Windparks ohne Förderung

Erneuerbare Energie lohnt sich endlich

Von Andreas Mihm, Berlin
 - 15:34

Betreiber von Offshore-Windparks in der deutschen Nordsee erwarten keine Staatszuschüsse mehr, um Windenergie zu erzeugen. Das ist an diesem Donnerstag bekannt geworden – als Resultat einer Ausschreibung.

Es ist das Ergebnis einer Reform der Erneuerbare-Energien-Zuschüsse. Erstmals wurden die Zuschüsse nicht pauschal vergeben, sondern die Bundesregierung hat die Zuschüsse ausgeschrieben: Die Windpark-Betreiber, die am wenigsten Geld forderten, sollte von der Bundesnetzagentur den Zuschlag bekommen. Am Donnerstag wurden die Ergebnisse bekannt, und sie sind eine große Überraschung.

Künftig werden durchschnittlich nur noch 0,44 Cent je Kilowattstunde an Staatszuschüssen gezahlt. Das niedrigste Gebot kommt sogar ganz ohne Zuschuss aus. Dabei werden für Offshore-Windparks derzeit noch 19,2 Cent je Kilowattstunde gezahlt. Allerdings wird die derzeitige Förderung nur für 12 Jahre gewährt, während es die neue Förderung für die Dauer von 20 Jahren gibt. Die Betreiber können also den weiteren technischen Fortschritt einkalkulieren.

In Dänemark waren zuletzt noch 5 Cent Staatszuschuss nötig

Insgesamt wurden vier Projekte mit einem Volumen von 1500 Megawatt zugeteilt, teilte die Bundesnetzagentur mit. Das höchste noch zum Zuge gekommene Gebot habe bei 6 Cent je Kilowattstunde gelegen. Zuletzt hatte Vattenfall in Dänemark mit einem Zuschlag von 4,99 Cent je Kilowattstunde den Zuschlag erhalten und viel Aufsehen für diesen niedrigen Preis erhalten.

Auch der Präsident der Bundesnetzagentur zeigte sich von dem günstigen Ergebnis überrascht. Der durchschnittliche Zuschlagswert liege „weit unterhalb der Erwartungen“, sagte Jochen Homann. Das Ausschreibungsverfahren habe mittel- und langfristige Kostensenkungspotentiale freigesetzt, „die zu einer in diesem Umfang nicht erwarteten Senkung der Förderung führen werden“. Als sensationell hatten zuletzt schon Ausschreibungsergebnisse für große Photovoltaikanlagen in Deutschland von knapp acht Cent die Kilowattstunde gegolten.

Offshore-Windkraft ist billiger

Windkraftanlagen auf See sind produktiver als jene an Land, sie kommen mit geringeren Zuschüssen aus. Zwar ist der Bau auf dem Wasser komplizierter, doch lassen sich dort größere Anlagen bauen. Dazu kommt: Der Wind bläst verlässlich und stetig. Das macht die Offshore-Windräder wirtschaftlicher und stellt sie in eine Reihe mit „verlässlichen“ klassischen Großkraftwerken.

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Drei der vier zum Zuge gekommenen Projekte werden mit 600 Megawatt vom staatlichen dänischen Dong-Konzern betrieben, das vierte vom deutschen und – ebenfalls staatlich kontrollierten – Konzern EnBW. Der meldete stolz, er gehöre mit dem Zuschlag über 900 Megawatt „zu den weltweit ersten Offshore-Windparks ohne Förderung“. Neben der Förderung wird den Betreibern auch ein vom Stromverbraucher über die Netzentgelte finanzierter Netzanschluss ins Meer gelegt. Sie dürfen den Windpark 25 Jahre betreiben. Auch darin stecke „eine erhebliche Förderung“, erklärte die Netzagentur.

Für die Stromkunden ist das ein positives Ergebnis, weil ihnen höhere Belastungen wegen der niedrigeren Förderung erspart bleiben – wenn auch erst im nächsten Jahrzehnt, weil die Parks erst dann in Betrieb gehen werden. Für große deutschen Bieter wie Eon, die RWE-Abspaltung Innogy und auch den schwedischen Staatskonzern Vattenfall ist das Ergebnis dagegen schlecht; sie kamen mit ihren offensichtlich zu teuren Geboten alle nicht zum Zuge.

In ihre Preiskalkulation wollten sich die Bieter nicht einsehen lassen. Da die Projekte erst etwa im Jahr 2025 ans Netz gehen sollen und dann 20 Jahre lang bezuschusst werden, fließen in die Kalkulation darin viele Zukunftserwartungen ein: fallende Preise für Ausrüstung, Betrieb und Wartung der Anlagen, technischer Fortschritt, der neue, ungekannte Turbinengrößen ermöglicht, Annahmen über den Strompreis in zehn Jahren wie auch den bis dahin von der Politik vorgelegten (und womöglich vielfach veränderten) Rahmen für die nationale und europäische Energiepolitik – Fachleute sprechen da vom „Strommarktdesign“.

Der EnBW-Vorstandsvorsitzende Frank Mastiaux zeigte sich „sehr glücklich über dieses Ergebnis“. Die Planung fuße auf „umfangreichen Marktanalysen und einem intensiven Austausch mit der Zulieferindustrie, die an zahlreichen technologischen Weiterentwicklungen arbeitet und die Kosteneffizienz absolut verinnerlicht hat“. Die Annahmen zum Strompreis bewegten sich auf einem moderaten Niveau. „Die Renditeerwartung liegt deutlich über unseren Kapitalkosten und ist damit attraktiv“, hieß es.

Falls die Bieter die Projekte doch nicht vollenden sollten, drohen ihnen hohe Strafzahlungen. Mit Abgabe der Gebote haben sie bei der Netzagentur Sicherheitsleistungen in Höhe von 150 Millionen Euro hinterlegt.

Wichtige Leitungen fehlen noch

Der Ausbau der Meereswindparks in Nord- und Ostsee spielt im der Politik der Regierung zur Umstellung der Stromversorgung auf regenerative Energien eine wichtige Rolle. Allerdings fehlen noch die Leitungen, um den Windstrom in den Süden abzutransportieren. Deshalb wurde der Ausbau von Parks in der Nordsee gebremst und der in der Ostsee beschleunigt. Aus dem Grund ist auch ein Drittel der für das nächste Jahr geplanten zweiten Ausschreibung über 1500 Megawatt für Parks in der Ostsee vorgesehen. Homann warnte aber bereits vor übertriebenen Erwartungen: „Es ist allerdings offen, ob sich so niedrige Zuschlagswerte in der nächsten Ausschreibung wiederholen werden.“ Allerdings habe die Offshore-Windenergie „ihre Wettbewerbsfähigkeit mit Nachdruck unter Beweis gestellt“.

Die überraschend niedrigen Zuschläge für den Offshore-Wind dürften auch die Debatte über den Ausbau der Windkraft an Land beleben. Denn dort liegt die Förderung aktuell noch um die 9 Cent je Kilowattstunde. Für die erste Ausschreibung über 800 Megawatt sind bei der Netzagentur Gebote über 1000 Megawatt eingereicht worden. Das lässt nicht auf eine hohe Wettbewerbsintensität schließen – zumal viele Betreiber noch im vergangenen Jahr, um die alte Förderung zu sichern, Anträge gestellt haben sowie 8300 Megawatt in der Übergangszeit noch nach dem alten Regime gefördert werden sollen.

Quelle: FAZ.NET
Andreas Mihm - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Andreas Mihm
Wirtschaftskorrespondent in Berlin.
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