Immobilien
Quartier „Four“ in Frankfurt

Dichte Stadtoase mit Tanzgarten

Von Rainer Schulze
© Simulation Groß & Partner/UN Studio, F.A.Z.

An den Wänden des Abs-Saals an der Junghofstraße hängen dicht an dicht die Pläne. Spektakuläre Hochhaus-Skizzen, komplizierte Grundrisse, Schnitte, Fassaden-Konzepte, Tragwerks-Studien, Sonnenlicht-Analysen. 16 deutsche und internationale Architekturbüros haben an dem Wettbewerb für das frühere Deutsche-Bank-Areal am Roßmarkt teilgenommen. Doch ein Beitrag hebt sich ab: Mit deutlichem Abstand ist UN-Studio aus Holland als Sieger hervorgegangen. Der Gründer Ben van Berkel ist aus Amsterdam angereist und strahlt: „Wir bringen neues Leben in die City.“

Der Entwickler Groß & Partner hat das Projekt auf den Namen „Four“ getauft. Vier Hochhäuser entstehen auf dem Grundstück zwischen der Deutschen-Bank-Filiale am Roßmarkt, Großer Gallusstraße, Neuer Schlesingergasse und Junghofstraße. Ein 228 Meter hoher Hotel- und Büroturm, zwei Wohntürme mit 175 und 120 Metern und ein 100 Meter hoher Büroturm. Außerdem gibt es zahlreiche Geschäfte und Restaurants und eine Kita. Der Clou ist ein öffentlich zugänglicher Dachgarten auf dem Hochhaussockel in 20 Meter Höhe - mit „Tanz-Garten“. Außerdem soll es an der Stelle des Abs-Saals eine zweigeschossige „Food Hall“ geben, also eine Art kuratiere Markthalle mit rund 30 Ständen. Die Deutsche Bank verlässt das Areal und zieht in ein neues Händlerzentrum, das alte Hochhaus wird abgebrochen. Wenn 2018 der Bebauungsplan vorliegt, soll der eine Milliarde Euro teure Bau beginnen und 2022 fertig sein.

Himmelwärts: Blick an den vier geplanten Türmen entlang nach oben, wie die Planer es sich vorstellen
© Simulation Groß & Partner/UN Studio, F.A.Z.

Entwickler Jürgen Groß sind am Siegerentwurf keine Schwächen aufgefallen. Die vier Hochhäuser seien architektonisch „eine Familie“. Der Name „Four“ stehe nicht nur sinnbildlich für die Gestaltung, er spiegele in seinem Klang auch den Inhalt des Projekts wieder. „Das ist ein Projekt für Frankfurt und die Menschen in der Stadt.“ Groß kann sich auch noch eine kulturelle Nutzung vorstellen, etwa eine Ausstellungsfläche für Städel-Schüler. Er will mit dem Projekt Emotionen erzeugen: „Es soll schmecken.“ Der Entwickler ist derart überzeugt von seinem Konzept, dass er mit einer Hochhauswohnung liebäugelt: „Wenn ich in Frankfurt noch einmal umziehe, dann hierhin.“

Planungsdezernent Mike Josef (SPD) meint, dass sich die Hochhäuser selbstverständlich in die Skyline einbetten. Das Projekt symbolisiere einen Paradigmenwechsel im Bankenviertel vom Finanzzentrum zu einem „weicheren“ Viertel mit Wohnungen. Die Markthalle erinnert ihn an den Saalbau, der einst an der Junghofstraße stand, den Dachgarten nennt er ein „Stadtbiotop“. Josef weist auf die hohe bauliche Dichte hin: Insgesamt entstehen 219 000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche - die Hälfte entfällt auf Büros, 30 Prozent auf Wohnungen und 15 Prozent auf zwei Hotels. Eines zieht in den denkmalgeschützten Riegel an der Junghofstraße ein, der zwei Durchgänge erhält. Durch die Markthalle gelangen Besucher ins Innere des Quartiers. Eine weitere Passage gibt es in Höhe der Alten Rothofstraße.

Lichtspiel: So soll es laut Siegerentwurf einmal aussehen, wenn das Deutsche-Bank-Areal mitten in Frankfurt nahe Goetheplatz einmal umgestaltet sein wird
© Simulation Groß & Partner/UN Studio, F.A.Z.

Viele unterlegene Entwürfe, etwa der von Zaha Hadid Architects, würden auch in eine Bürostadt passen. Zwischen Wohn- und Büronutzung wird bei der äußeren Gestaltung der Türme kaum unterschieden, die Bewohner blicken auf nüchterne Glasfassaden. Zwei dritte Preise gingen an die Arbeitsgemeinschaften von Helmut Jahn/Max Dudler und Meixner Schlüter Wendt/Snohetta. Eine Anerkennung gab es für das Team Christoph Mäckler/Coop Himmelb(l)au. Auf deren Visualisierung scheint einiges verrutscht: Menschen tragen Regenschirme, obwohl die Sonne vom Himmel brennt, auf einem steinernen Sockel stehen schroffe Baukörper, von den Verfassern als „kristallines Ensemble“ bezeichnet. Hier haben zwei Architekten mit unterschiedlichen Ansätzen offenbar nicht zusammengefunden.

Die Ausstellung im Abs-Saal des Deutsche- Bank-Gebäudes, Junghofstraße 11, ist bis zum 18. März montags bis freitags von 10 bis 19 Uhr und samstags bis 16 Uhr geöffnet.

Quelle: F.A.Z.
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