Einigung mit Piloten

Punktlandung der Lufthansa

Von Ulrich Friese
© Reuters, F.A.Z.

Der Zeitpunkt könnte kaum besser gewählt sein. Just wenn Vorstandsvorsitzende Carsten Spohr über die Perspektiven der Lufthansa berichtet, ist eine wichtige Wachstumsbremse verschwunden: Die Gefahr weiterer Pilotenstreiks, die „wie ein Schleier über allen Botschaften des Konzerns schwebte“, wie Lufthanseaten klagten. Einen Tag vor der für diesen Donnerstag anberaumten Bilanzvorlage verkündete Europas größte Fluggesellschaft, dass sie sich mit ihren 5400 Piloten auf mehr Lohn sowie eine Neuregelung für Betriebsrenten und Altersvorsorge verständigt habe.

Der Pakt zwischen dem Management und der Branchengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) sorgt im laufenden Geschäftsjahr für Entlastungen in dreistelliger Millionenhöhe. Er muss vor allem den Schwund von Kunden und Marktanteile stoppen, die in jüngster Vergangenheit fast bedrohliche Ausmaße erreicht hat.

Allen voran zahlungskräftige Geschäftsreisende, die als loyale Lufthansakunden galten, zögerten nach der ersten Streikwelle der Piloten mit ihren Buchungen oder wendeten sich direkt neuen Anbietern in Europa zu. Besonders fatal: Vielen Wechslern wurde dadurch klar, dass die meisten Konkurrenten ein besseres Produkt als die Lufthansa bieten, das zudem noch günstiger ist.

Luftverkehr bleibt für Streiks anfällig

Wie stark der deutsche Platzhirsch durch die Streikserie seiner Spitzenverdiener unter Druck stand, war aus der Bereitschaft des Managements abzulesen, notfalls radikale Schritte durchzuziehen, um die ausufernden Kosten für das Cockpit-Personal endlich an ein wettbewerbsfähiges Niveau anzupassen.

Beispielsweise wurde in der Chefetage jüngst die Gründung neuer Fluggesellschaften für das Langstreckengeschäft durchgespielt – ein Rezept, das sich schon bei der Sanierung ausländischer Tochtergesellschaften wie Swiss oder AUA bewährt. Sogar ein Konkurs der Muttergesellschaft war in internen Planspielen kein Tabu mehr, um die hohen Pensionslasten los zu werden, die der vor Jahrzehnten – als Lufthansa noch ein Staatskonzern war – ausgehandelte Tarifvertrag den Flugzeugführern garantierte.

Selbst wenn durch den jetzt vereinbarten Tariffrieden die Gefahr weiterer Lufthansastreiks bis zum Jahr 2022 gebannt ist, dürfte der deutsche Luftverkehr weiterhin eine ideale Projektionsfläche für Gewerkschaften bleiben, wie gerade erst wieder der Streik des Bodenpersonals der Berliner Flughäfen gezeigt hat.

Quelle: F.A.Z.
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