.000 Einheiten. Das sei der höchste jemals ermittelte Wert gewesen.

Die beiden Spitzenreiter Korea und Singapur eint, dass viele Unternehmen aus der Elektronikindustrie dort zu Hause sind, was die Zahl der Roboter in die Höhe treibt. In Korea kommt noch eine starke Automobilindustrie hinzu, die zu den größten Kunden der Roboterbauer gehört. Deutschland ist mit seinem Wert in Europa die Nummer eins, dahinter folgen Schweden, Dänemark, Italien und Belgien. Großbritannien hingegen ist ein schwieriges Feld für die Branche. Hier lag die Roboterdichte von 71 Einheiten sogar noch unter dem globalen Durchschnitt – für die IFR ein deutliches Zeichen, dass das Land dringend in seine industrielle Infrastruktur investieren müsste, um seine Produktivität zu steigern, gilt die Roboterdichte doch als starker Hinweis für den Automatisierungsgrad einer Industrie.

China hingegen bleibt der größte und dynamischste Markt für Industrieroboter. Die Roboterdichte ist hier zwar seit Jahren nur mäßig, sie stieg aber von 25 Einheiten im Jahr 2013 auf 68 Einheiten 2016. Das ist zwar global gesehen nur Platz 23, aber China hat das Ziel ausgegeben, bis 2020 unter die Top Ten der am stärksten automatisierten Länder zu kommen. Ziel ist eine Roboterdichte von 150 Einheiten – was diesen gewaltigen Markt noch mal vergrößern würde. Im Zieljahr sollen 100.000 im eigenen Land produzierte Industrieroboter verkauft werden, nachdem es im vergangenen Jahr erst 27.000 waren. 60.000 Einheiten kamen von ausländischen Unternehmen. Die Vereinigten Staaten – im globalen Ranking zwischen Dänemark und Italien nur auf Platz sieben liegend – kamen auf 189 Einheiten je 10 000 Beschäftigte. Allerdings erwartet der Weltverband hier ein besonders starkes Wachstum. Es soll zwischen 2017 und 2020 rund 15 Prozent im Jahr betragen. Von 2010 bis 2016 lag das jährliche Wachstum in Asien bei 9, in Amerika bei 7 und in Europa bei 5 Prozent.

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Fast schon menschlichRoboter mit Gefühlen

Quelle: F.A.Z.
Uwe Marx
Redakteur in der Wirtschaft.
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