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Porsche prüft schnelles Aus für den Diesel

Von Susanne Preuß, Stuttgart
 - 18:25

Die Verantwortlichen des Sportwagen-Herstellers Porsche prüfen derzeit, ob eine schnelle Abkehr vom Dieselantrieb möglich ist. Wenn das neue Modell des Geländewagens Cayenne Anfang September auf der Frankfurter Automesse IAA gezeigt wird, könnte schon klar sein: Ein Diesel-Modell wird es vom neuen Cayenne nicht geben. Das jedenfalls ist der Plan, der in der Porsche-Zentrale Stuttgart-Zuffenhausen momentan diskutiert und für wahrscheinlich befunden wird.

Während der Großteil der Belegschaft derzeit in den Betriebsferien weilt, wird in der Chefetage gerechnet und geschätzt, werden Szenarien entworfen und zerredet. Ein sanfter Ausstieg ist eine Alternative: Demnach käme der Cayenne noch mit dem für nächstes Jahr eigentlich geplanten Dieselmotor, es wäre aber der letzte. Doch selbst die radikalste Variante wurde schon durchkalkuliert, der Verkaufsstopp auch für vorhandene Diesel-Modelle.

Der Diesel - Aufstieg und Fall einer deutschen Erfindung.

„In Bezug auf den Diesel spielen wir verschiedene Szenarien durch“, bestätigt ein Porsche-Sprecher gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, fügt jedoch hinzu: „Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen.“

Eine Hauruck-Aktion stieße vor allem in der Verkaufsmannschaft auf erheblichen Widerstand: Die Einschnitte könnten derb ausfallen. Das Problem ist nämlich viel größer, als die Zahlen auf den ersten Blick vermuten lassen. Zwar lag der Dieselanteil am gesamten Porsche-Absatz im ersten Halbjahr lediglich noch bei 14 Prozent, im Vorjahr waren es noch 17 Prozent. In den zwei größten Absatzmärkten, in China und Nordamerika, wird überhaupt kein Porsche mit Dieselmotor verkauft; im Heimatmarkt Deutschland erreicht der Dieselanteil immerhin 32 Prozent.

„Verkauft sich richtig super“

Während die reinrassigen Sportwagen nicht als Dieselvariante verkauft werden, liegt der Anteil aber bei sportlichen Geländewagen (SUV) besonders hoch. Vom Cayenne hatten in Deutschland fast 82 Prozent der Neuwagen im ersten Halbjahr einen Dieselmotor. Der hohe Prozentsatz hänge vor allem mit dem sehr hohen Anteil der Flotten- und der Dienstwagen-Kunden unter Cayenne-Fahrern zusammen, heißt es bei Porsche. Dort werde vielfach peinlich genau auf den Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid geachtet. Daher ist es unwahrscheinlich, dass man bisherigen Dieselkunden problemlos eine Variante mit Otto-Motor verkaufen kann. Was die Kohlendioxidemissionen angeht, gelten Dieselmotoren als sparsamer als vergleichbare Benzinantriebe.

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Den Befürwortern eines langsamen Ausstiegs halten die Optimisten im Unternehmen entgegen, dass Porsche viele Pfeile im Köcher habe. „Wir trauen uns zu, das zu kompensieren“, lautet die Ansage unter den Verfechtern des schnellen Ausstiegs. Die schnelle Lösung wäre der Hybrid. Die Kombination aus Verbrenner und Elektromotor soll künftig nicht mehr als vernünftiges Substitut daher kommen, wie derzeit beim Cayenne, sondern als Krönung einer Baureihe. Das Rezept wird schon beim Modell Panamera erprobt; dessen 680-PS-Hybrid „verkauft sich richtig super“, heißt es in Unternehmenskreisen.

Und Audi?

Die offizielle Variante dieser Erfolgsgeschichte ist kaum zurückhaltender: „Der nächste Cayenne wird ebenfalls einen neuen Plug-in-Hybrid im Angebot haben und einen weiteren Beweis dafür liefern, wie wir Elektrifizierung weiterentwickeln.“ Der Ersatz der Diesel-Variante durch Hybrid-Modelle wäre eine Genugtuung für die stolzen Entwickler von Porsche.

Der Diesel-Motor war ohnehin nicht ihr Produkt, sondern wurde seit 2009 von Audi zugekauft. Und er hat Porsche den Diesel-Skandal ins Haus geliefert, so die Wahrnehmung in der Belegschaft. Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück sprach in einem Interview von „kranken Motoren“ und einem „Krebsgeschwür“.

Wichtiger als solche Emotionen wiegt für die Porsche-Planer die Tatsache, dass die Zusammenarbeit schwierig geworden ist, auch mangels Personal. „Viele Entwickler sind schon weg und die anderen überlegen sich, ob sie da noch richtig sind“, spitzt ein Porsche-Mitarbeiter seine Beobachtungen zu. „Die Auswirkungen sind jetzt schon zu spüren.“ Der Zeitplan für den nächsten Cayenne Diesel könnte schon deshalb in Gefahr sein.

Aber: So groß die Entrüstung über Audi ist, so wenig kann Porsche über die eigene Produktpalette frei entscheiden. Schon früher, als Audi lediglich eine Art Zulieferer für Porsche war, musste man sich den Produktplanungen der Kollegen aus Ingolstadt fügen, und seit der Sportwagenhersteller ganz in den VW-Konzern integriert wurde, gilt das erst recht. Einem Argument würde man sich indes auch in der Konzernspitze beugen: einer guten Rendite. Seit Jahren ist Porsche ein wichtiger Gewinnbringer für den Wolfsburger Konzern. Im vergangenen Jahr machte das Porsche-Ergebnis vor Zinsen und Steuern in Höhe von 3,9 Milliarden Euro mehr als die Hälfte des Volkswagen-Ergebnisses aus. Porsche musste dafür lediglich 238.000 Autos verkaufen.

Eine Umsatzrendite von mindestens 15 Prozent hat Porsche-Chef Oliver Blume der Führungsmannschaft auch für die Zukunft ins Stammbuch geschrieben – selbst wenn die Vorleistungen für das Elektro-Zeitalter die Budgets strapazieren. Damit das klappt, soll das Elektroauto Mission E, ein Viersitzer mit einem Einstiegspreis von rund 100000 Euro, von vornherein in großen Stückzahlen produziert werden. Die Produktionskapazitäten, die in Stuttgart derzeit aufgebaut werden, sind auf einige zigtausend Autos im Jahr ausgelegt. Zum Vergleich: Vom Sportwagen-Klassiker 911 wurden zuletzt rund 32.000 Stück im Jahr verkauft, das bestverkaufte Porsche-Modell, der kleine Geländewagen Macan, kam auf 96.000 Stück.

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© reuters, reuters
Quelle: F.A.Z.
Susanne Preuß - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Susanne Preuß
Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.
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