Hacker-Kommentar

Cyber-Blamage

Von Roland Lindner
 - 20:15

Nachrichten von Hacking-Angriffen gehören heute zum Alltag. Die Attacke auf den amerikanischen Finanzdienstleister Equifax hat allerdings eine besondere Dimension, denn das Unternehmen verfügt über höchst sensible Informationen eines großen Teils der amerikanischen Bevölkerung. Die Bonitätsbewertungen, die es auf Basis seiner Daten abgibt, sind entscheidend dafür, welchen finanziellen Spielraum Amerikaner bei größeren Anschaffungen haben.

Man sollte also meinen, Datensicherheit genieße in diesem Hause höchste Priorität. Der jetzt bekanntgewordene Angriff weckt daran erhebliche Zweifel, zumal Equifax sich damit nun schon zum wiederholten Mal als verwundbar herausgestellt hat.

Ein Debakel für das Unternehmen

Es gibt noch nicht einmal Grund, zu vermuten, die Methoden der Angreifer seien besonders ausgefeilt gewesen und Equifax habe kaum eine Chance gehabt, sich dafür zu rüsten. So entsteht der Eindruck, das Unternehmen habe die Bedrohung durch Hacker nicht ernst genug genommen, was nun Millionen von Amerikanern ausbaden müssen.

Es ist auch nicht gerade rühmlich, dass Equifax die Öffentlichkeit erst fast sechs Wochen nach Entdecken des Datenlecks informierte. Die Attacke ist ein Debakel für das Unternehmen, und es wird lange brauchen, das Vertrauen der Amerikaner zurückzugewinnen. Wenn wenigstens andere davon lernen würden.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Lindner, Roland (lid.)
Roland Lindner
Wirtschaftskorrespondent in New York.
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