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Türme am Frankfurter Römer

Dächerplan für „Langen Franz“ und „Kleinen Cohn“

Von Theresa Weiss, Frankfurt
© Helmut Fricke, F.A.Z.

Mit seinem spitzen Fachwerkdach war der „Lange Franz“ ein Hingucker, genauso wie die Turmzwiebel auf dem „Kleinen Cohn“. Die beiden Türme an der Südseite des Römer schmücken den Bau seit 1908. Sie stehen noch heute – aber ohne ihre prunkvollen Dächer.

Annette Rinn, die Fraktionsvorsitzende der FDP im Römer, erinnert sich noch gut, wie sie sich vor zehn Jahren mit ihrer Partei für den Wiederaufbau der Türme an der Bethmannstraße eingesetzt hat. Sie waren im Zweiten Weltkrieg teilweise zerstört worden, ebenso wie das Gebäude, in dem mittlerweile die Stadtkämmerei untergebracht ist. Die Türme wurden nach dem Krieg nur notdürftig wieder aufgebaut. Seit etwa 65 Jahren haben sie nun sogenannte Notdächer, die flacher sind und nicht zu den neogotischen Türmen passen. Außerdem sind sie ein gutes Stück kürzer als zuvor: Der „Lange Franz“ war mit 70 Metern Höhe einmal der höchste Profanbau der Stadt gewesen, nun misst er nur noch 45 Meter.

In Reihe der Etat-Anträge

Die FDP wollte vor zehn Jahren, dass die Türme rekonstruiert werden. „Es war eine Zeit, in der es Frankfurt finanziell sehr gut ging“, erzählt Rinn. Ganz neu war die Idee auch damals nicht – der ehemalige Baudezernent Franz Zimmermann (FDP) hatte 2003 schon einmal versucht, die Turmkappen wiederherstellen zu lassen, doch es fehlte an Geld. 2007 griff die FDP das Vorhaben wieder auf. Doch aus den Plänen wurde nichts: Die Finanzkrise kam, und Rinns Fraktion war der Ansicht, dass Themen wie Bildung und Verkehr in schwierigen Zeiten wichtiger seien als eine Stadtreparatur. Auch die anderen Fraktionen verfolgten die Pläne jahrelang nicht weiter, obwohl die CDU den Antrag der FDP zuerst abgelehnt und sich dann 2008 zu eigen gemacht hatte. Der Plan verschwand wieder in der Schublade.

Jetzt hat ihn die CDU wieder hervorgeholt. Warum zehn Jahre lang nichts passierte, ist unklar; der Sprecher der Fraktion vermutet jedoch, dass das Vorhaben in der schwarz-grünen Koalition „nicht unumstritten“ gewesen sei. Mit dem neuen Koalitionspartner SPD scheinen sich die Wogen geglättet zu haben. Außerdem ist es um den Haushalt inzwischen wieder besser bestellt.

Der Ursprung: Um 1910 hatten „Langer Franz“ und „Kleiner Cohn“ noch Spitzdächer.
© Institut für Stadtgeschichte Frankfurt a. M., F.A.Z.

Die schwarz-rot-grüne Koalition nahm deshalb einen Prüfauftrag für das Projekt in die Reihe ihrer Etat-Anträge auf. Dadurch solle festgestellt werden, wie viel eine Rekonstruktion kosten würde, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende Michael zu Löwenstein. Erst wenn klar sei, wie teuer die Bauarbeiten würden, könne entschieden werden, ob die Stadt das Geld für die Rekonstruktion der Turmdächer aufwenden wolle. Das Stockwerk auf der Stadtkämmerei gehöre nicht zum Antrag.

Abhängig von den Kosten

Vor mehr als zehn Jahren hatte es schon einmal eine Prüfung gegeben, die Machbarkeitsstudie datiert sogar aus dem Jahr 1984. Bei der jüngsten Prüfung im Jahr 2003 waren 2,5 Millionen Euro für den Wiederaufbau veranschlagt worden, nun dürfte der Betrag deutlich größer sein. „Die Türme sind seit 40 Jahren ein Thema, aber es wurde immer befürchtet, dass es zu teuer wird“, sagt Löwenstein. Durch die abermalige Prüfung wolle seine Fraktion jetzt Klarheit bekommen.

Annette Rinn könnte sich ebenfalls vorstellen, den Aufbau der Türme wieder in die Agenda zu nehmen, „allerdings ist das abhängig davon, was das kosten soll“, sagt auch sie. Bis die Studie irgendwann vorliegt, bleibt ungewiss, ob der „Lange Franz“ und der „Kleine Cohn“ ihre alten Dächer zurückbekommen.

Quelle: F.A.Z.
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