Energiepolitik
Mineralöl und Gas

Die Deutschen verbrauchen mehr Energie

Von Andreas Mihm, Berlin
© dpa, F.A.Z.

Die gute Wirtschaftsentwicklung und etwas niedrigere Temperaturen zu Jahresbeginn haben die Energienachfrage in Deutschland im ersten Halbjahr angeregt. Der Verbrauch stieg nach Berechnungen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 0,8 Prozent auf 6882 Petajoule. Profitiert hätten davon vor allem der Absatz von Mineralölprodukten und Erdgas. Bei den erneuerbaren Energien hätten gute Windverhältnisse und eine hohe Zahl von Sonnenstunden trotz einer „Dunkelflaute“ mit wenig Wind und wenig Sonnenschein am Jahresanfang zu einem deutlichen Anstieg der Stromeinspeisungen geführt.

Der Verbrauch von Mineralöl – das rund ein Drittel der gesamten Energienachfrage deckt – stieg demnach in den ersten sechs Monaten um 2,6 Prozent. Zu dieser Entwicklung hätten vor allem die Kraftstoffe beigetragen. Ungeachtet der lebhaften öffentlichen Debatte um die Diesel und sinkender Zulassungszahlen sei der Absatz dieses Kraftstoffs um 6,5 Prozent gestiegen. Als Grund dafür machte Uwe Maaßen von der Arbeitsgemeinschaft mehrere Faktoren aus: die wachsende Fahrleistung von innerörtlichen Paket-lieferdiensten, mehr Transporte auf überregionalen Straßen und ein angesichts der Preisentwicklung verändertes Tankverhalten von gewerblichen und privaten Verbrauchern. Oft lohne es sich nicht mehr, im Ausland zu tanken, wovon deutsche Zapfstellen profitierten.

Absatz von Benzin steigt

Ein Plus von 2,5 Prozent gab es auch beim Benzin, der Absatz von Flugkraftstoff erhöhte sich sogar um fast acht Prozent. Während auch die chemische Industrie mehr Rohbenzin kaufte, ging der Absatz von leichtem Heizöl zurück.

Erdgas deckt ein Viertel der deutschen Energieversorgung. Sein Absatz kletterte im Jahresvergleich um mehr als drei Prozent. Grund war die höhere Nachfrage der Verbraucher zu Heizzwecken wie auch die Nachfrage der Industrie. Der niedrige Gaspreis führt auch zu einem verstärkten Einsatz in Gaskraftwerken, die Strom und Wärme erzeugen. Diese KWK-Anlagen werden wegen ihrer vergleichsweise guten Umweltbilanz eigens gefördert.

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Der Einsatz von Kohle ging insgesamt zurück. Der Steinkohleverbrauch sank im ersten Halbjahr um 6,7 Prozent, vor allem weil neun Prozent weniger Kohle in Kraftwerken verbrannt wurde. Der Einsatz von Koks und Kohle in der Eisen- und Stahlindustrie ging nur leicht zurück. Dagegen stieg der Absatz von Braunkohle um knapp drei Prozent. Die Zunahme sei auf eine bessere Verfügbarkeit der Kraftwerke zurückzuführen. Deren Stromerzeugung bewege sich damit wieder auf einem mehrjährigen Durchschnittsniveau. Der Anteil der Kernenergie sank wegen Kraftwerksrevisionen um 17,5 Prozent. Stein- und Braunkohle decken damit je 11 Prozent der deutschen Energieversorgung ab, die Kernenergie kam auf fünf Prozent.

Die erneuerbaren Energien steigerten laut dem Bericht ihren Beitrag zum gesamten Energieverbrauch im ersten Halbjahr 2017 um mehr als sechs Prozent. Die Stromeinspeisung aus Wind- und Photovoltaikanlagen legte um 19 und 14 Prozent zu. Die Biomasse erhöhte ihren Beitrag um fünf Prozent. Die Stromerzeugung aus Wasserkraft sank hingegen um 18 Prozent. 35 Prozent des verbrauchten Stroms stammte zwar aus regenerativen Anlagen, gemessen am gesamten deutschen Energieverbrauch betrug ihr Anteil aber lediglich knapp 14 Prozent.

Keine Angaben machte die Arbeitsgemeinschaft zu den Klimagasemissionen. Die hochzurechnen sei „reine Spekulation“. Zuvor hatten die Anti-Kohle- und Klimaschutzorganisation „Agora Energiewende“ unter Verweis auf die Zahlen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen erklärt, im ersten Halbjahr 2017 seien die energiebedingten CO2-Emissionen gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum um fast fünf Millionen auf 428 Millionen Tonnen gestiegen. Das entspreche einem Plus von 1,2 Prozent. Auch für das Gesamtjahr 2017 sei mit einem Anstieg zu rechnen.

Lücke zum Klimaschutzziel verringert sich nicht

Die Lücke zum Klimaschutzziel der Regierung von 40 Prozent weniger CO2-Emissionen im Jahr 2020 werde damit nicht kleiner, sondern bleibe bei 150 Millionen Tonnen, hatte Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende, erklärt. Um das Ziel zu erreichen, müsse unmittelbar nach der Wahl ein „Sofortprogramm Klimaschutz 2020“ mit schnell wirkenden Maßnahmen für Strom, Wärme und Verkehr aufgelegt werden.

Unterdessen haben die Stromnetzbetreiber ihre Abrechnung der Ein- und Auszahlungen für den Ökostrom im Juli vorgelegt. Demnach wurden an die Betreiber knapp 2,8 Milliarden Euro ausgezahlt, während sich die Einnahmen auf 2,15 Milliarden Euro beliefen. Der Fehlbetrag von 650 Millionen Euro im Juli reduziert den Überschuss auf dem Konto auf 4,2 Milliarden Euro. Er bleibt damit der höchste Überschuss in einem Juli. Grund dafür ist unter anderem die diesjährige Anhebung der Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) auf den Rekordwert von 6,88 Cent je Kilowattstunde.

Quelle: F.A.Z.
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