Infomangel und Diskriminierung

Flüchtlinge haben es schwer bei der Wohnungssuche

 - 13:36

Alan Cheikho, Arabischlehrer aus dem syrischen Qamishli, öffnet die Tür seiner neuen Bleibe: ein Wohncontainer in Berlin-Hohenschönhausen. Von einem winzigen Flur mit Spüle, Toilette und Bad gehen zwei etwa zehn Quadratmeter große Zimmer ab, in jedem stehen zwei Betten. Der Boden ist kalt, die Wände kahl. „Einige Leute finden das hier okay“, sagt der 30-Jährige: „Aber ich fühle mich wie im Gefängnis, in diesem engen Plastikzimmer.“ Deswegen sucht er schon seit Monaten nach einem Zimmer in einer Wohngemeinschaft – gefunden hat er bisher allerdings nichts. Auf 60 oder 70 Anfragen bei Internetportalen erhalte er ein bis zwei Antworten, sagt er, und das seien meist Absagen.

Mit seinem Problem ist er nicht allein: Nach Angaben des Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) gibt es allein in Berlin rund 8000 anerkannte Flüchtlinge, die noch in Gemeinschaftsunterkünften wohnen, obwohl sie schon Arbeitslosengeld II beziehen. Hinzu kommen Tausende Asylbewerber, die ebenfalls in Massenquartieren leben und die sich eigene Wohnungen suchen dürften, aber keine finden. In anderen Großstädten sieht es nicht viel besser aus, in Dresden etwa fehlen vor allem kleine Wohnungen für Menschen mit weniger Geld, die staatliche Transferleistungen beziehen.

„Der Wohnungsneubau kann mit dem angewachsenen Zuzug, vor allem in die Großstädte, noch nicht mithalten“, heißt es beim Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW. Dringend benötigt werde mehr bezahlbarer Wohnraum für alle Menschen. GdW-Präsident Axel Gedaschko: „Es bestand schon vor dem vermehrten Zuzug durch Flüchtlinge seit 2014 ein Angebotsdefizit. Die Migration verstärkt den Druck jetzt noch mal.“ Rund 400.000 Wohnungen müssten jährlich bis 2020 neu gebaut werden – davon mindestens 60.000 Wohnungseinheiten im preisgünstigen Segment. Davon sind die tatsächlichen Zahlen noch entfernt: Zwar sind die Baugenehmigungen 2016 immerhin um 21,6 Prozent auf 375.400 Wohnungen gestiegen, doch die wichtigeren Fertigstellungen hinken hinterher: Bezogen werden konnten 2015 nur 248.000 Wohnungen (plus 1 Prozent), für 2016 liegen noch keine Zahlen vor. Das Ifo-Institut rechnet mit 300.000 Fertigstellungen 2016.

Warum es Flüchtlinge angesichts fehlender Wohnungen besonders schwer haben, eine eigene Bleibe zu finden, hat das Berliner Institut für Integrations- und Migrationsforschung (BIM) erstmals systematisch am Beispiel von Berlin und Dresden untersucht. Dabei stellten die Autorinnen der Studie „Welchen Zugang haben Geflüchtete zum Wohnungsmarkt?“ neben generellem Wohnungsmangel und bürokratischen Hürden wie etwa der Wohnsitzauflage vor allem einen Mangel an Informationen und Probleme mit Diskriminierung fest. In Berlin wüssten demnach viele Schutzsuchende nicht, dass sie bereits im laufenden Asylverfahren in eine Wohnung ziehen könnten.

Suche scheitert oft an Vermietern

Häufig, so heißt es in der Studie, scheine die Suche jedoch an den Vermietern zu scheitern. In Dresden etwa seien private Vermieter oft nicht mit den Ausweispapieren der Flüchtlinge vertraut. Außerdem wollten Vermieter oft schlichtweg nicht an Zuwanderer vermieten.

Bente Schmiade und Linda Blüml helfen seit über einem Jahr ehrenamtlich Geflüchteten in Berlin bei der Zimmersuche. Vorurteile seien ein echtes Problem, sagt die Malerin und Bildhauerin Blüml. Die Leute sagten oft, sie wollten helfen, „aber meine Wohnung ist neu, und das Parkett soll nicht kaputtgehen“. Und das seien noch die harmloseren Vorbehalte.

Die Autorinnen der Studie empfehlen Kommunen mit angespanntem Wohnungsmarkt, mehr Sozialarbeiter einzustellen, um den Menschen bei der Suche zu helfen. Laut Berliner Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten ist das derzeit allerdings fast unmöglich: „Sie werden in Berlin zurzeit extreme Schwierigkeiten haben, akademisch ausgebildete, qualifizierte Sozialarbeiter zu finden“, sagte LAF-Sprecher Sascha Langenbach.

Auch in Dresden sieht man die Empfehlung skeptisch. Das Büro der Sozialbürgermeisterin schreibt, von zu wenig Personal für die soziale Betreuung von Asylsuchenden könne keine Rede sein. Alle würden so lange begleitet, bis eine eigene Wohnung bezogen werden könne.

Quelle: epd/pso./F.A.Z.
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