Neue Studie

Das denken die Deutschen über die Energiewende

Von Hanna Decker
 - 13:31

Zu teuer, ineffizient, ungerecht? Die Energiewende wird in Deutschland kontrovers diskutiert. Grundsätzlich befürworten aber 88 Prozent der Deutschen den Umbau der Energielandschaft hin zu erneuerbarer Energie – und zwar quer durch alle Bildungs-, Einkommens- und Altersgruppen. Das geht aus einer neuen Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) und des Instituts für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS) hervor, die heute in Berlin vorgestellt wird.

Auch die parteipolitische Präferenz spielt bei der Zustimmung zur Energiewende kaum eine Rolle. Nur die Anhänger der AfD fallen aus dem Rahmen: 22 Prozent von ihnen schließen sich der Aussage an: „Ich halte die Energiewende für falsch und möchte mich nicht daran beteiligen.“ Das ist zwar immer noch keine Mehrheit, aber deutlich mehr als die 3 Prozent übriger Parteianhänger, die diesem Satz zustimmen. Weitere 16 Prozent von ihnen sagen: „Hauptsache, ich habe ausreichend und preisgünstige Energie; alles andere ist mir nicht so wichtig.“

Die Forscher haben auch die Zustimmung zum Ausstieg aus der Kernkraft und der Kohle untersucht. Zwei Drittel der Bevölkerung hält das Aus für Atomkraftwerke für richtig, nur 15 Prozent lehnen es ab. Die Bundesregierung hatte 2011 den schrittweisen Ausstieg aus dieser Technik beschlossen, nachdem es im Reaktor im japanischen Fukushima zu einem Unfall gekommen war.

In den Sondierungsgesprächen in Berlin ist derzeit auch der Ausstieg aus der Stein- und Braunkohle ein großes Thema. Die Grünen haben zwar auf Druck von Union und FDP ihre Bereitschaft signalisiert, auf ein festes Ausstiegsdatum zu verzichten. Während Union und Liberale die Kohleverstromung „zur Wahrung der Versorgungssicherheit“ bis 2020 um höchstens 3 bis 5 Gigawatt reduzieren wollen, halten die Grünen mit 8 bis 10 Gigawatt die doppelte Menge für angebracht. Fragt man die Deutschen, sind 63 Prozent für einen Ausstieg aus der Kohle. 23 Prozent stehen dieser Frage neutral gegenüber, nur 11 Prozent lehnen ihn ab.

Union, FDP und Grüne bekräftigen, solch ein Prozess müsse „planbar und sozialverträglich“ sein und die „Interessen der Regionen und der Beschäftigten gewahrt bleiben“. Damit dürften vor allem die Lausitz und das rheinische Revier gemeint sein. In den betroffenen Bundesländern fällt die Zustimmung zum Kohleausstieg tatsächlich geringer aus: 46 Prozent in Sachsen-Anhalt, 44 Prozent in Sachsen, 49 Prozent in Brandenburg und 60 Prozent in Nordrhein-Westfalen.

Trotzdem ist jeder Zweite mit der Politik der Großen Koalition bei der Umsetzung der Energiewende unzufrieden. Zwei Drittel halten die Energiewende für zu teuer. Insbesondere wird kritisiert, dass die „kleinen Leute“ die Kosten der Energiewende tragen. Ortwin Renn, Wissenschaftlicher Direktor am IASS und Projektleiter der Studie, hält das für ein „deutliches Signal“. Seine Schlussfolgerung: „Energiepolitische Maßnahmen sollten stärker auf ihre soziale Verträglichkeit abgeklopft und einkommensschwache Haushalte gezielt unterstützt werden.“

Interessant ist auch die Einstellung der Deutschen zum Ausbau von Windenergie. Während Offshore-Anlagen (auf See) nur von 13 Prozent abgelehnt werden, sind es bei Onshore-Anlagen (an Land) immerhin 24 Prozent. Solaranlagen scheinen weniger umstritten zu sein: 80 Prozent befürworten den Ausbau dieser Art von Technik.

Hinter dem „Sozialen Nachhaltigkeitsbarometer zur Energiewende“ stehen das Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS), die 100-prozent-erneuerbar-Stiftung und die innogy-Stiftung für Energie und Gesellschaft. Um die soziale Akzeptanz der Energiewende in Deutschland zu untersuchen, hat das IASS in einer repräsentativen Umfrage gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut Forsa und dem RWI-Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung im Juni und Juli 2017 mehr als 7500 Bürgerinnen und Bürger befragt. Die Paneldaten sollen in Zukunft jährlich erhoben werden.

Quelle: FAZ.NET
Autorenbild/ Hanna Decker
Hanna Decker
Redakteurin in der Wirtschaft.
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